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Sie waren Rockstars – heute braten sie Burger

Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 30.11.2010 11 Kommentare

Einst spielte die Band Anvil mit Megastars wie Metallica oder Motörhead. Dann folgte der Absturz – und ein noch katastrophalerer Comeback-Versuch. Doch Anvil gibt nicht auf, wie eine Doku eindrücklich zeigt.

1/6 Hardrock-Albtraum: Konzert vor drei Zuschauern.

   

Info

Der Film läuft ab Freitag, 7. Mai, in ausgewählten Schweizer Kinos.

Der berührendste Film im letzten Jahr war kein Drama oder eine Liebesgeschichte. Es war eine Dokumentation über zwei Heavymetal-Musiker. «Anvil! The Story of Anvil!», der jetzt mit Verspätung auch in der Schweiz startet, zeigt die Geschichte der Band Anvil. Vor 30 Jahren versetzten die Kanadier beim legendären Monsters-of-Rock-Festival 50’000 Fans in Ekstase. Im Intro sehen wir Bilder von damals, dazwischen erklären Stars wie Lars Ulrich von Metallica oder Lemmy Kilmister von Motörhead den massgebenden Einfluss Anvils auf den Thrash- und Heavymetal.

Schnitt in die Gegenwart. Gitarrist Lips steht mit Wintermütze vor einem verschneiten Gebäude. Der ehemalige Bühnenschreck fährt heute für Schulen Essen aus. Sarkastisch doziert er über den Unterschied zwischen Hackbraten und Hackbällchen. Auch Drummer Robb ist nicht weit, er lebt mit seiner Familie im gleichen Viertel und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Nicht dass Anvil die Musik aufgegeben hätte. Immer noch übt man regelmässig. Ab und zu springt ein Auftritt auf der Hochzeit eines Bekannten raus. Dann marschieren jeweils die letzten paar Anvil-Fans auf.

Frust kommt auf

Zu diesen Fans gehört auch Regisseur Sacha Gervasi. In den 80ern war der Engländer als Roadie für die Band im Einsatz. Dieser persönlichen Verbindung ist es wohl zu verdanken, dass die Dokumentation viel mehr als eine Kuriositätenshow ist. Zu keinem Zeitpunkt werden die Musiker der Lächerlichkeit preisgegeben, obwohl es dazu genügend Anlass gäbe. Stattdessen begleitet der Film Lips und Robb, inzwischen um die 50 und von ersten Altersbeschwerden geplagt, bei den Aufnahmen zu ihrem dreizehnten Album «This is thirteen». Finanziert wurde das Projekt von Lips' Schwester mit 15'000 Dollar. Wie der Musiker bei seiner gut bürgerlichen Schwester um den Kredit bettelt, gehört zu den bewegendsten Momenten im Film.

Doch es kommt noch dicker. Die Comeback-Tournee, die «letzte Chance auf den Durchbruch», geht sensationell in die Hose. Bei einem Festival in Transsilvanien, in einer für 10’000 Zuschauer ausgelegten Lokalität, kommen nur knapp 150 Fans. Und in einer Prager Bar wird die ausgehandelte Gage nach einem weiteren Flop kurzerhand in einen Teller Gulasch verwandelt. Zuvor hatte Lips in seinem unwiderstehlichen Optimismus noch gesagt, es sei okay, wenn die Tour in die Hose gehe – man soll froh sein, dass es überhaupt eine Tour gebe. Doch der Reigen an Enttäuschungen ist sogar für den Verlierer vom Dienst zu viel. Frust kommt auf, bandinterne Spannungen entstehen. Lips und Robb sprechen nur noch über eine Drittperson miteinander – auch wenn sie sich im gleichen Raum aufhalten.

Zärtlicher Thrash-Metal

Solche Szenen sind wie der ganze Film komisch und tragisch zugleich. Zum Beispiel wenn sich die Frauen der beiden Hardrocker über die geplatzten Lebensträume ihrer Männer austauschen. Oder die Szenen, in denen die Söhne sagen, sie fänden ihre Loser-Väter trotz allem cool. «Warum muss ich immer dein Sündenbock sein?», so Robb während eines Streits auf dem Tiefpunkt ihres Comeback-Versuchs. Lips' Antwort: «Weil ich dich liebe.» Zärtlicher hat Speed-Metal nie geklungen.

Weshalb Anvil es nicht schaffte wird nicht erklärt. Die Dokumentation handelt eigentlich auch nicht von Hardrock oder vom Musikbusiness. Sondern von der Zeit, die an uns allen nagt. Und von Träumen und Hoffnungen, die wir deswegen umso leidenschaftlicher verfolgen sollten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.11.2010, 14:10 Uhr

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11 Kommentare

Pascal E. Storrer

05.05.2010, 11:51 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Kompliment, grossartiger Artikel!! Schon interessant, wie sich Zeiten ändern und Bands kommen und gehen. Während einige langfristig den Erfolg halten können (Rammstein, ACDC, Metallica, Motörhead, etc.), verschwinden andere wieder (Anvil). Ich besitze zwar Alben von Anvil, jedoch gehört die Band nicht zu meinem Besten. Eine andere tolle Band aus früheren Zeiten ist dafür wieder back: KROKUS!!! Antworten


Peter Mueller

05.05.2010, 11:12 Uhr
Melden

Der Film war wohl ein rechter Erfolg in den USA / Kanada - Danach waren Sie bei AC/DC an deren Kanada Tour Supporting Act bei 2 Mega Shows - so schlecht geht es Ihnen heute also nicht.... billboard.com Antworten




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