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Ein Grenzgänger eröffnet einen Swinger-Club

Von Rico Bandle. Aktualisiert am 23.02.2010

Er verweigert sich den Fotografen, redet nicht mit Journalisten, ist weltweit ein ebenso gefeierter wie umstrittener Künstler – und sorgt nun in Wien mit einem Swinger-Club für Aufregung. Wer ist Christoph Büchel?

1/9 Swinger-Club als Kunst-Installation: Christoph Büchels Werk in Wien.
Bild: Werner Kaligofsky

   

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Die Ausstellung

Christoph Büchel, Element6, Secession Wien, bis 18. April.
www.secession.at

Pro Helvetia zahlt mit

Gemäss der Zeitung «Österreich» kostete allein die Einrichtung des Swinger-Clubs 90'000 Euro. Die Schweizer Kulturstifung Pro Helvetia unterstützt das Projekt mit 15'000 Franken.

Wo der Name Christoph Büchel auftaucht, ist immer auch von Konflikten und Provokationen die Rede, von einer «schwierigen Person». Aber auch von einem Künstler, der getrieben ist, «immer auf 180», wie ein Bekannter sagt. «Er ist ein künstlerischer Borderliner, der ständig an die Grenzen gehen muss», meint Cabaret-Voltaire-Direktor Philipp Meier, der auch schon mit ihm «»zusammenarbeitete.

Der gebürtige Basler ist ein Phänomen. Er verweigert sich den Medien, versteht aber deren Skandallust perfekt zu bedienen, er grenzt sich vom klassischen Kunstbetrieb ab, stellt aber doch in grossen Museen aus und lässt sich von einer renommierten Galerie (Hauser & Wirth) vertreten. Auf der aktuellen «Bilanz»-Liste der bedeutendsten Schweizer Künstler rangiert Büchel auf Platz fünf. Er stand auch schon weiter vorne, 2006 gar auf Platz eins. Was nicht heisst, dass er sich auf dem absteigenden Ast befindet. Immer wieder schafft es Büchel mit seiner Kunst und den dazugehörenden Skandalen und Konflikten in die Schlagzeilen. Hier einige Beispiele:

  • 2002 sollte Büchel zusammen mit Gianni Motti im Zürcher Helmhaus eine Ausstellung bestreiten. Die Künstler planten, einen Scheck in der Höhe des Ausstellungsbudgets von 50'000 Franken in den leeren Ausstellungsräumen zu verstecken. Das Geld hätte der Finder oder die Finderin erhalten. Der damalige Stadtpräsident Elmar Ledergerber schritt ein, kürzte das Budget, worauf die Künstler die Aktion absagten.
  • 2006 startete Büchel in Salzburg ein Bürgerbegehren (ähnlich einer Volksinitiative), das die Stadt von Gegenwartskunst befreien soll. «Schluss mit der Verschandelung unseres Weltkulturerbes!», so der Slogan. Büchel schaffte es, genügend Unterschriften zu sammeln – zum Ärger der Stadtoberen, die die Kosten der Volksbefragung dem Kunstfestival Kontrakom verrechnen wollte, in dessen Rahmen die Aktion Büchels stattfand.
  • 2007 wurde Büchels Einzelausstellung im «Massachusetts Museum of Contem­porary Art» nicht rechtzeitig fertig, zudem überschritt der Künstler die Kosten massiv. Das Museum wollte die unfertige Schau für das Publikum öffnen, Büchel wehrte sich dagegen. Der darauffolgende Rechtsstreit war laut «New York Times» eine der meistbeachteten Streitigkeiten, die die Kunstwelt je gesehen hatte. Büchel verlor verlor vor Gericht, gewann aber viel Sympathien.
  • 2008 lud Büchel im Rahmen seiner Ausstellung «Deutsche Grammatik» in Kassel die rechtsextreme NPD zu einer «Parteienmesse» ein. Alle andern Parteien machten ihre Zusagen unter Protest rückgängig, die Linke sprach von einer «ungeheuerlichen Entgleisung».

Geheimes Projekt

Büchels Kunst eignet sich nicht für die Wohnzimmerwand. Trotzdem erreichen seine Werke bei Sammlern Preise zwischen 20'000 und 600'000 Franken. Auf den ersten Blick wirken die Werke oft wie Müllhalden; für seine Ausstellungen verarbeitet er Tonnen von Material. Erst bei genauerem Hinschauen merkt man, dass alles genau seinen Platz hat, alles akribisch geplant und durchdacht ist. Ähnlich wie Thomas Hirschhorn ist Kunst für Büchel ein Mittel, auf gesellschaftliche und politische Missstände aufmerksam zu machen.

Und jetzt sorgt Büchel in Wien mit einem Swinger-Club im Museum Secession für Aufsehen. Tagsüber können die Museumsbesucher die Räumlichkeiten betrachten, Abends geht es richtig zur Sache. Um zu verhindern, dass die Installation schon vor der Eröffnung gestoppt wird, war das Projekt geheim; bis zur Vernissage wusste ausser den Museumsverantwortlichen niemand, was Büchel im Sinn hatte.

Die Provokation erscheint aus der Ferne etwas gar simpel. Die Installation sei eine Anspielung auf Gustav Klimts «Beethovenfries», das in seiner Zeit an derselben Stelle für grossen Aufruhr sorgte. Gerne hätten wir mit Büchel über sein Werk gesprochen. Doch auf Anfrage hiess es wie immer: «Der Künstler will nicht mit der Presse sprechen.» (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.02.2010, 10:48 Uhr


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