Kultur
Buhrufe für Regie von «Eugen Onegin»
Lob für den Gesang: Solisten der Oper «Eugen Onegin». (Bild: Stadttheater Bern)
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Pjotr I. Tschaikowski brachte seinen «Onegin» 1879 am Moskauer Konservatorium heraus: Er wollte für seine «Lyrischen Szenen» - so bezeichnete er die mit viel Herzblut geschriebene Oper - auf einer intimen Bühne aufgeführt wissen. Von jungen, unverbrauchten Sängern und mit bescheidenem Etat.
Ironischerweise stellte sich der anhaltende Erfolg des Werks nach dem gleichnamigen Versroman von Puschkin erst nach Aufführungen am Bolschoi und in St. Petersburg ein.
Wie an der Uraufführung
Der ursprüngliche Aufführungsgedanke prägt auch die Berner Inszenierung. Die Solisten rekrutieren sich allerdings nicht aus den Konservatoriumsstudenten. Aber sie verfolgen das Drama als Beobachter, nehmen mimisch daran teil: Verliebtheit, Abfuhr, Koketterie, Hoffnung, Verzweiflung, wie sie die Protagonisten durchleben, dürften auch ihnen vertraut sein!
Schon während des Vorspiels werden Noten und Bücher studiert. Notenständer und Instrumentenfutterale erinnern an Musikstunden. Man tuschelt und flirtet - auch von Mann zu Mann.
Erdacht hat diese vage Rahmenhandlung Yona Kim. Die Regisseurin liess sich dazu von Ben Baur einen Einheitsraum bauen: einen von hohen Fenstern und Flügeltüren gesäumten Saal, der für den 3. Akt, den Salon Gremin, mit Draperien und Sesseln aus dem Fundus schäbig «aufgemöbelt» wird.
Vages und Überzeichnetes
Das einfache Bühnenkonzept erlaubt zwar einen fliessenden Übergang von Szene zu Szene. Es ist aber doch zu wenig neutral, um gleichermassen für diverse Schauplätze zu taugen. Vor allem die Duellszene auf einer Bank wirkt eher deplatziert.
Vieles - auch im Libretto klar Definiertes - bleibt unklar. Anderes dagegen erhält drastische Gestalt. So etwa die Träume des im Duell tödlich getroffenen Lenski: Er sieht seine geliebte Olga als Mädchen, Braut, Schwangere, Mutter, Witwe auf der Drehbühne vorbei wandeln.
Und ganz der subtilen musikalischen Darstellung zuwider läuft die allzu körperliche Attacke Onegins: Mit entblösster Brust stürzt er sich auf die einst verschmähte, inzwischen verheiratete Tatjana und klatscht ihr ihren einstigen Liebesbrief vors Gesicht.
Etwas hilflos nimmt sich auch die Personenführung aus, besonders diejenige des Chors, der hier ein gewichtiges Wort mitzusingen hat - und dies ausgezeichnet tut.
Musikalisch berührend
Überhaupt ist die musikalische Interpretation tadellos. Unter Stabführung von Srboljub Dinic spielt das Berner Symphonieorchester mit ausgesprochenem Sinn für Klangfarben und Elastizität.
Tamara Alexeeva verfügt über einen warm timbrierten, unangestrengten Sopran mit stabilem Fundament, was ausgezeichnet zur verhaltenen, aber nicht minder tiefen Gefühlswelt Tatjanas passt. Ihre Briefszene ist denn auch einer der Höhepunkt des Abends.
Als Debüt in Bern profiliert sich Peter Wedd mit einer berührenden Gestaltung des unglücklichen Lenski. An seiner Seite Natasa Jovic als zierlich kokette Olga.
Robin Adams mit Stutzerbart und ansprechendem Äusseren zeichnet einen weniger dämonischen als vielmehr smarten Onegin: ein ailger Kavaliersbariton mit virilem Charme-Potential.
Unter den ausnahmslos gut besetzten kleinen und mittleren Partien sticht Einspringer Pavel Daniluk von der Zürcher Oper heraus: Sein kraftvoller und doch geschmeidiger Bass verleiht dem Fürsten Gremin nobel-menschliche Würde. (Bruno Rauch, SFD/sda/)
Erstellt: 27.02.2010, 13:47 Uhr






