«Slowhand» schöpft Selbstvertrauen
Er gilt mit seinen edlen italienischen Tüchern, der Hornbrille und Künstlerfrisur bei manchen Musikliebhabern als uncool. Ein weisser Typ mit Armani-Schale, der den Blues singt? Das geht irgendwie nicht. Dabei ist Eric Clapton das Gegenteil des protzigen Rockstars: Der Meistergitarrist scheint gemessen an den Erfolgen seiner bald 50-jährigen Karriere an einem angeknacksten Selbstbewusstsein zu leiden. In seiner Autobiografie schonte er vor allem sich selber nicht und berichtete von Selbstzweifeln, Drogenabstürzen und Beziehungskrisen. Das Scheinwerferlicht ist dem 65-Jährigen suspekt – darum überlässt er es gerne anderen.
Stiller Star
Sein letztes Schweizer Konzert gab «Slowhand», den die Fans schon in seiner Jugend zum Gott der Gitarristen gehypt hatten, an der Seite von Steve Winwood, vorher war er mit seinem Berufskollegen Jeff Beck unterwegs, der sich anders als Clapton gern in Siegerpose wirft. Als E.C. für sein Album «The Road to Escondido» (2006) bei seinem Songwriter-Idol J.J. Cale anklopfte, erschien die Platte am Schluss als Koproduktion. Auf dem Umschlag posierte im Vordergrund der zerfurchte Cale, Superstar Clapton versteckte sich hinter einer Sonnenbrille.
Schlendernde Grooves
Darum ist es beachtenswert, dass der im englischen Provinznest Ripley aufgewachsene Musiker seine neue Platte einfach «Clapton» getauft hat und ein schlichtes Porträtfoto das Cover ziert, wenngleich unser Mann seine Betrachter relativ skeptisch fixiert. Auch eigenes neues Songmaterial ist hier seit langem wieder zu hören – allerdings nur ein einziger Song («Run Back to Your Side»). Ansonsten gilt für «Clapton» das Credo des kunstvollen Understatements: Auf der CD dominiert einmal mehr der Blues, oft aus der Feder von obskuren Altmeistern, die nicht einmal den Aficionados bekannt sein dürften.
Neben schlendernden Bluesgrooves gibt sich Clapton diesmal explizit jazzig und hat dafür tief im Fundus der afroamerikanischen Musik gegraben. Für die Umsetzung verliess er sich auf Grössen wie den Trompeter Wynton Marsalis und Allen Toussaint, den Doyen des New-Orleans-Sounds.
Als Sänger legt Clapton mit zunehmendem Alter an Ausdruckskraft zu, seine stoischen Melodien passen bestens zur betont unaufgeregten Musik. Als Gitarrist hält er sich hingegen immer häufiger zurück und überlässt das Feld nur zu gern den zahlreichen Gästen, vom omnipräsenten J.J. Cale über den Mundharmonikaspieler Kim Wilson (Fabulous Thunderbirds) bis hin zu Sheryl Crow, mit der Clapton einst ein Techtelmechtel gehabt haben soll.
Friedliches Rattern
Fans des «alten» Clapton, der seine Gitarrensoli aus dem realen Blues seines Lebens holte, mögen den friedlich vor sich hin ratternden, entspannten Sound der neuen CD etwas langweilig finden. Hier singt ein gestandener Mann, der langsam, aber sicher zu sich selber findet und dem endlich etwas Seelenfrieden vergönnt zu sein scheint. Dass man das auf seinem neuen Album hört, ist ihm nicht zu verübeln.
CD: Eric Clapton, «Clapton», Warner. (Berner Zeitung)
Erstellt: 02.10.2010, 13:34 Uhr
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