Lieder und Leid der Elina Duni

Die Sängerin Elina Duni musste erst weggehen, um zur Volksmusik ihrer Heimat Albanien zu finden. Mit ihrem Quartett verbindet sie traditionelle Lieder des Balkans mit zeitgenössischem Jazz. Nächste Woche erscheint ihr neues Album «Lume Lume», am Sonntag spielt sie mit ihrer Band in Bern.

Die Musikerin im Mittelpunkt: Umgeben von ihren drei Bandmitgliedern, posiert die aus Albanien stammende Jazzsängerin Elina Duni für ihr neues Album «Lume Lume».

Die Musikerin im Mittelpunkt: Umgeben von ihren drei Bandmitgliedern, posiert die aus Albanien stammende Jazzsängerin Elina Duni für ihr neues Album «Lume Lume».
Bild: zvg

Wehklagend und schön

Auf dem Album «Lume Lume» («Welt, Welt» auf Albanisch), das nächste Woche erscheint, versammelt Elina Duni zwölf Stücke aus der Balkanregion und aus Osteuropa. Neben Volksliedern ihrer Heimat Albanien finden sich traditionelle Melodien aus Kosovo, Bulgarien, Rumänien, Griechenland und der Türkei, die das Elina Duni Quartett in stimmungsvollen, zeitgenössischen Jazz taucht. Ein Kontrapunkt bildet das Schlussstück. Es stammt vom Briten Nick Drake. Doch so wehklagend und voller Schönheit dieser Song ist – wie ihn Duni singt, könnte auch er aus dem Balkan stammen.

CD: Lume, Lume. Elina Duni Quartett. Musikvertrieb.

Eine raue, erdige Stimme hebt klagend an zum ersten Lied. Schlicht und ohne Begleitung. «Kënga e Qamiles» heisst der Titel des traditionellen albanischen Stücks, mit dem die neue CD «Lume Lume» des Elina Duni Quartetts beginnt. «So ist sie halt, die Welt des Balkans», meint Duni. «Voller Schmerz, voller Trauer – und voller Leidenschaft. Auch die traurigste Geschichte kann man in einem Lied voller Schönheit erzählen. Ich glaube, das gibt es nur dort.»

Ob ein Liebeslied aus Albanien, ein rumänisches Volkslied über die Einsamkeit in der Gefangenschaft oder das neckische «Kaval Sviri» aus Bulgarien, das sich über die jungen Frauen lustig macht, die es auf reiche Männer abgesehen haben: Die Sängerin Elina Duni schöpft aus dem reichen Fundus an traditionellen Melodien und Liedern des Balkans und Osteuropas. Mit ihren drei Mitmusikern Colin Vallon am Piano, dem Kontrabassisten Bänz Oester und dem Schlagzeuger Norbert Pfammatter verwandelt sie diese Songs in sorgfältig arrangierte Jazzstücke.

Dabei entdeckte Elina Duni erst über Umwege die Volksmusik. Diese zählte in ihrer Familie in Albanien wenig. Sie galt als von der kommunistischen Partei ideologisch vereinnahmt. Ihr Vater Spiro Duni, ein bekannter Theaterregisseur und Regimekritiker, schätzte sie gering.

Verrückt nach Musik

Stattdessen wuchs sie mit Brahms «Ungarischen Tänzen» auf, von denen ihre Mutter, die Schriftstellerin Bessa Myftiu, ein Magnettonband besass, das sich Elina Duni als Kind stundenlang anhörte. Als sie fünf Jahre alt war, erkannte der Komponist und Klarinettist Fatos Qerimi, wie talentiert die kleine Elina war. Durch ihn konnte sie an verschiedenen «Kinder-Festivals» auftreten und sang sogar im albanischen Radio und Fernsehen; stets klassische Musik.

Die Popmusik lernte sie durch MTV und eine Michael-Jackson-Kassette kennen: «Meine Tante war 1990 die erste der Familie, die im Ausland war. Als sie zurückkam, brachte sie einen Walkman mit. Eine einzige Kassette war dabei; ‹Bad› von Michael Jackson», erzählt Duni. «Ich war verrückt nach dieser Musik, habe sie die ganze Zeit gehört und dazu getanzt.»

Aus Beatles wurden Freunde

Nach dem Sturz des kommunistischen Regimes 1992 wanderte Duni mit ihrer Mutter aus Albanien aus, wie so viele damals. In der Schweiz angekommen, war dies für sie erstmals ein Schock: «Du kommst hierher und bist ein Nichts. Einfach diese kleine, arme Albanerin, mit der sich niemand abgeben will», erinnert sich Elina Duni an die ersten harten Monate in Luzern. «Damals entdeckte ich für mich die Beatles. Sie waren meine Rettung: Ich hörte ihre Musik pausenlos. Die Beatles wurden zu meinen Freunden in der Fremde.» Dann zog sie nach Genf und begann, selber wieder Musik zu machen. Das half ihr, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden.

Duni studierte am Konservatorium Klavier, später setzte sie ihre Studien am Collège de Saussure fort, wo sie mit dem Jazz in Berührung kam. Aber nicht nur als Musikerin war Elina Duni aktiv: Sie stand als Schauspielerin auf der Theaterbühne und wirkte in einem Film mit.

Musik ab Kassette

Es war dann der Pianist Colin Vallon, der ihr vorschlug, albanische Volkslieder für eine Jazzformation zu arrangieren. Duni wusste damals wenig über die musikalische Tradition ihrer früheren Heimat. Sie kannte die Lieder vor allem von einigen Kassetten, die ihre Mutter damals mitnahm, als sie aus Albanien wegzogen. Nach und nach entdeckte die Sängerin, welch reicher Schatz an traditioneller Musik in der gesamten Balkanregion schlummerte. Die eindringliche Leidenschaft, mit der Elina Duni ihre Lieder singt, lässt erahnen: Sie hat ihre ganz eigene Musik gefunden.

Konzert: Sonntag, 21.Februar, 20.30 Uhr, Progr, Bern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.02.2010, 10:30 Uhr

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1 KOMMENTAR

Margrit Pfister

11.02.2010, 22:34 Uhr

Toll! Nur: Warum ist "wehmütig" nur angesagt bei Menschen aus andern Kulturen? Warum muws frau in Ch "dreckig" oder so? Das ist doch irgendwie ganz schräg! "Schräg" für CH, "Wehmut" für die andern. Was ist denn, wenn Frau aus der Schweiz a8ch so singt bzw. singen möchte? Da stimmt etwas nicht in der "Muisik".



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