Cannes schenkt sich eine Revolution

Da bahnt sich Bahnbrechendes an: Zum 70. Geburtstag öffnet sich das Filmfestival Cannes TV-Serien, Streamingdiensten und Virtual-Reality-Projekten. (Fast) überall dabei ist Topstar Nicole Kidman.

In «The Beguiled» spielen neben Nicole Kidman auch Colin Farrell und Kirsten Dunst mit. Quelle: Youtube


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Kann das sein? Man reibt sich verwundert die Augen. Aber nein: kein einziges grosses Hollywood-Studio ist zur grossen Geburtstagsparty in Cannes eingeladen. Weder die fünfte Folge von «Pirates of the Caribbean» noch die Zweitweltkriegssaga «Dunkirk» von Christopher Nolan sind an der Croisette präsent.

Natürlich wird es an Stars dennoch nicht mangeln zum 70. Festival, erwartet werden unter anderem Joaquin Phoenix, Julianne Moore, Jake Gyllenhaal oder Dustin Hoffman. Die Königin von Cannes steht jedoch bereits fest. Es ist Nicole Kidman, die in nicht weniger als vier Produktionen zu sehen sein wird – in drei Spielfilmen und in der zweiten Staffel von Jane Campions Serie «Top of the Lake».

Moment mal, eine Fernsehproduktion im offiziellen Programm von Cannes? Ja, mit David Lynchs Reboot von «Twin Peaks» sind es sogar deren zwei. Dabei hatte Festivaldirektor Thierry Fremaux bislang stets versichert, dass in Cannes ausschliesslich traditionelle Kinokunst gepflegt werde. Jetzt sagt er: «Auch Serien bedienen sich bei der klassischen Filmkunst.»

Gut, die Rechtfertigung mag etwas dünn klingen, aber natürlich ist es wichtig, dass sich Cannes populären Formen öffnet und ihnen gleichzeitig ein internationales Gütesiegel verleiht. Wobei Fremaux die Entscheidung insofern leicht gefallen sein dürfte, als Campion und Lynch beide schon Goldene Palmen gewannen.

Aber das ist nicht alles punkto Neuland in Cannes: Auch die Streamingdienste legen zu. Nach Amazon ist dieses Jahr erstmals auch Netflix (mit zwei Filmen) im Wettbewerb vertreten. Kommt hinzu, dass Oscarsieger Alejandro Gonzalez Inarritu («The Revenant», «Birdman») in offiziellem Rahmen ein Virtual-Reality-Projekt vorstellen wird.

Kurz: Eine so umfassende Erneuerungswelle hat man bei diesem Festival selten gesehen; es ist die eigentliche Geburtstagsüberraschung von Cannes. Bleibt die Frage: Wird jemand Hollywood vermissen?

Filmfestival Cannes: 17. bis 28. Mai. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.04.2017, 15:21 Uhr

Die Wettbewerbsfilme

Fatih Akin: Aus dem Nichts (mit Diane Kruger)

Noah Baumbach: The Meyerowitz Stories (mit Adam Sandler, Emma Thompson, Ben Stiller, Dustin Hoffman)

Bong Joon-Ho: Okja (mit Tilda Swinton, Jake Gyllenhaal – zum Trailer)

Robin Campillo: 120 battements par minute (mit Adèle Haenel)

Sofia Coppola: The Beguiled (mit Colin Farrell, Nicole Kidman, Kirsten Dunst – zum Trailer)

Jacques Doillon: Rodin (mit Vincent Lindon – zum Trailer)

Michael Haneke: Happy End (mit Isabelle Huppert, Mathieu Kassovitz)

Todd Haynes: Wonderstruck (mit Julianne Moore, Michelle Williams)

Michel Hazanavicius: Le Redoutable (mit Louis Garrel, Bérénice Bejo – zum Trailer)

Hong Sang-soo: The Day After

Naomi Kawase: Radiance

Yorgos Lanthimos: The Killing of a Sacred Deer (mit Nicole Kidman, Colin Farrell)

Sergei Loznitsa: A Gentle Creature

Kornel Mundroczo: Jupiter's Moon

François Ozon: L'Amant Double (mit Marine Vacth, Jérémie Rénier, Jacqueline Bisset – zum Trailer)

Lynne Ramsay: You Were Never Really Here (mit Joaquin Phoenix)

Benny & Josh Safdie: Good Time (mit Jennifer Jason Leigh, Robert Pattinson)

Andrey Zvyagintsev: Loveless

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