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Die Kochkünste eines Künstlerkochs

Von Helen Lagger. Aktualisiert am 17.08.2009

Im Klee-Zentrum fand am Samstag ein Dinner der Extraklasse statt. Der ungarische Künstler Arpad Dobriban kochte und erklärte dabei die Kulturgeschichte seiner Zutaten. Suppe aus «ewiger Milch» war einer von vielen Höhepunkten.

Erlebnisgastronomie der andern Art: Arpad Dobriban kocht und referiert.

Nadia Schweizer

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Klar, kochen ist eine Kunst. Aber so weit, wie der 1957 in Ungarn geborene Künstler Arpad Dobriban dieses Prinzip treibt, ist einzigartig. Seit rund zwanzig Jahren komponiert er Speisefolgen statt Gemäldeserien, Gerichte aus der eigenen Familiengeschichte statt Porträts. Das Kochen ist sein Medium, das ihm erlaubt seine Sicht der Dinge darzustellen oder gar umstürzlerische Gedanken zu materialisieren.

Parallele zur Migration

Seine mobile Küche ermöglicht ihm das Zubereiten der Speisen in Museen oder Institutionen, wo er thematisch gefasste Menüs serviert. Der Absolvent der Kunstakademie Düsseldorf und Schüler des Videopioniers Nam June Paik ist ein Zeremonienmeister, der uralte Gerichte ausgräbt oder eine Analogie der Unterdrückung von Armen zum Verbot eines köstlichen Weines zieht.

So genannte Erlebnisküche kann anstrengend sein und bemühend wirken. Nicht so bei Dobriban. Sein Timing ist perfekt, das Essen manchmal vertraut, manchmal fremd, aber immer köstlich. «Die ewige Wanderung nach Westen» ist eine Kreation von 2004, die perfekt zur Orientausstellung im Zentrum Paul Klee passt. «Es ist ein Phänomen, dass fast alle Speisen, die wir heute kennen, aus dem Osten in den Westen kamen. Ich sehe darin eine Parallele zur Migration», erklärt der Künstler. Migration hat auch sein eigenes Leben geprägt. Seine Familie stammt teilweise aus Armenien und wanderte vor 400 Jahren nach Ungarn aus. Sein Vater emigrierte in den Siebzigerjahren nach Deutschland, wo Dobriban aufwuchs. «Lachs verkörpert Migration als Lebensprinzip», führt er aus. Den wanderlustigen Fisch serviert er mit Blinis und Dillsauce.

Milch wird zu Staub

Anschliessend spricht er über das armenische Gericht «Angads Abur», eine Festtagssuppe, die in seiner Familie Tradition hat. «Niemand stellt diese Suppe heute noch her. Es war für mich ein Glück, das Rezept von meiner ungarischen Tante zu erhalten.» Der Künstler präsentiert eine Serie von Objekten, fast schon kleine Skulpturen, die er für die Suppe zu Staub zerreiben kann. Die Kegel bestehen aus Milch und Kräutern, und auch sie sind mit dem Thema Migration verbunden, stellen sie doch eine Möglichkeit dar, Milch transportierbar zu machen. «Milch für die Ewigkeit» heissen die Dinger, denen man nicht so recht traut. Die Suppe schmeckt zwar merkwürdig, aber lecker. Oder mit den Worten des Künstlers: «Sie hat einen Geschmack, den man nicht kennt, aber für selbstverständlich hält.»

Am Ende ein Brunsli

Für selbstverständlich hält man auch Tomaten. Als sie per Schiff aus Amerika kamen, galten sie in der alten Welt bloss als Zierpflanzen. Heute kann man sich die italienische Küche ohne Pomodori nicht mehr vorstellen. Diesen Gedanken «verbrät» der Meister in einer Peperonata mit «Migliaccio», einem Maisfladen mit Rosinen und Speck.

Aus Persien stammt der nächste Höhepunkt: ein zartes Hühnchen an einer Walnusssauce mit Granatäpfeln. Der samtige Wein aus Georgien und die Erwartung auf Honig- und Safraneis tragen zusätzlich zum Glück der Gäste bei. Und am Ende der Reise führt uns der Künstler in die Schweiz zurück – er serviert zum äthiopischen Mokka ein Brunsli. Man beisst rein, und urplötzlich wird an einem schönen Sommerabend Weihnachten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2009, 11:30 Uhr


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