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Wenn Trummers Welt Kopf steht

Von Michael Gurtner. Aktualisiert am 01.04.2009

Verkehrte Welt: Ausgerechnet in den USA hat der Songwriter Trummer berndeutsche Texte geschrieben – für «Dr ganz Wäg zrügg», eine Platte voller Melancholie, in der die Welt oft Kopf steht. Eine Begegnung in Adelboden.

bernerzeitung.ch

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Infos

CD: Trummer «Dr ganz Wäg zrügg», Chop Records. TV: Trummer in Music Night, SF2, 14. Februar. Live: Plattentaufe mit Gästen, 7. März in der Mühle Hunziken, Rubigen.

Hörprobe: «Chunnt scho guet»

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Es ist ein ganz und gar heimeliges Heimspiel. Im urchigen Ambiente der «Alten Taverne» in Adelboden testen Trummer und seine Band die neuen berndeutschen Songs erstmals live vor Publikum. «Das isch bsungers schön, hie i dr Heimat», sagt der in Frutigen aufgewachsene Singer/Songwriter. Und stimmt «Dr ganz Wäg zrügg» an, dieses «Lied übers ganz langsam heicho», das der gestern veröffentlichten neuen Platte den Namen gegeben hat. Den ganzen Weg zurück, den hat auch Christoph Trummer unter die Füsse genommen. Ist zuerst ausgezogen, um in New York seine englischen Songs zu spielen. Kehrte zurück und nahm 2007 «Im Schatte vo däm Bärg» auf, seine erste CD mit berndeutschen Songs. Verschwand wieder in Richtung USA, um neue Texte zu schreiben. Für ihn kein Widerspruch? «Ich habe das schon bei der ersten berndeutschen Platte so gemacht und als sehr kreativ erlebt», sagt der 30-Jährige. Es gehe weniger um die Sprache und mehr darum, wie man etwas wahrnimmt. «Und dafür ist das Reisen super: Mit einem gewissen Abstand sieht man oft alles ein bisschen klarer.»

Das Gespür für die Sprache

«Hand uf wär weiss, was richtig isch / Und wär weiss, wie ds Läbe geit / Hand uf, wär dert geng sicher isch / I ha nes Buech voll Frage hie, u ke Antwort wo geit», singt Trummer in der «Taverne» nach einem überraschend druckvollen Intro im stillen «Hand uf!». Es sind Befindlichkeiten eines Suchenden in einer Welt, die immer mal wieder Kopf steht. Weil da die Zweifel sind, die Sehnsüchte, die letzten Stunden Sommer. «Häb Sorg» widmet Trummer allen, die nicht ihre Jugendliebe geheiratet haben. Und die diese doch nicht vergessen: «U we de nüt vo all däm Andre übrig blibt / Git’s immer no di, git’s immer no mi.»

Da zeigt sich Trummers Gespür für Sprache, für die Atmosphäre eines Songs, der gerade wegen der zurückhaltenden, filigranen Instrumentierung berührt. Niemals plakativ, immer feinsinnig. Und manchmal mit einer sanften Ironie. Wie bei Jenä, die schon auf der ersten Berndeutsch-Platte auftauchte, und die sich in «Chunnt scho guet» verliebt, weil ja wieder Frühling ist, und weil der Freund in einer Band spielt, die bestimmt zu den Schweizer Arctic Monkeys avancieren wird. Aber am Ende hat der Typ die ganzen schönen Lieder «für sone Cuba-Bar-Tusse» geschrieben... Trummer sieht Jenä als dankbare Figur, mit der man gut etwas über Bern erzählen kann, über das in der Stadt «umegheie», sich im Kreis drehen. «Ich kann mir eine Serie mit Jenä-Songs vorstellen», sagt er.

Hoffnung in der Traurigkeit

Eindringlich auch, wenn Trummer die Perspektive radikal wechselt. Etwa in «Fasch e chli glücklech», wo er ebenfalls ein Thema von «Im Schatte vo däm Bärg» weiterspinnt. Von der Frau, die ihren Mann verliert. Und die im Alter nochmals zurückblickt auf die Zeit mit ihm. Und die danach. «I bi wider e halbe Tag nöcher bi dir», sagt sie. Und ist fast ein bisschen glücklich mit den Erinnerungen an ihn. Da schwingt auch Hoffnung in der Traurigkeit mit. «Ich mag das Leben», betont Trummer. «Und wer wach durchs Leben geht, der findet überall Geschichten, die es wert sind, in einem Song erzählt zu werden.»

Eingebung im Death Valley

Er habe Lust auf eine Platte gehabt, die in sich geschlossen ist, sagt der Oberländer zur allgegenwärtigen Melancholie der neuen Songs. «Ich fuhr mit dem Auto durch das Death Valley in Kalifornien, hörte Musik und dachte mir: Ich möchte genau so eine Platte machen, die man während einer Autofahrt 40, 50 Minuten hören kann, ohne dass die Stimmung abrupt ändert.» So seien dann einige Songs mit weniger Beziehungsblues auf der Strecke geblieben. Dafür entstand sein «blaues Album», sagt Trummer über das selbst produzierte Werk. Und so passen die letzten Verse des letzten Songs «Morn» wunderbar, die in die «blaue Stunde» entführen, wenn die Dämmerung fällt: «Lue jitz chunnt d’Nacht, lysli wie immer / Ds Mondliecht wirft Schätte vom Vorhang ufe Bode im Zimmer.» Was für ein wunderbar bittersüsses Bild am Schluss einer wunderbar bittersüssen Platte. Und am Ende jenes Abends in der «Taverne», da fällt der Schnee in dicken Flocken über der Landschaft im Dunkeln. Auf dem ganzen Weg zurück. (Berner Oberländer)

Erstellt: 01.04.2009, 11:19 Uhr


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