Ende mit Schrecken für eine Legende

Aktualisiert am 09.03.2010

Die hochkarätige Sammlung der in Konkurs gegangenen Firma Polaroid mit Fotos von Andy Warhol und Robert Frank soll versteigert werden - gegen den Willen der vertretenen Künstler.

1/17 Chuck Close, «9-Part Self Portrait», veranschlagt auf 40'000 bis 60' 000 Dollar.

   

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Polaroid-Ausstellung

Das Musée de l'Elysée zeigt einen Teil der europäischen Sammlung Polaroid. Darunter Landschaften von Ansel Adams, Selbstporträts von Andy Warhol und experimentelle Collagen des Schweizers Sakt sind unter anderem zu sehen.

Die Ausstellung dauert noch bis zum 6.Juni.

Ein unrühmliches Ende für eine legendäre Liebesgeschichte: Immer schon waren die Künstler dem Charme der Sofortbild-Kamera mit ihrer speziellen Ästhetik zugetan und benutzten sie fleissig. Die Firma ihrerseits umwarb die Kreativen von Anfang an. Mit einem Artist Support Program sprach Firmengründer Edwin Land die Kreativen gezielt an, versorgte sie mit Filmen und Equipment, ermunterte sie, zu experimentieren und entwickelte sein Produkt gemäss ihrer Erfahrungen weiter. Im Gegenzug erhielt er einmalige Aufnahmen von Künstlern wie Andy Warhol, Robert Rauschenberg, David Hockney, Robert Frank, Robert Mapplethorpe.

Widerstand der Künstler

Nach dem unrühmlichen Konkurs der Firma im Jahre 2008 kommt ein Teil dieser Sammlung nun im Juni bei Sotheby's in New York unter den Hammer – sehr zum Ärger einiger Künstler. Die Sammlung sei einmalig und der Verkauf kriminell, so Chuck Close. Es gäbe nichts Vergleichbares in der Geschichte der Fotografie, klagt er. Die Sammlung gehört seiner Meinung nach in ein Museum, denn es handle sich um ein zeithistorisches Dokument. Leider fand sich aber kein Museum, das sich für die gesamte Sammlung interessiert hätte.

Der Unmut ist verständlich, schliesslich vertrauten die Künstler ihre Werke der Firma sozusagen als Leihgabe an, welche die Fotografien hüten und verwalten sollte. So hatten in den vergangenen Monaten auch einige Künstler versucht, den Verkauf zu stoppen. Ihre Bilder hätten sie dem Unternehmen damals als Werbematerial zur Verfügung gestellt und damit immer noch die Rechte am Material. Ein Gericht in Minnesota schmetterte diese Klage allerdings ab.

16'000 Fotografien

Polaroid wurde 1937 gegründet und ging 2001 pleite – unter dem Druck der Digitalfotografie. Die Firma wurde vom amerikanische Unternehmer Tom Petters gerettet, der sie aber in einen Betrugsfall von mehr als drei Milliarden Dollar verwickelte, so dass sie 2008 ein zweites Mal, diesmal endgültig strandete. Petters wurde inzwischen unter anderem wegen Betrug und Geldwäsche verurteilt.

Im Lauf eines halben Jahrhunderts sammelten sich in der Polaroid-Collection mehr als 16'000 Fotografien an. 1200 davon sollen nun am 21. und 22. Juni mit einem erhofften Gesamtumsatz von 7,5 bis 11,5 Millionen Dollar versteigert werden. Das Auktionshaus will in der Woche zuvor seine sämtlichen Ausstellungsflächen freiräumen, um die Arbeiten zu zeigen. Es wird eine Präsentation von musealem Rang werden. (mcb)

Erstellt: 09.03.2010, 14:12 Uhr

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