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Kunstliebling wider Willen

Von Olivia Müller. Aktualisiert am 18.02.2012 2 Kommentare

Er gehört zu den kommerziell erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart. Zum 80. Geburtstag widmet die Neue Nationalgalerie Gerhard Richter eine umfassende Retrospektive.

1/12 Seine Werke erzielen Rekordpreise: Gerhard Richter.

   

Gerhard Richter

Der 1932 in der Oberlausitz geborene Richter, lernte zuerst Schriftenmaler und studierte später Wandmalerei an der Staatlichen Kunsthochschule Dresden. Kurz vor Mauerbau flüchtete er mit seiner damaligen Frau, Marianne (Ema) Eufinger, nach Westdeutschland. Richter schloss ein zweites Studium an der Kunstakademie Düsseldorf ab und wurde 1971 an selbiger Akademie zum Professor berufen. Den Lehrstuhl an der Kunstakademie Düsseldorf hatte er bis 1994 inne. Er hat eine Tochter (Betty) aus erster Ehe. Drei Kinder folgen aus der Ehe mit der ehemaligen Schülerin Sabine Moritz. Richter lebt heute in Köln.

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Läuft noch vereinzelt in den Schweizer Kinos: «Gerhard Richer Painting».

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«Über Malerei zu reden, ist ja nicht nur sehr schwierig, sondern vielleicht sogar sinnlos. Weil man immer nur das in Worte fassen kann, was in Worte zu fassen geht, was mit der Sprache möglich ist; und damit hat Malerei ja eigentlich nichts zu tun». Gerhard Richter war nie der Mann der vielen Worte, wie diese Aussage im Interview mit dem Sender SWF 1966 beispielhaft zeigt.

Heute, über ein halbes Jahrhundert später, die Kunstszene feiert Gerhard Richter als einen der wichtigsten Künstler der Gegenwart, findet er ähnlich bescheidene Worte anlässlich der grossen Retrospektive zu seinem 80. Geburtstag. «Was mir bei diesen Anlässen immer sehr unangenehm ist, sind die vielen Menschen, die sagen werden, wie toll die Ausstellung ist», sagte Richter. Die vielen Leute allerdings, die nach Berlin pilgern werden, um sein umfassendes Werk in der Neuen Nationalgalerie zu bestaunen, sind ihm gewiss. Denn der als scheu geltende Maler ist längst zum Superstar avanciert. Seine Werke erzielen bei Auktionen Rekordpreise. Erst gestern wechselte sein «Abstraktes Bild (768-4)» für umgerechnet 7,1 Millionen Franken den Besitzer.

Ein Werk voller Widersprüche?

Das riesige Oevre Richters erscheint voller Widersprüche – da gibt es fotorealistische Naturdarstellungen, unscharfe Portäts, Gemälde höchster Abstraktion bis hin zu Installationen. Interessant dabei ist, dass den Werken keine eigentliche Chronologie zugrunde liegt. Immer wieder unterschiedliche Vorgehensweisen aufgreifend, ist Richters komplexem Werk nur die experimentierende Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit gemein.

In den 1960er Jahren entwickelte Richter den Stil der Abmalungen. Oftmals bedient er sich dabei einer beliebigen Fotografie aus einer Zeitschrift, die er dann abmalend vergrössert und damit überhöht. Mittels Verwischungen erzeugt er eine Unschärfe, die den Realismus verfremdet. In dieser Schaffensphase entstand das Gemälde «Ema (Akt auf einer Treppe)», welchem eine Farbfotografie seiner Frau zugrunde lag. Es zitiert den Akt «Eine Treppe herabsteigend» von Marcel Duschamp.

Parallel zu seinen Abmalungen entstanden die ersten Farbtafeln, die bis heute immer wieder in seinem Werk auftauchen. In der 1980er und 1990er-Jahren wurde er mit seinen gigantischen abstrakten Gemälde einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Diese expressiv farbigen Werke bestehen aus mehreren Farbaufträgen, welche vermischt, abgekratzt und zum Teil wieder übermalt werden. Scheinbar zufällig erschaffen, werden diese in Wahrheit minuziös nach der Vorstellung des Künstlers gemalt – und mitunter von diesem wieder vernichtet, wenn sie den perfektionistischen Vorstellungen des Schöpfers nicht genügen.

Inspiriert durch sein 1974 entstandenes Werk «4096 Farben», gestaltete der Atheist Gerhard Richter 2006 die Fenster des Kölner Doms. Die modernen Fenster, bestehend aus 11.500 Quadraten in 72 unterschiedlichen Farben, sorgten für Diskussionen nicht nur innerhalb der Kirche.

«Picasso des 21. Jahrhunderts»

Die umfangreiche Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie Berlin ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Gezeigt werden über 150 Gemälde aus allen Schaffensphasen Richters, die Einblicke in das thematisch wie stilistisch facettenreiche Werk offenbaren. Ikonen, wie die herabsteigende «Ema» (1966), die «Kerze» (1982) oder seine, sich vom Betrachter abwendende Tochter «Betty» (1988), finden sich neben selten oder noch nie gezeigten Arbeiten Richters. Exklusiv für die Ausstellung im Mies-van-der-Rohe-Bau in Berlin fertigte der Maler die Arbeit «4900 Farben» an, die, über 200 Meter hinweg, die gesamte Werkschau umrahmen wird.

Der alte Meister, der er nie sein wollte, ist er nun – wider Willen – geworden. Mit den Lobeshymnen auf seine Person kann der stille Künstler jedoch weiterhin nicht viel anfangen. Darauf angesprochen, dass er als «Picasso des 21. Jahrhunderts» bezeichnet wird, sagt er lapidar: «Man kann alles mit allem vergleichen.»

«Gerhard Richter: Panorama» in der Neuen Nationalgalerie läuft bis zum 13. Mai 2012. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Tate in London und dem Centre Pompidou in Paris.

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2012, 17:21 Uhr

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2 Kommentare

Thomas Läubli

18.02.2012, 14:26 Uhr
Melden 6 Empfehlung 0

Was soll der Titel «kommerziell erfolgreich»? Für einen Künstler ist das nicht unbedingt eine Ehre. Gerhard Richter ist auch künstlerisch erfolgreich, da er innerhalb der Bildenden Kunst ein eigenständiges Werk geschaffen hat. Antworten


Arthur Müller

17.02.2012, 20:50 Uhr
Melden 5 Empfehlung 0

Gute Würdigung des großen Künstlers ! Arthur Müller Antworten



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