Mario Batkovic ist auf dem Sprung

Es ist ein guter Frühlingsbeginn für Mario Batkovic. Das Albumdebüt des innovativen Berner Akkordeonisten wird international ver­öffentlicht. Und: Es stehen Konzerte im Amsterdam, Berlin und London an.

International gefragter Akkordeonist: Mario Batkovic.

International gefragter Akkordeonist: Mario Batkovic. Bild: Stefan Anderegg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das nennt man Begeisterung. Ein Onlinekritiker, der im vergan­genen November Mario Batkovics Soloauftritt am «Le Guess Who?»-Festival in einer alten Kirche im niederländischen Utrecht gesehen hatte, wollte anschliessend gleich nach Hause gehen. «Ich konnte mir einfach keine Steigerung mehr vorstellen», schreibt er schwärmerisch. Wie eine Todesfee habe der Akkordeonist aufgespielt, heisst es in der Besprechung, Batkovic habe seine bosnischen Wurzeln perfekt mit einem Schuss «Schweizer Anarchie» im Young-Gods-Stil gemischt. Der Kritiker erfand auch gleich eine neue Bezeichnung für Batkovics Stil: «Madcordion» – eine Kombination von «mad» und «accordion».

Neue Messlatte

Kein Zweifel: Batkovic hat mit seiner neuen Spielart das Akkordeon auf ein neues Level gehoben. Wenn der 36-Jährige aufspielt, eins mit seinem Instrument, in das er tief hineinzuhorchen scheint, dann verstummen gestandene Rocker, obschon Batkovics strikt instrumentale Musik etwas Klassisches, ja Sakrales hat.

Batkovic hat mit seiner neuen Spielart das Akkordeon auf ein neues Level gehoben.

Umgekehrt erkennen auch Liebhaber der sogenannt Neuen Musik das Potenzial dieser durchkonzipierten und doch grenzenlosen Kompositionen. Zu den erklärten Fans des bernischen Akkordeonisten mit bosnischen Wurzeln gehört Geoff Barrow von der britischen Trip-Hop-Band Portishead, der ihn schliesslich für sein Label Invada verpflichtete. Dort wird heute Batkovics erstes Soloalbum von 2015 in einer neuen, erweiterten Version auch in England veröffentlicht. Und es folgt in den nächsten Wochen ganz Europa.

Sofort gibt es auch für das Album international frenetisches Lob: «Eine neue Messlatte in der zeitgenössischen Musik», findet das Musikmagazin «Louder than War» und vergibt 10 von 10 Punkten. Das britische Konkurrenzblatt «Mojo» hat Batkovic zum aufstrebenden Star deklariert und lobt dessen demütige Haltung und futuristische Musik.

Der Nerv der Zeit

Vorbei die Zeiten, als Batkovic, der auch auf dem neuen Album von Stiller Has mitwirkt, mit einheimischen Bands wie den Kummerbuben durch die lokalen Clubs tingelte. Es stehen Konzerte in ganz Europa an – unter anderem in Amsterdam, Berlin, Brüssel und London. «Ich versuche, das Schöne in der Dunkelheit zu finden», wird Batkovic in «Mojo» zitiert. Damit und mit seiner ebenso innovativen wie intensiven Musik, die sich in keine Schubladen verstauen lässt, hat er offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen.


CD/LP:Mario Batkovic (Invada/Musikvertrieb). www.batkovic.com
(Berner Zeitung)

Erstellt: 17.03.2017, 08:49 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Gärtner, aber kein «Blüemeler»

Er sucht in der Musik das Überraschende und im Garten das reale Leben. Der Berner Akkordeonist Mario Batkovic tauft am Samstag seine erste Solo-CD im Bierhübeli. Mehr...

Der Musikant aus dem «Jugoland»

4. Folge Mario Batkovic peppt mit den Kummberbuben hiesige Volkslieder mit mehr als einer Prise Balkan auf. Dass Schweizer Probleme mit dem Concours Eurovision de la Chanson und dem Militär haben, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Mehr...

Vibrierendes Gipfeltreffen zweier Jazz-Legenden

Die beiden Spitzeninstrumentalisten Ron Carter (Bass) und Richard Galliano (Akkordeon) führten die Zuhörer im Kulturcasino auf eine Reise durch Stile und Kulturen bis zu Bachs Cellosuiten. Mehr...

Promotion

Kostenlose Ebooks

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Kommentare

Blogs

Gartenblog Griechische Randen
Gartenblog Gern gesehene Gäste

Service

Schnelle Info für zwischendurch

Lesen Sie die Nachrichten aus der Region in Echtzeit.

Die Welt in Bildern

Ein Ohrenschmaus: Das Glastonbury-Festival mit über 100'000 Besuchern, ging heute nach fünf Tagen zu Ende.Ein Zuhörer beim Verlassen des Geländes (26. Juni 2017). Revellers and detritus are seen near the Pyramid Stage at Worthy Farm in Somerset during the Glastonbury Festival in Britain, June 26, 2017. REUTERS/Dylan Martinez
(Bild: Dylan Martinez) Mehr...