Bern

Beethoven zwischen Jähzorn und Sanftmut

BernMit einem reinen Beethoven-Programm eröffnete die Camerata Bern am Sonntag die Konzertsaison. Pianist Lars Vogt bot eine eigensinnige Interpretation des 4.Klavierkonzerts.

Die Camerata Bern

Die Camerata Bern Bild: zvg

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Die Streicherfurien grollen. Wer kann sie zähmen? Lars Vogt, der deutsche Pianist, steigt in den Mittelsatz von Beethovens 4. Klavierkonzert wie Orpheus in die Unterwelt. Feine Töne zwischen Furcht, Trauer und Ungewissheit – so hört man den Klavierpart in der Regel. Bei Vogt indes scheint von Anfang an etwas anderes auf: ein Licht der Zuversicht. Dieser Orpheus betet und singt, und er tut es mit einer gewissen Zielstrebigkeit. Ob es auch an den Furien liegt? So richtig Angst machen einem die Streicher der Camerata Bern nicht, so fahl und prägnant sie auch klingen. Das Kammermusikalische hat manchmal seinen Preis. Dafür grollt nun plötzlich das Klavier. Eine Parodie im Moment des Triumphs? Und: Was hat es auf sich mit dem gläsernen Ton, nachgereicht am Ende des Satzes?

Irritierende Akzente

Vogts Zugriff auf das Werk evoziert Fragen, aber auch Binnengeschichten im Kleinen. Ein Gütezeichen. Es ist eine Interpretation, die aufhorchen lässt, schon im Kopfsatz. Manche Passagen klingen sanft und lyrisch wie nie, und die Camerata unter der Leitung von Antje Weithaas hat ihren Anteil daran. Zugleich ist es eine Interpretation, an der man sich reiben kann. Muss man die Kontraste wirklich derart schärfen, wie Vogt es tut? Immer wieder scheint dieser Beethoven jäh und heftig getrieben. Dann erscheinen die Bässe wie gemeisselter Stein. Und im Schlusssatz unterläuft der Pianist die fliessende Heiterkeit, das musikalische Gleichmass, er staut die Energien, setzt irritierende Akzente. Das Orchester indes lässt sich nicht beirren. Es nimmt die Herausforderung an, findet teils gar explosive Antworten.

Erzählerische Kraft

Auch sonst hinterlässt die Camerata Bern einen guten Eindruck. Dass das Ensemble dasselbe Programm am Abend zuvor noch in Italien gespielt und eine anstrengende Reise hinter sich hat, man merkt es kaum. Die «Coriolan»-Ouvertüre nach der Pause wirkt wie auf Nadeln gespielt. Ein Charakterdrama, ins katastrophisch Grelle getrieben von Streichern und Bläsern. Zugleich ist das Klangbild derart aufgebrochen, dass auch Ungeahntes zum Vorschein kommt – etwa, wenn die Fagotte ihren Gegenkommentar abgegeben.

Auch bei der vierten Sinfonie demonstriert die Camerata Bern, wie man diese Musik heute spielt – mit dosiertem Vibrato, plastischer Artikulation, kleinteiliger Phrasierung und unbedingtem Ausdruckswillen, auch und gerade bei den Bläsern, die viel Raum erhalten. Zugespitzt, aber nicht modisch überhitzt: So kann sich die erzählerische Kraft von Beethovens Musik entfalten. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.09.2014, 07:10 Uhr

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