Zum Ersten, zum Zweiten... zum Sexten
Von Rico Bandle. Aktualisiert am 20.03.2010
Bei Simon de Pury ist jede Auktion ein Ereignis. «Ihm zuzusehen ist einfach Showtime», schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Und die «Wirtschaftswoche»: «Es ist seinem Charisma zu verdanken, dass Auktionen zu einer Art Popveranstaltung geworden sind.» Simon de Pury gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der internationalen Kunstszene; wenn er den Hammer schwingt, erzielen Kunstwerke oft Werte weit über dem Schätzwert. Der gebürtige Schweizer und Bruder des verstorbenen Ökonomen David de Pury («Weissbuch») gefällt sich in dieser Rolle, inszeniert sich selbst als Star, steht an eigenen Partys selbst am DJ-Pult, eine Ausstellung mit eigenen Fotografien erklärte er selbst zum grossen Kunstereignis.
Heute Abend steht der begnadete Auktionator wieder einmal im Zentrum des Interesses. Für einmal sind es nicht schwindelerregende Millionenbeträge, die die Kunstwelt in Atem halten, sondern das Thema: Sex. Von Pablo Picasso bis Helmut Newton kommen 221 Werke im Auktionshaus Phillips de Pury in London unter den Hammer. Auf 1,8 Millionen Pfund (3 Millionen Franken) werden die Werke zusammen geschätzt, am Schluss dürfte der Ertrag einiges höher liegen.
Viel nackte Haut
Will man sich die Werke auf der Internetseite des Auktionshauses anschauen, muss man erst zustimmen, volljährig zu sein, das Material sei nicht jugendfrei. Zu sehen gibt es viel Haut, vor allem Frauenhaut. Klassiker der Aktfotografie wie Helmut Newton oder Robert Mapplethorpe sind vertreten, Rebellen wie Jonathan Meese oder auch wenige Grössen der klassischen Moderne wie Henry Matisse oder Pablo Picasso. Von trashig bis sinnlich, ob Gemälde oder Skulptur: Die Werke der Auktion bilden ein wild zusammengwürfeltes Sammelsurium Kunst gewordener Erotikfantasien.
Was macht den Erfolg de Purys aus? Jede seiner Auktionen ist minutiös durchgeplant. «Eine Auktion wird orchestriert wie ein Theaterstück oder ein Filmskript», sagt er in der «Wirtschaftswoche». Die Momente der Spannung müssten verteilt werden. Und er spürt sein Publikum genau: «Bevor jemand ?bietet, weiss man quasi schon: Von dort hinten wird jetzt ein Gebot kommen.» De Pury verstellt oft seine Stimme, kokettiert mit dem Publikum und motiviert es damit, noch etwas mehr zu bieten.
Der grosse Rückschlag
Doch auch der grosse Star musste schon Rückschläge erleiden. Nach seiner Zeit als Chefauktionator von Sothebys in Europa machte er sich mit Daniella Luxembourg selbständig, die Firma fusionierte 2001 mit Phillips in London zu Phillips de Pury & Company. Das Auktionshaus wuchs rasch und machte bald den zwei grossen – Christie's und Sotheby's – Konkurrenz. Doch 2008 musste de Pury seine Mehrheit an dem Auktionshaus an den russischen Luxusgüterkonzern Mercury verkaufen. Die Hälfte des Übernahmepreises von 60 Millionen Dollar sei für die Tilgung von Schulden draufgegangen, wurde damals kolportiert, Simon de Pury habe sich im Vorfeld vermehrt verspekuliert gehabt.
Simon de Pury als Auktionator hat diese Geschichte nicht geschadet. Er ist auch nach dem Verkauf Verwaltungsratspräsident von Phillips de Pury & Company geblieben und schwingt den Auktionshammer so eloquent wie eh und je. The Show must go on.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.03.2010, 07:23 Uhr
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