Bern

Dem Stadttheater drohen weitere Abstriche

BernSollte die Stadt Bern nicht für das Provisorium während des Stadttheater-Umbaus aufkommen, muss die Sanierung weiter abgespeckt werden. Das kam am Mittwoch bei einem Medienrundgang heraus.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf dem Medienrundgang durchs Stadttheater sollte das Provisorium eigentlich nicht die Hauptrolle spielen. Anlass war der Start in die zweite von vier Sanierungsetappen. «Endlich geht es richtig los», sagte Stephan Märki, Intendant von Konzert Theater Bern, zu Beginn. Stadtbaumeister Thomas Pfluger informierte mit Märki und Stiftungsratsvize Marcel Brülhart über den Stand der Dinge. Über die erneute Ausschreibung der Theaterbestuhlung, über das Foyer, das im Herbst neu daherkommen wird, über den Verlauf von Kabeln und die Unwägbarkeiten des komplexen Umbaus.

Doch aufhorchen liess vor allem Marcel Brülharts Auskunft zum Provisorium. Seit im Februar bekannt wurde, dass sich die Sanierungsetappe 2016 über ganze acht Monate erstrecken soll, fordert das Theater eine Übergangsspielstätte, um den Theaterbetrieb aufrechterhalten zu können. «Das Provisorium brauchen wir unbedingt», sagte Brülhart gestern, ohne konkrete Angaben zum Stand der Dinge zu machen. Über die Wahl des Ersatzspielorts wird offiziell erst in drei Wochen informiert.

Theater bezahlt für Fehler

Klar ist laut Brülhart hingegen – «ich sage dies jetzt ganz offen»: Falls für das Provisorium kein Geld aufgetrieben werde, sei es möglich, «dass wir Mittel aus dem Projektbudget brauchen». Das bedeutet: Das Sanierungsprojekt muss weiter gestutzt werden. Offenbar sind die Signale der Stadt diesbezüglich nicht gerade rosig. Sollte es so weit kommen, ist dies ärgerlich fürs Theater, weil es für die Planungsfehler der Stadt aufkommen muss – jene Fehler, die zur Verzögerung der Sanierung geführt haben. «Man hatte ja drei Jahre geplant, damit es nicht so weit kommt», raunte Direktor Stephan Märki gestern am Rande der Medienkonferenz.

Abgesehen davon versprühte er vorwiegend Zuversicht, grundsätzlich euphorisiert durch die hohen Zuschauerzahlen in der laufenden Saison. Brülhart wiederholte das Mantra der KTB-Optimisten, man sei es im Theater gewohnt, kreative Lösungen zu finden – und das Provisorium sei eine Chance, an einem neuen Ort neues Publikum zu finden. Ist er denn gar nicht verärgert über diese Entwicklung?

«Der Stiftungsrat ist realistisch. Wenn wir nach dieser Vorgeschichte in zwei Jahren das sanierte Theater bekommen, sind wir schon sehr zufrieden.» Das unbewegliche Kostendach bringt Kostensicherheit für das städtische Budget – im Umbau führt indes jedes Haar in der Suppe zu einer weiteren Abmagerungskur.

Stadt: «Lead ist beim Theater»

Vonseiten der Stadt kommentierte Stadtbaumeister Pfluger: «Der Lead für das Provisoriumsprojekt liegt bei Konzert Theater Bern. Dazu zählt auch die Finanzierung.» Mehr könne derzeit nicht gesagt werden. Das tönt nicht nach Bereitschaft der Stadt, das geforderte Provisorium zu tragen.

Die Marathonaufführung um den städtischen Sanierungsmurks geht in den gefühlten zwölften Akt. Was zuletzt von der Sanierung noch übrig bleiben wird, ist für niemanden voraussehbar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.04.2015, 06:32 Uhr

Artikel zum Thema

Konzert Theater Bern will Provisorium im Zentrum

Bern Die Sanierung des Berner Stadttheaters zieht sich um ein weiteres Jahr in die Länge. Nun fordert Direktor Stephan Märki Ersatz. Mitten in der Stadt Bern soll ein Provisorium entstehen. Die Stadt reagiert zurückhaltend. Mehr...

Umbauzeit des Stadttheaters wird verlängert

Bern Die Sanierung des Berner Stadttheaters dauert ein Jahr länger als geplant. Dies erlaubt es, gewisse Projektteile neu auszuschreiben und auf weitere Einsparmöglichkeiten hin abzuklopfen. Dieses Vorgehen ärgert GLP-Stadtrat Michael Köpfli. Mehr...

Konzert Theater Bern – mehr Besucher trotz verkürzter Saison

Bern Die Besucherzahl des Konzert Theater Bern nahm um gut sechs Prozent zu. Daher zieht es eine positive Bilanz des vergangenen Geschäftsjahrs, obwohl die Spielzeit im Stadttheater wegen der Sanierung verkürzt war. Mehr...

Kommentare

Blogs

Echt jetzt? Pornos für Frauen? Gähn.

Serienjunkie Der spinnt, der Lynch!

Von Digital bis Classic

Auf allen Kanälen. Hier bestellen!

Die Welt in Bildern

Abgetaucht: In Zürich geniesst man die sommerlichen Temperaturen mit einem Bad im See. (26. Mai 2017)
(Bild: Walter Bieri) Mehr...