Die Rückkehr der Diva

Von Patrick Sigrist. Aktualisiert am 26.08.2009

Sie gehörte zu den grössten Stars, die die Achtzigerjahre hervorgebracht haben. In den vergangenen zehn Jahren sorgte Whitney Houston jedoch vorwiegend für Negativschlagzeilen. Nun meldet sich die Diva in altem Glanz zurück.

In altem Glanz: Sieben Jahre nach ihrem letzten Album kehrt Whitney Houston in die Öffentlichkeit zurück.

In altem Glanz: Sieben Jahre nach ihrem letzten Album kehrt Whitney Houston in die Öffentlichkeit zurück. (Bild: zvg/Richard Young)

Bereits Whitney Houstons selbst betiteltes Debütalbum verkaufte sich 1985 rund um den Globus sagenhafte 13 Millionen Mal. Mit Hits wie «Saving All My Love for You» oder «I Wanna Dance with Somebody» dominierte sie in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre weltweit die Hitparaden und brach Verkaufsrekorde am laufenden Band. Ihre unglaubliche Stimme, ein musikalischer Mix aus Gospel, Soul und Pop, ein braves Image und nicht zuletzt ihr fabelhaftes Aussehen machten die Afroamerikanerin aus New Jersey zu einer wahren Diva.

Doppeltes Standbein

Im Gegensatz zu anderen Künstlern aus den Achtzigern schaffte es Whitney Houston, ihre Karriere in die Neunziger hinüberzuretten. Und parallel zu den musikalischen Grosserfolgen baute sie sich ein zweites Standbein auf: Mit der Hauptrolle im Kassenschlager «Bodyguard» feierte Houston einen erfolgreichen Einstand als Schauspielerin. Auch auf dem 42 Millionen Mal verkauften Soundtrack war sie mit der Single «I Will Always Love You» prominent vertreten. Weitere Alben sowie ambitioniertere Filme wie «Warten auf Mr. Right» und «Rendezvous mit einem Engel» folgten. Bis ins Jahr 2000 hatte Houston insgesamt sechs Grammy Awards und eine Vielzahl anderer Auszeichnungen angehäuft.

Gewalt und Drogenexzesse

Doch parallel zu den beruflichen Erfolgsmeldungen häuften sich die Negativschlagzeilen aus Whitney Houstons Privatleben. 1992 heiratete sie den R-’n’-B-Sänger Bobby Brown, ein Jahr später gebar sie die gemeinsame Tochter Bobbi Kristina. Was nach einer märchenhaften Beziehung aussah, verwandelte sich bald in einen Albtraum. Brown, seinerseits ehemaliger Leadsänger der Gruppe New Edition, hatte es nicht geschafft, seine Karriere von den Achtzigern in die Neunziger zu retten. Bald wurde bekannt, dass Brown unter Drogenproblemen litt. Öffentlich zelebrierte Eifersuchtsdramen wurden häufiger, Gerüchte über häusliche Gewalt sollten folgen. Immer wieder sagte die Sängerin Auftritte kurzfristig und ohne Nennung von konkreten Gründen ab. Dennoch gelang es ihr über lange Zeit, ihr sauberes Image aufrechtzuerhalten.

Noch 2001 unterschrieb Whitney Houston den bisher höchstdotierten Plattenvertrag der Musikgeschichte. Die Firma Arista/BMG hatte ihr sagenhafte 100 Millionen Dollar für ihre nächsten sechs Alben geboten. Doch kurz darauf, anlässlich eines Events zum dreissigjährigen Bühnenjubiläum von Michael Jackson, zeigte sich, was viele schon länger vermuteten: Aus der wunderschönen Diva war ein spindeldürres Drogenwrack geworden. Von dem Superstar, der stets auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen schien, war nur noch ein Schatten übrig.

Phönix aus der Asche

Seither hat sich vieles geändert. Nach mehreren Entziehungskuren hat sich Whitney Houston im Herbst 2006 von Bobby Brown getrennt. Die Ehe wurde im Eilverfahren im April des Folgejahres geschieden, Whitney erhielt das Sorgerecht für die Tochter zugesprochen. Seither scheint sie tatsächlich von den Drogen losgekommen zu sein.

Unterstützt von Alicia Keys, R. Kelly, Akon und anderen Schwergewichten aus der Musikindustrie hat die heute 46 Jahre alte Sängerin das am kommenden Freitag erscheinende Album «I Look to You» aufgenommen. In einem auf Anfang September angekündigten Gespräch mit Startalkerin Oprah Winfrey will der angeblich genesene Superstar offen über die Probleme der Vergangenheit sprechen. Es wird Whitney Houstons erstes Interview seit sieben Jahren sein. Die Hoffnung besteht, dass die tief gefallene Diva tatsächlich wie ein Phönix aus der Asche auferstehen wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 26.08.2009, 13:41 Uhr

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