Kultur
Ein Mann rettet die Polaroid-Fotografie
Von Michèle Binswanger. Aktualisiert am 06.08.2009
Die klassische Kamera.
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Zur Person
Florian Kaps, 40, ist von Hause aus Biologe und der Kopf hinter der Lomographic Society, einer Online-Community für Fotofans. Ausserdem betreibt er Polanoid.net, eine Interessensgemeinschaft für Fotografen und Pola-Fans mit einem angegliederten Online-Shop für Polaroid-Produkte.
Der Titel ist ironisch: «The Impossible Project» nennt der Österreicher Florian Kaps seine Mission, die Sofortbild-Fotografie wieder zum Leben zu erwecken. Doch die Bemühungen des bekennenden Polaroid-Fans sind sehr ernst gemeint. «Es geht um ein interessantes Business», ist Kaps überzeugt. Trotz oder gerade wegen des Siegeszugs digitaler Fotografie. Denn wo alle in eine Richtung rennen, tut sich für andere eine Nische auf. «Es geht unter anderem auch um die Bedeutung analoger Aspekte in einer zunehmend digitalisierten Welt», sagt Kaps.
Diese digitalisierte Welt wurde im Juni des vergangenen Jahres um einen Klassiker ärmer. Gross war das Entsetzen unter den Polaroid-Fans, als der gleichnamige Konzern vergangenen Juni verkündete, die Produktion von Sofortbild-Filmen einzustellen. Diese hätten, so hiess es, im Zeitalter der Digitalkameras ausgedient – und ausserdem seien einzelne chemische Komponenten für die Filme nicht mehr erhältlich.
Alte Fabriken, neue Filme
Kaps sah das anders. Im Oktober 2008 rief er sein «Impossible Projekt» ins Leben. Kurzerhand mietete er sich eine der ehemaligen Polaroid-Fabriken in Enschede, Holland ein, glücklicherweise gerade noch kurz bevor die Maschinen zur Produktion der Polaroid-Filme zerstört werden sollten. Dann heuerte ein Team um den ehemaligen Polaroid-Cheftechniker Henny Waanders an und stellte einen ehrgeizigen Businessplan auf. Innerhalb von 15 Monaten sollte sein Team in Enschede einen neuen Film für alte Polaroid-Kameras entwickeln. Was nicht ganz einfach ist, da zahlreiche chemische Komponenten nicht mehr erhältlich sind und ersetzt werden müssen.
Markt ist vorhanden
Kaps sieht sein Projekt auch als «Hommage an die goldenen Jahre der Polaroid-Kameras». Denn viele Leute seien inzwischen von der Digitalfotografie gelangweilt. Es solle allerdings keine Neuauflage der alten Filme geben, sagt der Künstler. Vielmehr gehe es darum, einen neuen Film mit eigener Charakteristik zu produzieren. Danach, so glaubt Kaps, könnte sich das Projekt zum Selbstläufer entwickeln. «Weltweit gibt es noch bis zu 500 Millionen Kameras, der Markt ist vorhanden», sagt Kaps. Ausserdem könne er sich vorstellen, dereinst auch neue Kameras zu produzieren.
Der Ausgang des Experiment ist offen. Im Jahr 2007 wurden noch 30 Millionen Polaroid-Filme in der Enschede-Fabrik produziert, in der ersten Jahreshälfte 2008, vor der Schliessung der Fabrik ganze 24 Millionen. Der Klassiker hat also sicherlich Potenzial für ein zweites Leben. Besonders in einer bestimmten Nische: In der Kunst war die Verwendung von Polaroid-Bildern von Andy Warhol bis Elodie Pong ungebrochen beliebt. So wird Kaps, auch wenn der kommerzielle Erfolg ausbleiben sollte, wohl zumindest in die Kunstgeschichte eingehen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.08.2009, 17:24 Uhr





