«Ich halte die Dinge lieber einfach»
Von Nick Joyce. Aktualisiert am 25.07.2010 2 Kommentare
Norah Jones am Stimmen-Festival
Marktplatz, Lörrach. Mittwoch, 21. Juli.
Mit 37 Millionen verkauften Alben gehört Norah Jones zu den erfolgreichsten Newcomern des neuen Jahrtausends. Der Erfolg kam früh, vielleicht zu früh. Weil ihr millionenfach verkauftes Debütalbum «Come Away With Me» (2002) beim stilprägenden Jazz-Label Blue Note erschienen war, landete es in der Jazz-Schublade, obwohl die scheue Texanerin genau genommen gar keinen Jazz spielte. Und weil ihr Vater kein anderer als der indische Sitarvirtuose Ravi Shankar ist, wurde ihre Familiengeschichte in den Medien seifenopernwürdig ausgeschlachtet.
Dabei möchte die heute 31-jährige Sängerin und Pianistin nichts mehr, als dass man ihre Musik ohne falsche Erwartungen oder begleitende Klatschkulisse hört. So hat sie ihr stilistisches Korsett immer weiter geöffnet und mit so unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern wie den Rap-Eklektikern Outkast, der feurigen Rockband Foo Fighters und auch der Country-Diva Dolly Parton zusammengearbeitet. Jones' aktuelles Album «The Fall» führt die Entwicklung weg vom Jazz weiter. Das von Jacquire King (Tom Waits, Kings Of Leon) produzierte Werk klingt streckenweise wie Country-Musik aus einer fernen Zukunft.
Norah Jones, mit «The Fall» haben Sie sich endgültig vom gesitteten Retro-Sound von «Come Away With Me» gelöst. War das neue Album als Zäsur geplant?
Im Studio ging es mir in erster Linie darum, die Songs zur Blüte zu bringen – und nicht darum, ein fixes Konzept durchzupauken. Oder mich als Gitarristin zu profilieren, nur weil ich seit einigen Jahren auf diesem Instrument herumzupfe und ein paar der neuen Songs auf der Gitarre geschrieben hatte. Im Gegenteil: Jacquire King und ich haben Leute wie Tom Waits' Gitarristen Marc Ribot zu uns ins Studio geholt, die wirklich etwas vom Handwerk verstehen. Da bin ich alles andere als preziös.
Hat der Griff zur Gitarre Ihr Songwriting verändert?
Aber sicher. Ein Song, der nur aus drei Akkorden besteht, klingt mit Klavierbegleitung schnell mal trivial. Wenn man den aber auf der Gitarre spielt, wirkt das Stück absolut stimmig, man hört ihm die rudimentären Harmonien gar nicht an. Die Gitarre gibt mir den Mut, einfache Songs zu schreiben. Auf dem Klavier kenne ich mich hingegen bestens aus, darum besteht dort die Versuchung, zu weit auszuholen und zu viel Materie in einen neuen Song zu packen.
Man liest, dass Sie live vermehrt Gitarre statt Klavier spielen. Welchen Einfluss hat dieser Wechsel auf Ihre Konzerte?
Wenn man mit der Gitarre am Bühnenrand steht, funktioniert die Kommunikation mit dem Publikum viel besser, da ist ja auch Blickkontakt möglich. Sitzt man aber am Flügel, hat man immer den Rücken zu einigen Zuschauern oder zu den anderen Musikern, das ist unvorteilhaft. Jetzt, da ich mich auf der Bühne viel wohler fühle als zu Beginn meiner Karriere, wollte ich dieses Problem angehen und auch dafür sorgen, dass meine Konzerte weniger statisch wirken.
Aber vom Klavier haben Sie sich noch nicht ganz verabschiedet?
Nein, das könnte ich gar nicht, auch wenn ich es wollte. Schliesslich ist das Klavier mein Hauptinstrument und auch Teil meines Sounds. Darum gehe ich auch nicht mit irgendwelchen elektronischen Keyboards auf Tournee, da muss schon ein akustisches Instrument her. Statt einen Flügel nehme ich jetzt ein Upright-Klavier mit, das wirkt weniger dominant, damit hat man nicht das Gefühl, ein Pferd auf der Bühne stehen zu haben. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich will das Klavier auf keinen Fall dissen, es ist ein wunderbares Instrument, das leider gewisse logistische Probleme mit sich bringt, wenn man damit Konzerte geben muss.
«The Fall» hat einen nahezu futuristischen Sound, das Album klingt, als hätten Sie die Country-Musik Science-Fiction-tauglich gemacht.
Von meinem musikalischen Naturell her liege ich sicher näher beim Country als beim Jazz. Auf «The Fall» haben wir aber ganz bewusst versucht, nicht zu countryesk zu klingen. Darum haben wir die Stücke, die in diese Richtung gegangen sind, mit stärkeren Beats und elektronischen Sounds versehen, wir haben ihr Country-Kolorit sozusagen unterminiert.
Das ist ein ziemlich ungewöhnlicher Ansatz. Die Country-Musik ist ja nicht gerade für ihre Experimentierfreude bekannt.
Das hat musikhistorische Gründe. Country ist so etwas wie eine Grundfarbe der US-amerikanischen Musik: Sobald man ein bisschen an ihrem Instrumentarium oder an ihrem Sound fummelt, wird etwas ganz anderes daraus. Ich würde mich aber nie als experimentierfreudig bezeichnen, ich bin eher eine kommune Singer-Songwriterin, welche die Dinge lieber einfach hält.
Wie sehen Sie Ihre weitere musikalische Entwicklung?
Ich weiss es nicht. Es kann schon vorkommen, dass ich den einen oder anderen neuen Song hinkriege, wenn ich auf Tournee bin. Diesmal aber kehre ich mit leeren Händen nach New York zurück. Ich muss mich zuerst einmal von der Tournee erholen und ein bisschen ausspannen, bis ich sagen kann, wohin die Reise geht.
Wobei Sie auch in New York nicht wirklich zur Ruhe kommen werden. Sie sind ja dafür bekannt, dass Sie oft mit anderen Musikern in kleinen Clubs auftreten, wenn Sie nicht unter eigenem Namen in der Weltgeschichte herumjetten.
Ich höre nicht auf, Musikerin zu sein, wenn ich nicht auf Tournee bin. Gleichzeitig übe ich nicht sehr diszipliniert: Ich setze mich nicht jeden Tag ans Klavier, wenns nicht sein muss. Um in Form zu bleiben, trete ich mit befreundeten Musikern auf. Mit ihnen komme ich auf neue Ideen und kann auch andere Sachen ausprobieren. So kamen die New Yorker auch sehr früh in den zweifelhaften Genuss meines rudimentären Gitarrenspiels. Ich habe das Instrument sozusagen in der Öffentlichkeit erlernt. Und bin auch jetzt kein Griffbrettroutinier. (Basler Zeitung)
Erstellt: 24.07.2010, 16:24 Uhr
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2 Kommentare
Norah Jones eine atraktive und vielseitige Musikerin. Eine Sängerin zum gernhaben nicht nur wegen ihren Songs auch weil sie eine gewisse Wärme austrahlt. Sie ist die geborene Musikerin und wegen ihrer Offenheit kann sie sich leicht inspirieren lassen. Antworten
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