Wegen ihm brechen sich Mädchen die Rippen
Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 26.07.2010 6 Kommentare
Justin Bieber. (Bild: Keystone )
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Justin Biebers «Baby»
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Nicht einmal zwei Jahre sind es her, seit Justin Bieber einen Plattenvertrag erhielt. Nun ist der Teenager ganz oben. Das amerikanische Magazin «People» feiert ihn als «grössten Popstar der Welt». Sein neues Album ist von null auf Platz eins der US-Charts geschossen. An Weihnachten sang er auf Einladung der Obamas im Weissen Haus. Und die neuste Bieber-Erfolgsnachricht: Die Single «Baby» ist im Internet auf Youtube das erfolgreichste Video überhaupt. Mehr als 250 Millionen Mal ist es angeklickt worden. Damit nicht genug: Bald wird der Kanadier in einer Gastrolle in der erfolgreichen Fernsehserie «CSI» einen Problemjugendlichen spielen.
Die Branche redet vom «Bieber-Fieber». In Australien kreischten die Mädchen angesichts «The Biebs», so sein Kosename, angeblich derart wild, dass acht von ihnen Rippenbrüche erlitten. Solche Auswüchse der Hysterie sind natürlich nichts Neues. Und insofern kann man den im kanadischen Stratford, Ontario, in einfachen Verhältnissen geborenen Jüngling als Mädchenschwarm abtun, wie alle Jahre einer heranwächst.
Ein Range Rover zum 16. Geburtstag
Doch etwas ist neu an Justin Bieber; es erklärt auch die Schnelligkeit, mit der er aufgekommen ist. Bieber wuchs bei seiner alleinerziehenden, gläubigen Mutter auf und soll sich selber Gitarre, Klavier, Trompete und Schlagzeug beigebracht haben. Kein Musiklehrer hat ihn dann aber entdeckt und kein Branchenscout. Und es war auch keine TV-Talentshow, die ihn in die Öffentlichkeit katapultierte. Nein, Justin Bieber ist wesentlich ein Phänomen des Internets, genauer gesagt, der Plattformen Facebook, ( 31.91 -3.39%) Twitter und Youtube, die Dinge lawinenartig ins Rutschen bringen können. Als er noch zu Hause im Kämmerchen musizierte, da nahm nämlich seine Mutter einige dieser Songs auf und stellte sie auf Youtube. Und siehe da, die Lieder fanden ein Riesenecho. Bevor Bieber ein Plattenstudio von innen sah, hatten schon Millionen Menschen seine Hobbyclips angeklickt. Dies machte die Musikindustrie hellhörig. Bieber gewann den R-’n’-B-Mann Usher als Produzenten. Usher hat ihm kürzlich zum 16. Geburtstag einen Range Rover geschenkt. Es ist auch der Dank für Abermillionen Umsatz.
Biebers Musik ist gut, aber nicht sensationell, die Single «Baby» solider R ’n’ B mit Rap-Einsprengseln und Tanzeinlagen namenloser Hintergrundgestalten. Bieber selber strahlt und balzt, was das Zeug hält. Er sieht gut aus auf seine feminine Art: Der ins Gesicht gefönte Pony formt eine samtene Kappe, der Teint ist ein Traum von Pickelfreiheit, die Wimpern sind lang, die Lippen muten mädchenhaft weich an. Die Stimme ist die Heintjes, ist die eines Sängerknaben.
Kommunikation übers Internet
Knallhart kontrastiert die sanfte Erscheinung mit dem Marketing. Gezielt bedient sich Bieber – respektive sein Kommunikationsteam – bei Facebook und Twitter, um der Mädchenwelt immer neue Selbstmitteilungen einzuspeisen. Da wird vage geflirtet und zärtlich geflüstert, in hoher Kadenz. Konsequenter als alle vorangegangenen Popgrössen gaukelt Bieber seinen Bewunderinnen Nähe vor. Daher die Heftigkeit seiner Karriere – er verkehrt mit seiner jungen Anhängerschaft, die permanent online ist, im virtuellen Raum, der bekanntlich keine Barriere kennt. So mobilisiere Bieber, analysiert die «Süddeutsche Zeitung», «Massen in Lichtgeschwindigkeit». Das Tempo, mit dem er ein Star geworden ist, ist das Tempo des World Wide Web. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.07.2010, 07:38 Uhr
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6 Kommentare
Nüchtern und bei Lichte betrachtet, erobert die Musikindustrie nun die Zielgruppe der 10 bis 16-jährigen. Die 16 bis 20-jährigen wurden in den Achzigern und die 20 bis 30-jährigen im summer of love rekrutiert. Als nächstes sind dann die 5 bis 10-jährigen dran. Darunter wird's langsam heikel. Antworten
Es ist interessant, wie bei Kinderstars die offensichtliche sexuelle Faszination immer mit "kreischenden Mädchen" moralisch-korrekt weggedrückt wird. Und offensichtlich sind nicht nur Mädchen von ihm fasziniert und auch nicht nur an der Bubenstimme, sondern auch an der "leiblichen Erscheinung". Ich denke jetzt nicht nur an rührende Tränen von Müttern... Antworten
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