Aufnahmen aus dem Abseits

Ans Seine-Ufer, in den Wald oder die Garage: Der Berner Trompeter Werner Hasler hat sich für sein Projekt «Out» an alternative Aufnahmeorte begeben. Das mit Videoinstallationen angereicherte Projekt führt er am Freitag in Bern auf.

Das Studio neben der Autobahn oder im Wald: Der Berner Trompeter Werner Hasler spielte an ungewöhnlichen Orten Stücke ein. Quelle: Youtube


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Hier eine Bühne, dort das Publikum. Ein Set, Applaus, Zugabe. Die Abläufe sind klar, ritualisiert. Diese Auftrittssituation versucht der Berner Trompeter Werner Hasler zu durchbrechen. Und wird bei seinem Versuch immer mehr zum Ausstellungsmacher. So heisst es in der Ankündigung zum Projekt «Out» denn auch: «Ist eine Ausstellung, ist ein Konzert, ist eine Ausstellung.»

Am Anfang von «Out» steht der Gang aus dem Übungsraum. ­Hinaus ins Freie, in den Wald, wo Hasler gerne übt. Und wo er immer wieder auf eine schmeichelhafte Akustik trifft: «Nirgends klingt das Instrument so gut wie im Wald. Er schluckt und re­flektiert die Töne zugleich.» Draussen ist der 48-Jährige inspirierter als im viereckigen Raum, «in dem auch meine Gedanken manchmal viereckig sind».

Was er mit der ungewöhnlichen Übungssituation nicht sucht, ist ein Publikum, auch wenn Spaziergänger manchmal spontan zu einem werden. Dann bleiben die Flanierenden sitzen und hören eine Weile zu. Ausser Hunde, denen jagt die Trompete Angst ein.

Neue Klangerfahrung

Hasler hat weiter nach neuen Spielräumen gesucht und wurde fündig – etwa auf verlassenen Bahngleisen, wenn er zwischen Bern und Paris pendelt. Weg von den für Musik bestimmten Örtlichkeiten, hin zu neuen Klangerfahrungen: Dieses musikalische Moment wollte Hasler erfahrbar machen. Dazu spielte er an unterschiedlichsten Orten, von seiner zweiten Heimat Liechtenstein bis Paris, acht Stücke ein.

Rausgehen. Das bedeutet auch, das eingerichtete Studio zu verlassen und Gerät um Gerät unter die Autobahn, ins Moos oder in ein leer stehendes Bürogebäude zu schleppen. Ein Projekt, das den Musiker vor neue logistische Probleme stellte: «Ein Schlagzeugfuss wurde in der Seine versenkt.»

Eingespielt wurden Kompositionen wie «Voie Mazas», «Blumenstein» oder «PaulBert» von Hasler und einer wechselnden Besetzung an Schlagzeug und Cello. Dazu gehörten unter anderen Drummer Julian Sartorius und Franck Vaillant oder Cellist Carlo Niederhauser, Mitglied von Haslers Stammformation The Outer String.

Mit Strassenmusik hat «Out» nichts zu tun. Trotz aufbrausender Momente dominieren sanfte, leise Klänge. «Als Strassenmusiker muss man hingegen immer laut spielen, sonst erreicht man die Leute nicht», so Hasler. Auch die Aufnahmequalität hat nichts mit einem Livealbum gemein. Der Klang ist pur, fast isoliert. Nur hie und da glaubt man einen Laut zu hören, der sich vom «Draussen» in die Musik gemischt hat.

Womöglich ist aber auch der gewollt, arrangiert von Hasler, der für «Out» nicht nur komponiert hat und die Trom­pete spielte, sondern zudem für die Elektronica verantwortlich zeichnet.

Parallel zu den Aufnahmen, die 2016 herauskamen, entstanden sechs Videos. Filmer wie Chloé Legrand, Hugo Ryser, Marlene Hirtreiter oder Andre Mayr hielten die Orte mit ihrem individuellen Blick fest. Entstanden sind keine Dokumentationen, keine Musikvideos, sondern Kunstfilme, welche die jeweiligen Stimmungen einfangen. Und die ­zusammen mit der Musik auf­geführt werden. Wo wir bei der Ausstellungssituation wären.

Ein Gesamterlebnis

Beim Versuch, die klassische Auftrittssituation zu durchbrechen, greift Hasler zu Projektionen der Filme, mal installativ nebeneinander, mal cineastisch abgespielt. Das Gesamterlebnis wird angereichert durch Livesets, so auch im Berner Kino Rex, wo «Out» diesen Freitag von Hasler, Sartorius sowie Vincent Courtois (Cello) aufgeführt wird – und die durch Visuals (Hugo Ryser) ergänzt werden.

Aber wie klingt das genau? Wie ist diese experimentelle Musik zu beschreiben, die von «Neue Musik» bis «Improvisationsjazz» in keine Schublade so recht passen will? Vielleicht am einfachsten mit den Mitteln einer Ausstellungskritik: Haslers Kompositionen sind keine Seerosenbilder, keine realistischen Landschaften. Es sind aufs äusserste re­duzierte Abstraktionen, die viel Raum für die eigene Interpretation zulassen.

Nächste Aufführungen von «Out»: Fr, 28. April, 20 Uhr, Kino Rex, Bern. Sa, 29. April, um 21, 22 und 23 Uhr, Kulturnacht Solothurn, Kulturturm Solothurn, 26.–28. Mai in der Kunsthalle Luzern. Mehr Termine: www.wernerhasler.com/out (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.04.2017, 22:38 Uhr

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