«Was für Monster da in den Banken sitzen»
Jury-Präsidentin Tilda Swinton forderte, der Westen müsse über den Tellerrand hinaus auf die Krisenherde in anderen Teilen der Welt blicken. Die Annahme, dass die grösste Krise derzeit die Finanzkrise ist, sei falsch, sagte die britische Schauspielerin am Donnerstag wenige Stunden vor der Eröffnung der Internationalen Filmfestspiele Berlin. «Die Finanzkrise betrifft in erster Linie nur die Reichen», sagte Swinton. Es gebe jedoch noch ganz andere Krisen in der Welt.
«Niemand spricht über die Ärmsten der Armen, die wirklich betroffen sind», sagte der Autor Henning Mankell. «Ich klage die Massenmedien der westlichen Welt an, schrecklich falsch über Afrika zu berichten. Wir erfahren nicht, wie die Menschen dort leben», erklärte der Schwede, der selbst zeitweise in Mosambik lebt.
«Selber gestalten lernen»
Jurymitglied Christoph Schlingensief sagte, das Medium Film könne zur Aufklärung beitragen: «Wir können uns nicht pausenlos dirigieren lassen, wir müssen lernen, dass wir selber auch gestalten können. Das ist auch, was eine Filmkamera leisten kann.»
Der siebenköpfigen Jury gehören auch die spanische Regisseurin Isabel Coixet (»Elegy»), der Regisseur Gaston Kaboré aus Burkina Faso, der US-Filmemacher Wayne Wang («Smoke») sowie die kalifornische Starköchin und Cineastin Alice Waters an.
Sie entscheiden über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären, die am 14. Februar vergeben werden. Im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale konkurrieren 18 Regiearbeiten, darunter Filme aus Frankreich, Grossbritannien, Dänemark, Argentinien, China, dem Iran und den USA.
Zeitgemässer Thriller
Am Abend sollte das Festival mit dem Bankenthriller «The International» von Tom Tykwer eröffnet werden. Der ausser Konkurrenz laufende Film erzählt mit Clive Owen, Naomi Watts und Armin Mueller-Stahl in den Hauptrollen von den kriminellen Machenschaften einer internationalen Grossbank.
«Es war schon immer ein faszinierender Gedanke für mich, Privatbankiers, die sich sozusagen von bestimmten moralischen Verantwortlichkeiten verabschiedet haben, als Bösewichte eines Krimis ins Zentrum zu stellen», sagte Tykwer.
Als er das Drehbuch las, habe er bereits gewusst, «die Welt ist nicht in Ordnung», erklärte Mueller-Stahl: «Ich dachte schon länger, hoffentlich wird einmal aufgedeckt, was für Monster da in den Banken sitzen.» (phz/sda)
Erstellt: 05.02.2009, 15:38 Uhr
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