«Das Fass ist übergelaufen»
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 02.09.2010 43 Kommentare
Sein Ballett ist am Anschlag: Heinz Spoerli. (Bild: Keystone )
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Präzisierung: An dem Abend mussten nicht wie im Lead beschrieben knapp 1000 Personen nach Hause geschickt werden, sondern nach neueren Informationen nur knapp 600.
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«Ich möchte mich bei allen Zuschauern herzlich entschuldigen», sagt ein hörbar niedergeschlagener Ballett-Direktor Heinz Spoerli heute Vormittag am Telefon. Die Vorstellung von «Nocturnes/Solo/Der Tod und das Mädchen», die gestern im Zürcher Opernhaus hätte stattfinden sollen, wurde kurzfristig aus «technischen Gründen» abgesagt. Was war passiert? Auslöser war eine scheinbare Bagatelle: Die Vorhänge hingen nicht so, wie Spoerli es wünschte, die Techniker beharrten darauf, dass sie genau so angebracht waren, wie abgemacht. «Das Fass ist übergelaufen, ich habe die Vorstellung dann abgesagt», so Spoerli. Um dann anzufügen: «Ich hätte das nicht tun dürfen.»
Die Ursache des Eklats liegt tiefer. «Wir sind völlig überlastet und am Anschlag», so Spoerli. Normalerweise scheut das Opernhaus keinen Aufwand, damit eine Vorstellung stattfinden kann, notfalls wird auch mal ein Sänger kurzfristig per Helikopter eingeflogen (siehe Artikel zum Thema). Die Absage zeigt, dass die Situation ernst ist. Der 70 Jahre alte Ballettdirektor zählt auf, was seine Truppe in diesen Tagen leisten muss: Am Samstag war Premiere des neuen Ballettabends «Nocturnes/Solo/Der Tod und das Mädchen», heute Donnerstag ist die Wiederaufnahme des Handlungsballetts «Raymonda», wofür auch mehrere Proben nötig sind. Dazwischen waren zwei Vorstellungen im Opernhaus und ein Gastspiel eingeplant. Und ausgerechnet in jener Zeit ist noch ein Ballettmeister krankheitshalber ausgefallen. Zu viel für Spoerli und seine Tänzer.
Angespanntes Verhältnis
Hat der Hausherr Alexander Pereira schlecht geplant? Spoerli hütet sich davor, ihm die Schuld zuzuschieben. Das Haus, nicht Pereira, habe ihm zu viel zugemutet. Jedoch ist es ein offenes Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Heinz Spoerli und Alexander Pereira immer mal wieder angespannt ist. Die Auseinandersetzungen drehen sich in der Regel um die Probenzeiten auf der Bühne und die finanziellen Mittel. Pereira hat kürzlich allerdings bekräftigt, wie viel ihm an Spoerli liegt. An der Premierenfeier am Samstag sagte er in seiner Rede, dass er gerne auch in Salzburg mit ihm weiterarbeiten würde (Pereira wird demnächst Intendant der Salzburger Festspiele). Alexander Pereira war heute Vormittag nicht für eine Stellungnahme erreichbar, um 13 Uhr hat das Haus eine Erklärung angekündigt. Wir bleiben dran.
Nachtrag: Wie das Opernhaus gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnet mitteilt, verzögert sich die Veröffentlichung der Erklärung auf einen späteren Zeitpunkt am Nachmittag. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.09.2010, 11:57 Uhr
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43 Kommentare
Künstler sind bekannterweise eine eigene Spezie. Auch wenn viele am Anschlag sind, darf eine unmittelbare Vorstellung nicht einfach abgesagt werden. Man sieht bei diesen Profis einfach auch keine Freude an der Aufführung. Das Ganze wird zu einem Muss. Am Opernhaus Zürich ist dringend eine Auswechselung erforderlich. Nur so kommt neuer Wind hinein und man kann gute Vorstellungen geniessen. Antworten
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