Das Fiasko Guns N’ Roses

In den schlimmsten Momenten dieses Konzerts im Zürcher Hallenstadion, also in fast allen, ist es, als habe sich ein bösartiger Komiker der Überreste von Guns N’ Roses angenommen.

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Dabei handelt es sich um Axl Rose, Sänger und letztes Urmitglied der Band, die vor zwanzig Jahren ein paar gute Rocksongs und wohl etwas zu viel Erfolg hatte. Schon «Chinese Democracy», das Album, war grotesk, als es 2008 nach 14-jähriger Arbeit erschien. Und grotesk ist jetzt auch «Chinese Democracy», die Tournee. 9400 Zuschauer sind am Mittwochabend ins Hallenstadion gekommen, um ein Spektakel zu sehen, das Spinal Tap wie eine stilsichere Band aussehen lässt.

Wie jedes Fiasko beginnt auch dieses mit viel gutem Willen. Guns N’ Roses sind engagiert und spielen über zwei Stunden. Und Axl Rose hat sich nicht lumpen lassen und nebst Bass und Schlagzeug gleich zwei Keyboarder und drei Gitarristen angestellt. Letztere sehen mit ihren Knitterhemden und apart zerschlissenen Jeans so aus, wie sich ein C&A-Katalog einen greasy Rocker ausdenken würde; und wenn sie sich für ein Solo auf die Monitore stellen, schnippen sie malerisch den Zigarettenstummel aus dem Mundwinkel. Sie müssen sich jetzt auf das Pathos konzentrieren.

Überforderter Frontmann

Genau so ist der ganze Abend aus der Klamottenkiste des harten Rock ’n’ Roll gezerrt. Die leicht am Takt der Songs vorbeiknatternde Pyrotechnik ebenso wie die Pornogitarren, wie man sie in dieser Häufung schon lange nicht mehr hat erleben dürfen (Sie wissen schon: schneller, länger, mehr). Axl Rose möchte noch immer der Rock-Shouter sein, wird von seinen eigenen Songs aber massiv überfordert. Die Band brüllt irrsinnig laut und aus allen Rohren, doch man möchte lachen, denn sie erzeugt keinen Druck, nur Getöse. Es ist, als feuere eine ganze Panzerdivision auf Kommando, und heraus kommen Wurfgemüse und lustige Klebeschnäuze.

Das ist einigermassen egal bei den Songs von «Chinese Democracy». Dem fällt aber auch das fabelhafte Frühwerk von «Sweet Child O’ Mine» über «Mr. Brownstone» und bis zu «You Could Be Mine» zum Opfer. Auch diese agilen, sehnigen Songs junger kalifornischer Strassenrowdys sind zu einem masslosen Kokainrock mutiert, der alles hat, wonach ihn gelüstete, und dem es doch an allem fehlt. Selbst jener treue Fan, der am Anfang des Konzerts noch tobte, nahm seine Luftgitarre bald herunter und legte sie in seine Arme. So, als wolle er sie in den Schlaf wiegen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 10.09.2010, 08:00 Uhr)

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