Alison im Pop-Wunderland

Von Michael Gurtner. Aktualisiert am 17.03.2010

Goldfrapp erfinden sich einmal mehr neu: Auf dem neuen Album dominieren geschmeidige Elektropopsongs mit 80er-Touch.

Mal süffig, mal seicht: Alison Goldfrapp und Will Gregory.

zvg

Alison Goldfrapps Wandelbarkeit ist frappierend. Sie war die verspielte Trip-Hop-Träumerin auf dem Debüt «Felt Mountain». Sie war die verruchte Glam-Discoqueen auf den Folgeplatten «Black Cherry» und «Supernature». Sie war die ko(s)mische Folkfee auf dem verschrobenen Naturtrip «Seventh Tree». Und nun, auf Album Nummer fünf, zieht es Alison zusammen mit ihrem Goldfrapp-Partner Will Gregory auf direktem Weg ins Pop-Wunderland.

Pop mit Feelgood-Note

Es beginnt mit einem Synthesizerriff, das eine entfernte Verwandtschaft mit Van Halens «Jump» aufweist und via peppige Beats und Alison Goldfrapps einnehmende, klare Stimme zu einem eingängigen Refrain führt. Ein Raketenstart gelingt dem Duo mit «Rocket» zwar nicht – die Richtung ist aber vorgegeben. Das anschliessende «Believer» zelebriert lüpfig-geschmeidigen Elektropop: «Es ist ein Song über das Wiederentdecken der Liebe», sagt Alison Goldfrapp – und intoniert inbrünstig Zeilen wie «without you I would die». Das von ihr beinahe gehauchte «Hunt» fügt eine geheimnisvolle Atmosphäre hinzu, das süffige «Dreaming» erinnert im Finale mit Discobeat und programmierten Streichern an «Statues», das letzte Album der britischen Band Moloko.

Überraschung zum Schluss

So weit, so okay. Doch die Songzeile «Uuuh, uuuh, uuuh, hello hello» im wenig überzeugenden «Alive» verheisst nichts Gutes: Da driften Goldfrapp in die Gefilde von eher peinlich berührendem Europop ab. «I Wanna Life» purzelt gar kopfüber in die Untiefen der popmusikalischen Harmlosig- und Beliebigkeit Marke Achtzigerjahre.

Ganz zum Schluss begeben sich die Musiker wieder auf abenteuerliche Abwege: «Voicething» liefert wortlose Stimmspielereien über sphärischen Klängen. Da stöhnt und zirpt und greint die 43-jährige Sängerin – manchmal im Chor mit sich selber. Zum überraschenden Abschluss von «Head First» sagt sie: «Wir wollten etwas, das das Gegenteil dessen ist, was zuvor kommt.» Und etwas, das die Unberechenbarkeit zurückbringt. Manchmal frage sie sich, warum sie nicht den einfachen Weg gehen und dasselbe Album immer und immer wieder machen können, sagt sie. Und fügt an: «Ich denke, selbst wenn wir wollten, könnten wir es nicht.» Das ist gut so – selbst wenn sich «Head First» auf dem einen oder anderen Irrweg verliert. Für eine Überraschung sind Goldfrapp immer wieder gut.

CD: Goldfrapp, «Head First», Mute/EMI. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.03.2010, 12:40 Uhr

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