Bernberliner zum Reinbeissen
Von Oliver Meier. Aktualisiert am 04.11.2010
Stichworte
Aufführungen
Folge 1: 5. bis 7.11.
Folge 2: 19. - 21.11.
Folge 3: 3. - 5.12.
Folge 4: 17. - 19.12.
Folge 5: 30.12 - 1.1.
Im Berner Progr (Aula).
Mit Partyrahmenprogramm und Bern-Berliner Gastronomie. Tickets und genaue Spielzeiten: www.theatersoap.ch
«Ich werde meinen Sohn finden, auch wenn ich die verdreckte Stadt umpflügen muss!» Regula von Bubenwyl (54), angeheiratete Bernburgerin, hat es schon immer gewusst: Berlin ist ein mieses Pflaster. Wieso ihr Sohn ums Verrecken in der deutschen Hauptstadt studieren wollte, hat sie nie verstanden. Nun muss sie das Schlimmste befürchten. Denn Urs (25) ist während einer feuchtfröhlichen Partynacht abhandengekommen. Ob der Bubenwyl-Spross einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist?
Besorgt fährt Regula von Bubenwyl nach Berlin – und trifft im Grossstadtdschungel auf eine bizarre Truppe von Berner Exilanten und Freaks, die alle etwas mit dem Fall zu tun zu haben scheinen. Hans-Peter Horn (52), zum Beispiel: Der «Schrottkünstler» mit zwielichtiger Vergangenheit hat seine Altbauwohnung zur kommerziellen WG für gestrandete Exilanten und Kurzzeitaufenthalter umfunktioniert. Nicht nur Urs gehört(e) zu seinen Gästen, auch Reto (36), der Bauernsohn aus dem Berner Oberland: Seit Jahren lebt er in Berlin, auf der Jagd nach einem Lover fürs Leben.
Mais in der «Pension Horn»
Einen solchen hat Jennifer (21) längst gefunden – im entschwundenen Urs. Über dessen Verbleib will die «Hartz-IV-Prinzessin» allerdings genauso wenig Bescheid wissen wie Daniel, der coole Berner Versicherungsangestellte, der regelmässig zum Partymachen in die Metropole jettet und die schrecklich nette Schicksalsfamilie in der «Pension Horn» komplettiert.
«Schnäu und Dräckig», die Bernberliner Theaterserie, bringt die zwischenmenschlichen Wirren als Fortsetzungsgeschichte in fünf Teilen zur Entfaltung – in Mundart, inklusive Soundkulisse und Werbeunterbrechungen, munter wechselnd zwischen den beiden Hauptschauplätzen – Horns Pension und jenem Berner Lokal, in der ein klatschsüchtiger Barkeeper, der Onkel des verschollenen Urs, seine Berlin-Träume ausbreitet.
TV-Serien als Vorbild
Eine Bühnenparodie auf das TV-Format Seifenoper? Andreas Stadler, Initiant des Projekts, schüttelt den Kopf: «Ich teile die Meinung nicht, dass TV-Serien und -Soaps etwas Minderwertiges darstellen, das man von der hohen Warte des Theaters aus belächeln kann. Im Gegenteil: Das Theater kann vom Fernsehen lernen, wie man lebensprall erzählt, die Zuschauer an die Hand nimmt und effizient bei der Stange hält.» Stadler, aufgewachsen in Liebefeld, lebt seit 20 Jahren als Schauspieler, Regisseur und Autor in Berlin. Erst spät habe er als «Theatertier» US-Serien wie «The Sopranos» oder «Six Feet Under» für sich entdeckt – «grossartige Sittengemälde», die er gar mit Thomas Manns «Buddenbrooks» vergleicht.
Bereits 2008 brachte Stadler mit Patrick Schuckmann, Autor bei «Gute Zeiten schlechte Zeiten», in Zürich eine Fortsetzungsstory nach TV-Vorbild auf die Theaterbühne: «Absolut Züri» erzählte in acht Folgen über ein halbes Jahr hinweg von der «Midlife Crisis der Technogeneration» – und wurde prompt zum Publikumsrenner. «Es gab eine regelrechte Fangemeinde, die sich alle drei Wochen traf und über die Themen und Figuren diskutierte», so Stadler.
Mit Berner Dramatikern
Den Erfolg will er nun in Bern fortsetzen – mit einer «schnell und dreckig» produzierten Bühnensoap, die das Klischee nicht scheut, aber hinter der unterhaltsamen Fassade das Thema Identität rund um Stadlers «Heimaten» verhandelt: Bern, die «Unesco-geschützte Gemütlichkeitsfalle», und Berlin, jene Stadt, «über die jeder eine Meinung hat», so Stadler. Er hat dafür eine schlagkräftige Gruppe zusammengetrommelt: Neben dem TV-Texter Patrick Schuckmann treten die Berner Ariane von Graffenried, Raphael Urweider und Matto Kämpf als Autoren einzelner Folgen in Erscheinung, die im Zweiwochenrhythmus auf die Bühne kommen. Regie führen Stadler und die Bernerin Katharina Ramser. Zudem wird in jeder Folge ein «Promi-Gast» mitspielen – etwa Heidi Maria Glössner.
Wie das Treiben um den entschwundenen Bernburger-Spross Ende Jahr ausgehen wird, weiss Stadler selber noch nicht. Falls die «Serienmaschinerie» ordentlich in Gang kommt, behält er sich aber vor, eine zweite Staffel anzuhängen. So muss es sein. (Berner Zeitung)
Erstellt: 04.11.2010, 11:00 Uhr
Kommentar schreiben
Kultur
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Online-Wettbewerb
Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!
Grandioses Berg-Erleben.
Weltberühmte Berge und 100 Jahre Jungfraubahn: Sommerurlaub vor der schönsten Kulisse der Welt!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





