Der Endosaurusrex und das verflixte Maiglöckchen

Auf «Endosaurusrex», dem neuen Album von Stiller Haas, das am Freitag erscheint, sind neue Einflüsse deutlich hörbar. Es wird weniger gerumpelt, dafür mehr geklotzt und mehr experimentiert. Das funktioniert nicht immer gleich gut.

Der Gitarrist Schifer Schafer (ganz rechts) ist auf dem neuen Album nicht mehr vertreten. Endo Anaconda (Mitte) dafür in neuer Frische.

Der Gitarrist Schifer Schafer (ganz rechts) ist auf dem neuen Album nicht mehr vertreten. Endo Anaconda (Mitte) dafür in neuer Frische. Bild: Beat Mathys

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Der Zwerg mag nicht mehr. Das Schneewittchen lag nur rum, während er im Garten schuftete und sich von Katzen zerkratzen liess. «So long, Schneewittli, lueg zu dir / furt us däm Land hinger de Bärge / wo Cowboys zu ­Gartezwärge wärde», singt Endo Anaconda im Song «Zwärg» des am Freitag erscheinenden Albums «Endosaurusrex».

Auch Anaconda (61) selber mochte nicht mehr und hat eine neue Band zusammengestellt. Statt eines musikalischen Pols – des Gitarristen Schifer Schafer – gibt es nun deren zwei: den Akkordeonisten Mario Batkovic und den Pianisten Roman Wyss, mit dem Anaconda schon mehrmals als Duo auftrat.

Der neue Hasensound ist weniger bluesig, weniger rumpelnd als vorher, dafür ist er abwechslungsreicher geworden: Akkordeon, Piano, Chöre, Streicher, ab und zu ein Banjo. Mal alles zusammen, mal nur ein Piano. Und immer hört man, wer musikalisch gerade das Zepter in der Hand hält. Bei «Witwe» ist es Batkovic – Balkanschmelz trifft auf universelle Ironie und Bosheit. Bei «Flieder» ist es Wyss. Fast eine schmelzige Popballade ist das, am Anfang nur von Klavier begleitet, später kommen Schlagzeug, Gitarre und Streicher hinzu.

Was alle drei – Anaconda, Batkovic und Wyss – zu verbinden scheint, ist die Liebe zu Italo­western. Westernsound klingt immer wieder an («Hung», «Zwärg»), und Cowboys kommen auch in den Texten mehrmals vor. Im Lied «Lee van Cleef» geht es gar um einen legendären Star des Italowesterns.

Da ist eine neue musikalische Wuchtigkeit im Hasensound. Die Lust am Experiment ist hörbar – funktioniert aber nicht immer gleich gut. In «Flieder» wird das traurige Lied gegen Ende ­erdrückt, in «Phönix» scheinen mehrere Ideen miteinander zu konkurrieren. Dabei wirken Stimme und Texte Anacondas am besten, wenn man sie atmen und wuchern lässt.

So wie in «Spoken Word»: Eine fiebernde Gitarre, ein schlaftrunkenes Piano und gefühlte dreissigtausend Wörter: «Z’vil Text uf z’Mal cha töte / u we’d nid stirbsch, bisch am verblöde / z’vil Info tuet nid guet / z’vil Wort si Mord», singt Anaconda. Im Song erwischt der Ich-Erzähler nämlich statt Bärlauch die giftigen Maiglöckchen, und während ihm langsam die Luft ausgeht, wird er vom Lisi zugetextet. Das ist rabenschwarz lustig und zartbitterer Ernst. Das ist düster und verschroben. Grossartig ist das.

Stiller Has: «Endosaurusrex», Soundservice. Erscheint am Freitag. CD-Taufe: 16. 3., Bierhübeli, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.02.2017, 10:40 Uhr

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