Kultur
Zwei Schwestern gegen den Schmutz
Sonnenschein? Ein guter Witz. Was den Schwestern Rose (Amy Adams) und Norah (Emily Blunt) in «Sunshine Cleaning» blüht, ist ein dauerhafter Hagelschauer. Und doch wird einem richtig warm ums Herz.
Rose, eine ehemalige Highschoolschönheit, hat den Einstieg ins Leben verpasst. Sie putzt bei ehemaligen Klassenkameradinnen, unterhält eine miese Affäre und braucht Geld für den siebenjährigen Sohn, der in eine Privatschule soll. Übler dran ist bloss ihre Schwester, die wegen Unzuverlässigkeit jeden Job verliert und immer noch beim Papa (Alan Arkin) wohnt.
Ein morbider Zufall bringt die zwei zurück ins Geschäft: Mit ihrer Firma Sunshine Cleaning putzen die Schwestern hinter Selbstmördern her, entrümpeln vermüllte Wohnungen und trösten auch mal verzweifelte Hinterbliebene. So wird in Zeiten der Krise der ätzendste Mief nicht nur zu Bargeld, sondern auch zur Herzensangelegenheit.
Regisseurin Christine Jeffs («Sylvia») und Drehbuchdebütantin Megan Holley bringen die Trostlosigkeit des «American White Trash» virtuos und witzig auf den Punkt. So als hätte Mickey Rourke («The Wrestler») die Durchhalteparolen aus dem rollenden Familienchaos «Little Miss Sunshine» zur rabenschwarzen Zote verdreht und als Frau wieder ausgespuckt.
Unausgesprochenes schwingt ebenfalls mit, etwa wenn sich Norah unter Eisenbahnbrücken an drüberdonnernden Zügen berauscht oder in Filmen nach einer Kuchenserviererin sucht. Zug und Kuchen sind nur Ersatz. Es geht, wie immer in diesem Film, um einen Menschen, der an allen Ecken und Enden fehlt. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.07.2009, 10:40 Uhr




