Kultur
Was die Nuller-Jahre der Rockmusik brachten
Brachte Farbe in eine «konturlose» Zeit: Bill Kaulitz mit seiner Band Tokio Hotel. (Bild: Keystone)
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Emotional Hardcore (Emo), ein Subgenre des Punk, sei ein «vollkommen neuer» Musikstil, erklärt Sweers gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Sie sieht Anklänge an die Gothic-Kultur der 80er Jahre, «verbunden mit einer sehr emotionalen Seite». Eine ihrer Studierenden habe Emo als «Gothic für Softies» bezeichnet.
Als Aushängeschilder der Emo-Bewegung werden bisweilen die Jungs der deutschen Band Tokio Hotel genannt. Unter Fans ist diese Zuordnung jedoch umstritten. Auf Webforen werden etwa die US-Bands My Chemical Romance und The Used oder die Hard Rock-Gruppe Bullet For My Valentine aus Wales der Emo-Szene zugerechnet.
Andere bestreiten schlichtweg, dass es sich bei Emo um mehr handelt als einen - wiederum an die 80er Jahre erinnernden - Kleidungsstil. Wenn man den Emo-Kritikern allerdings Recht gibt, spricht man den Nuller-Jahren damit ab, einen eigenen Stil hervorgebracht zu haben.
Verunsicherte Industrie
Simon Obert vom musikwissenschaftlichen Institut der Uni Basel nennt die Dekade «merkwürdig konturlos». Hinsichtlich der populären Musik hätten sich die Nuller-Jahre als «wenig innovativ» erwiesen, erklärt der Experte. Phänomene wie die Rückkehr des härteren Rock hätten sich schon in den neunziger Jahren beobachten lassen.
Auch das Hitrecycling werde seit mehr als zehn Jahren in grossem Stil betrieben. Die einst mächtige, mittlerweile schwer verunsicherte Musikindustrie, die wegen technischer Neuerungen unter Druck geraten ist, setzt auf Bewährtes, wie Obert ausführt.
Dass Musik zunehmend im Internet beworben und vertrieben wird, sieht er als «den grossen Schub» der Nuller-Jahre. Ob sich diese Entwicklung dereinst auch musikalisch auswirken werde, bleibt laut dem Basler Experten offen.
«Musikalische Innovation in der Rock- und Popmusik ging immer einher mit technischen Neuerungen», sagt Heiko Freund, Professor an der Zürcher Hochschule der Künste. Seine Erklärung, warum aus der Dekade in musikalischer Hinsicht «gar nichts Neues» hervorging, wie er sagt, hat mit einem Mangel an Innovation zu tun.
Keine neuen Instrumente
«Wir spielen immer noch auf Gitarren, die fast aussehen, wie in den 50er Jahren. Lediglich die Klangqualität hat sich verbessert», sagt Freund. Während es in der Musik- und Showindustrie in jüngerer Vergangenheit Veränderungen zuhauf gegeben habe, fehle eine ähnliche Entwicklung bei den Instrumenten.
Entsprechend seien die Nuller-Jahre eine Dekade der «Rückbesinnung». Jüngere Künstler hätten ältere Musikstile wieder aufgegriffen; Singer/Songwriter wie James Blunt und Sophie Hunger prägten international und in der Schweiz das Bild.
Eine Musik, die so eng zur Zeit gehört, wie etwa Grunge (Nirvana) zu den frühen Neunziger, sieht Freund so wenig wie die andern Experten: «Wenn sie mich fragen, was heutige Jugendliche dereinst als Sound ihrer Jugend empfinden werden, dann bin ich ratlos.» (Bernerzeitung.ch/Newsnetz)
Erstellt: 27.12.2009, 23:50 Uhr






