«Pension gibt es für einen Rocker nicht»

Von Maria Künzli. Aktualisiert am 18.03.2010

Nach 45 Jahren ist Schluss: Die deutsche Rockband Scorpions veröffentlicht ihr letztes Album und geht auf Abschiedstournee. Sänger Klaus Meine (61) über Aufhören mit Stil und warum sich ein Rocker nicht zur Ruhe setzen kann.

Drei Jahre auf Abschiedstour: Scorpions-Frontsänger Klaus Meine.

zvg/Udo Wenger

Die Scorpions gehen bald auf Abschiedstournee. Wann kommt das Comeback?
Klaus Meine: Das hätte vor zehn Jahren kommen müssen. Jetzt ist es zu spät. Wir wollen diese Geschichte mit Style und Klasse beenden.

Ist Ihnen die Entscheidung aufzuhören schwer gefallen?
Es ist ein Entschluss, der gewachsen ist. Und wir haben ein bisschen gerechnet: 2010 ein neues Album, drei Jahre lang Konzerte geben Puh! Wenn ich unsere Tournee auf dem Globus verfolge, wird mir vom Zugucken schon schwindlig. Ey, wir sind eine Hardrockband und wollen nicht plötzlich drei Gänge runterschalten müssen. Deshalb hören wir auf, solange wir noch fit sind und als eine Band in Erinnerung bleiben können, die die Welt wie ein Hurrikan gerockt hat.

Wie tönt das letzte Album?
Musik, die frisch nach vorne losrockt – und natürlich auch ein paar Balladen. Ich glaube, dass auch der eine oder andere zukünftige Klassiker dabei ist.

Ein gutes Album also, um die Karriere zu beenden?
Ja, wir haben über 40 Jahre Rock’n’Roll hinter uns, mit Höhen und Tiefen. Es gibt nichts Schöneres, als diese aussergewöhnliche Karriere mit einem guten Album und einer Welttournee zu krönen.

Was werden Sie nach der dreijährigen Tournee als Erstes tun?
Tief Luft holen. Nein, es gibt noch keine konkreten Pläne. Die Scorpions hatten in meinem Leben immer Priorität, und jetzt gilt es erst mal, das letzte Album an den Start zu bringen.

Werden Sie sich ganz aus dem Musikgeschäft zurückziehen?
Auf den Golfplätzen dieser Welt wird man mich jedenfalls nie sehen (lacht). Ich werde sicher weiterhin als Songwriter tätig sein. Rolf Schenker plant ein Projekt mit seinem Bruder, und vielleicht brauchen die ja noch einen Sänger und rufen mich an. Schauen wir mal.

Sie wollen nicht mit Pantoffeln und Chips zu Hause auf dem Sofa sitzen und ihre Pension geniessen?
Pension ist ein Begriff, der im Vokabular eines Rock-’n’-Rollers nicht existiert.

Können Sie sich nach über 40 Jahren überhaupt ein Leben ohne die Scorpions vorstellen?
Im Moment fällt mir das ehrlich gesagt schwer. Es fühlt sich noch nicht nach Abschied an. Wenn wir in drei Jahren wirklich das End of the Road erreicht haben werden, wird es sicherlich sehr emotional sein. Da geht eine Ära zu Ende.

Wo wird das allerletzte Konzert stattfinden?
Das ist noch nicht klar. Es wird sicher ein Ort sein, der für die Band-History eine grosse Rolle spielt. Vielleicht in Hannover, wo alles angefangen hat. Oder in Los Angeles, wo wir immer eine besonders starke Fan-Base hatten. Vielleicht auch in Moskau.

Kann Rockmusik die Welt verändern?
Das hat «Wind of Change» gezeigt. Ich will es nicht überbewerten, denke aber, dass Rockmusik eine grosse Rolle gespielt hat am Ende des Kalten Krieges. Die Welt veränderte sich damals vor unseren Augen, als wir 1988 in Leningrad und 1989 in Moskau gespielt haben. Viele junge Leute sagten zu uns, die Zeit des Kalten Krieges werde bald vorbei sein. Unsere Musik gab ihnen Hoffnung.

Werden Sie sich «Wind of Change» nach dem Ende von Scorpions je wieder anhören?
Ich werde wohl nicht drum herumkommen – der Song läuft ja dauernd im Radio (lacht).

CD: Scorpions, «Sting in the Tail», Sony. Erscheint am 19.März.

Konzert in der Schweiz: 15.Mai, Long’I’Rock-Open-Air, Longirod VD. www. ticketcorner.com.

> (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.03.2010, 08:09 Uhr

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