Dieters Fluch heisst Didi
Von Thomas Widmer. Aktualisiert am 04.09.2010 1 Kommentar
Dieter Hallervordens Karrriererückblick
«Palim-palim»
«Stationen eines Komödianten» (mit Dieter Hallervorden und Harald Effenberg)
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Palim-Palim. Dieter Hallervorden ist das lautmalerische Wort nicht mehr losgeworden. Morgen wird er 75, und die Leute auf der Strasse rufen ihm nach wie vor feixend zu: Palim-Palim. Bekannt wurde das Wort in den 70ern durch einen TV-Sketch: Zwei Sträflinge im blau-weissen Querstreifentenue spielen aus Langeweile Krämer und Kunde. «Palim-Palim», ahmt Hallervorden die Ladentürglocke nach, tritt grinsend auf seinen Zellengenossen zu und verdirbt diesem die Freude mit Dada: «Guten Tag, ich hätte gerne eine Flasche Pommes frites.»
Halb Deutschland (und die halbe Schweiz) lachte sich darob kaputt. In derselben Ära ging allerdings die Rote Armee Fraktion um; der Polizeistaat rüstete auf. Linke hassten Hallervorden. Er amüsiere das Volk, statt es aufzurütteln. Er entpolitisiere es, sagten sie.
«Du, die Wanne ist voll»
Ihren Feinden zum Trotz war die Humorshow «Nonstep Nonsens» ein Renner. Gleiches gilt für einige Hallervorden-Filme. Im Schlagerwesen brillierte Didi auch: Er und Helga Feddersen, die Frau mit dem schrägen Gesicht, schmetterten «You’re the One That I Want» auf Deutsch; «Du, die Wanne ist voll» geriet zum Hit.
Didi Hallervorden, eine Institution des deutschen Lachwesens. Bloss wurden ihm die falschen Zähne und die Perücke irgendwann peinlich. Vor «Nonstop Nonsens» hatte er 15 Jahre die Art von Kabarett betrieben, die Intellektuelle als «engagiert» feiern. Dass Feuilletonisten nun seine TV-Schrillheiten zerfetzten und fanden, ein Hallervorden habe überhaupt nur Erfolg, weil die Nazis den deutschen Humor unwiederbringlich ruiniert hätten – das tat ihm weh.
Attentat auf Ulbricht geplant
Objektiv und grundsätzlich betrachtet, ist diese deutsche Nachkriegskarriere ganz sicher ein Glücksfall. 1958, als Uni-Jüngling, leitete Hallervorden, der aus Ostdeutschland nach Westberlin geflohen war und den Kommunismus hasste, ein Attentat in die Wege: Er wollte Walter Ulbricht erschiessen, Moskaus Mann an der DDR-Spitze. Er und ein Freund hatten schon den Anschlagsort bestimmt: ein Sportgelände im Osten, auf dem Ulbricht des Öfteren Tennis spielte.
Eine Freundin redete den beiden die Sache aus – so kommt es, dass Hallervorden heute als irrer Slapsticker ein Begriff ist und nicht als tragischer Polittäter. In Westberlin fuhr er darauf mit dem Studium der Romanistik fort; er ist ein Frankophiler, was seine heutige Wahlheimat erklärt: Er lebt mit der zweiten Frau und seinem einen Sohn in einem Schloss auf einer kleinen bretonischen Insel.
Didi und Dieter sind «auf ewig aneinandergekettet»
Schliesslich verliess Hallervorden die Uni und gründete sein eigenes Kabarett: Die Wühlmäuse. Anderthalb Jahrzehnte agierte er im Folgenden, wie man so schön sagt, «zeitkritisch». Sein Theater lief durchaus gut. Doch erst als ihn das Fernsehen Mitte der 70er entdeckte, hob Hallervorden wirklich ab. Dieter wurde zu Didi. Die Figur, halb Trottel, halb bauernschlau, avancierte zur BRD-Institution; und natürlich ist die Karriere darin begründet, dass jede Szene brutal direkt auf die Pointe zusteuerte.
Didi wollte die Leute zum Lachen bringen, nicht zum Denken. Später betrieb Hallervorden die Rückkehr zum «politischen» Kabarett – mit mässigem Erfolg und Rückfällen in die Alberei. Didi und Dieter sind «auf ewig aneinandergekettet», wie ein Journalist schrieb. Noch härter formulierte es ein anderer: «Der Fluch von Dieter Hallervorden heisst Didi.» (Der Bund)
Erstellt: 04.09.2010, 16:43 Uhr
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