Kultur
Und ewig düdelt der Sommerhit
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 29.07.2010 7 Kommentare
Das Duo Yolanda Be Cool und DCup, verantwortlich für den Sommerhit «We No Sepak Americano!»
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Nur Shakira fungierte diese Woche in den Charts noch als Bollwerk, als letztes Hindernis auf dem Weg des ultimativen Sommerhits an die Spitze der Charts. Denn zweifellos werden Yolanda Be Cool und DCup mit ihrem «We No Speak Americano!» auch in der Schweiz bald die Nummer eins sein. Und damit hat das Jahr 2010, was ein anständiges Jahr braucht: einen Sommerhit, halleluja.
Nun, darüber mag sich nicht jedermann freuen. Denn ein Sommerhit, das ist meist eine erbarmungslos dumpfe Bassdrum, dekoriert mit kariesverdächtigen Synthesizer-Lines und gut gelauntem Lalala. Hilfreich ist auch ein sexy Video mit viel nackter Haut.
Radikale Verabschiedung vom guten Geschmack
Gut möglich, dass einige Zeitgenossen die Slapstick-Disco-Nummer mit dem Sample eines italienischen Jazz-Klassikers bereits verabscheuen. Sommerhits haben nämlich die Angewohnheit, dem Begriff «heavy Rotation» ganz neue Bedeutungsnuancen abzugewinnen. Zuverlässig verankern sie sich im Gehör und nisten sich gemütlich ein, gerade bei jenen, die der kollektiven Sommerhit-Euphorie wenig abgewinnen können. Womit bewiesen wäre, dass der Sommerhit zu den raffiniertesten psychologischen Strategien der Spassgesellschaft gehört: Auch das Ohr, welches einen Song unausstehlich findet, wird am Schluss bedingungslos vor dem Wurm kapitulieren.
Zufällige Konstellationen
Das Schöne an den Sommerhits ist, dass sie so gut wie gar nichts über den Zustand der Welt verraten, sondern ausschliesslich über den Zustand derjenigen, die dem Hit zu seinem Erfolg verhelfen: radikale Verabschiedung von allem, in erster Linie von gutem Geschmack. Der Sommerhit verdankt sich zufälligen Konstellationen mehr als einer finsteren Verschwörung bösartiger Radioprogrammateure. So tanzte man 1989, als die Mauer fiel, den Lambada. Warum? Einfach so.
Stellt man die Sommerhits der letzten Jahre zusammen, resultiert tatsächlich eine Compilation des Grauens – nichtsdestotrotz sind in diesen Songs so viele kollektive Sommer, Sonne, Glücklich-Gefühle überall über die Welt verstreut, dass man nicht umhin kommt, nachsichtig zu schmunzeln. Zu allem andern sind Sommerhits nämlich ein ideales Gefährt für nostalgische Anwandlungen aller Art. Deshalb hier eine Zusammenstellung der denkwürdigsten Sommerhits ever – oder haben wir einen vergessen? (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.07.2010, 14:10 Uhr
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7 Kommentare
Ha, Sommerhits sind lustig und ein Graus zugleich, sehr richtig. Aber ob es diesem Song dazu reicht? Wohl kaum, denn ihm fehlen jegliche Ohrwurmqualitäten. Kaum gehört, schon vergessen. Die Stelle für den nervigen Sommerhit ist also noch zu haben in diesem Jahr. Antworten
auch nach dreimaligem zutragen verstehe ich immer noch nicht, was an dieser version besser sein sollte als am original. ergo: einfach tu vuo fa l'americano von carosone vorstellen, dann hätten wir den wahren sommerhit. fr. binswanger: ein wenig mehr qualitative recherche anstelle willkürlich gewählter songs (wahrscheinlich gabs eine mail-umfrage auf der tagi-redaktion) würde dem bericht noch gut. Antworten
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