Kultur

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Komik ab Fliessband in der Oper

Aktualisiert am 28.12.2011

Mit der Premiere zweier Donizetti-Einakter räumte das Opernhaus Zürich am Dienstag die besinnliche Weihnachtsstimmung weg. Und zündete ein burleskes Silversterfeuerwerk, dessen Lunte allerdings ein wenig feucht ist.

Fegt mit zwei Donizetti-Einaktern die Weihnachtsstimmung weg: Opernhaus Zürich (Bild: Screenshot Opernhaus.ch)

Fegt mit zwei Donizetti-Einaktern die Weihnachtsstimmung weg: Opernhaus Zürich (Bild: Screenshot Opernhaus.ch)

Artikel zum Thema

Stichworte

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Die Oper ist ein Tollhaus. Auch Regisseur Martin Kusej weiss darum und macht aus dieser Erkenntnis den dramaturgischen Link zwischen den beiden Einaktern von Gaetano Donizetti. «Die Sitten und Unsitten der Opernbühne» (Le convenienze ed invonvenienze teatrali) ist eine Backstage-Persiflage des Opernalltags, «Der vorsätzliche Irrsinn» (I pazzi per progetto) eine Farce, in der die eheliche Treue strapaziert und schliesslich mit fingiertem Wahnsinn erprobt und wieder ins Lot gebracht wird.

Die beiden Werke, obwohl mit einer Zeitdifferenz von drei Jahren (1827/1830) in Neapel uraufgeführt, ergänzen sich bestens: Diven, Rampensäue, Maulhuren, Impresari, Librettisten, die sich im ersten Stück gegenseitig piesacken, gegeneinander ausspielen und an die Wand singen, landen schliesslich in einer geschlossenen Anstalt, die dann zum Schauplatz des zweiten Werks wird. Ganz am Ende geistern sie nochmals durch die Szene - als Zombies sozusagen.

Sängerkrieg

Als zickige Primadonna Daria Garbinati trillert und trällert sich Jessica Nuccio durch die virtuose Auftrittsarie der Ersilia im Römerdrama, das aufgeführt werden soll. Sie wird protegiert durch ihren eitlen Ehemann Procolo, den Massimo Cavalletti mit Spielwitz und grossspurigem Bariton gibt, um dann als Grosser Romulus doch eine windige Figur abzugeben. Hübsche Genrebildchen liefern Morgan Moody, der als versoffener Librettist durch die Szene taumelt, und Christoph Strehl, dessen subtile Komik als deutscher Tenor perfekt zu seinem unsäglich biederen Ouftit passt.

Etwas überdreht ist Anton Scharinger, der Agata nicht als neapoletanische Mammaccia mit Riesenbusen zeigt, sondern als berserkerhaften Strizzi in Jeansshorts und Rüschenhemd (Kostüme: Heide Kastler). Dann verwandelt sich die Probebühne mit Kleiderständer, Sofa und disparaten Versatzstücken schlagartig in die triste Vorhölle einer altmodischen Nervenheilanstalt mit Treppenhaus, Untersuchungsschragen und Drahtgittern, wo Klamauk und Schmiere weitergehen (Bühne: Martin Zehetgruber).

Nervenkrieg

Hierher soll die attraktive Cristina, elegant und charmant von Katharina Peetz dargestellt, verbracht werden, denn ihr Vormund hat es auf ihr Erbe abgesehen. Das gibt dem medizinischen Scharlatan Eustachio alias Ruben Drole nicht nur die Gelegenheit, die Dame zu untersuchen, sondern auch sein Bühnenpotenzial voll auszuspielen.

Dass man im Irrenhaus auch eine zerrüttete Ehe kitten kann, beweisen Oberst Blinval und seine Gattin Norina, indem sie sich gegenseitig vorgaukeln, verrückt zu sein: Cheyne Davidson mit markigem Bass-Bariton, Eva Liebau mit silbernen Koloraturen. Paolo Rumetz schliesslich kämpft als Anstaltswärter Frank mit der Tücke des Alltags und holt Wahnsinnskomik aus diesen stummen Szenen, bevor er endlich singen darf.

Paolo Carignani führt das Orchester schwungvoll durch die beiden Partituren, die fürwahr nicht zu den inspiriertesten Donizettis gehören. Dennoch realisert das geneigte Publikum, dass der Unterschied zwischen den beiden «Irrenhäusern» nur minimal ist und spendet wohlwollenden Applaus.

(dj/sda/Bruno Rauch)

Erstellt: 28.12.2011, 12:23 Uhr


Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.