Vom Sandkasten auf die Bühne
Yves Handschin und Vera Schär spielen im Lorrainepark:
Diesmal wurden sie nicht abgeführt von der Polizei. (Bild: Urs Baumann)
Vera Schär und Yves Handschins erster gemeinsamer Auftritt verlief etwas anders als vorgesehen. Mit Gitarre und Cajon, einem südamerikanischen Rhythmusinstrument, bewaffnet, stellten sich die beiden kurz vor Weihnachten an einem eiskalten Sonntag unter die Berner Lauben. Mit ihren Liedern wollten sie die Herzen der Flanierenden erwärmen. Die Zeit reichte für ein Lied, dann führten zivile Polizisten die beiden 18-Jährigen ab. Was Vera aus Bümpliz und Yves aus dem Liebefeld nicht wussten: Am Sonntag ist Strassenmusik nicht gestattet. «Wir wurden zum Glück nur verwarnt, eine Busse gabs keine», erzählt Gymnasiast Yves. Immerhin hätten sie dort ihre erste Gage verdient: Fr. 7.50 lagen nach dem ersten Lied im Hut.
Sandkasten-Freunde
Lila and the Sandpitking, so nennen sich Vera und Yves, wenn sie auftreten, erhielten gestern Abend den Preis als Sieger der Talentbühne «Your Stage» am diesjährigen Buskers. Die Talentbühne organisiert die BZ und das Berner Radio Capital FM. Vera und Yves erhielten die meisten Stimmen aus dem Publikum. «Die Besten waren wir sicher nicht», sagt Vera und lacht. «Wir waren einfach diejenigen, die am meisten Freunde mobilisiert hatten.» Ihren Bandnamen haben die beiden fürs Buskers erfunden. Er bezeichne die Freundschaft, welche sie verbinde. Sie seien so was wie Sandkastenfreunde, sagt Yves und rechnet aus, dass sie sich seit über zehn Jahren kennen. «Sandpit» heisst «Sandkasten».
«Ja, wir sind Chaoten»
Dass die beiden, die sich im Singer/Songwriter-Genre einordnen würden, überhaupt beim Wettbewerb am Buskers mitmachten, kam spontan zustande. «Wir wussten anfangs nicht einmal, dass es sich um einen Wettbewerb handelt», sagt Yves. Vera fügt hinzu, sie hätten eine Woche vorher gemerkt, dass sie ein Demotape einschicken müssten. «Ja, wir sind grosse Chaoten», bestätigt die angehende Buchbinderin lachend. Das Demotape wurde innerhalb einer Stunde aufgenommen, mit einem schlichten Aufnahmegerät und ohne Abmischung. «Vera hat eine eher leise Stimme, also setzte sie sich direkt neben den Rekorder, während ich mich mit dem Cajon in die andere Ecke des Raumes stellte, um ihre Stimme nicht vollständig zu übertönen», erklärt Yves.
Welt in der Zahnpastatube
Vera und Yves sind seit Jahren begeisterte Hobbymusiker, Vera schreibt und komponiert die Lieder für das Duo selber. Eines ihrer liebsten Lieder ist «World in a Toothpaste Tube» – Welt in der Zahnpastatube. Darin besingt Vera kleinkarierte Menschen, deren Welt – wie sie treffend beschreibt – in eine Zahnpastatube passen würde. Was sie mit ihrer Musik erreichen wollen, haben sich die beiden bisher kaum überlegt. «Wir haben ja gerade erst angefangen, darüber nachzudenken», sagt Vera. «Bisher ging es uns nur um den Spass, den wir dabei haben.» Als ersten Schritt in die Zukunft haben sich die beiden einen Bandraum eingerichtet und einen wöchentlichen Probetag festgelegt, erzählt Yves. Dann schnappen sich er und seine Sandkastenfreundin im Lorrainepark ihre Instrumente und legen los, als hätten sie nie etwas anderes gemacht als Strassenmusik. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.09.2010, 15:19 Uhr
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