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Verliebt, zerstritten, versöhnt?

Von Marlène von Arx. Aktualisiert am 03.12.2008

Brangelina ist out: Penélope Cruz und Javier Bardem sind das neue Traumpaar. Oder nicht mehr? Privat geben sich die beiden Schauspieler zurückhaltend – ganz anders als in Woody Allens «Vicky Cristina Barcelona».

Innig: Juan Antonio (Javier Bardem) und Maria Elena (Penélope Cruz) lieben und streiten sich leidenschaftlich.

Innig: Juan Antonio (Javier Bardem) und Maria Elena (Penélope Cruz) lieben und streiten sich leidenschaftlich.

Die Spanier haben es gut: Sie haben allein dieses Jahr die Fussball-EM, Wimbledon und einen Oscar gewonnen. Aber gerade dem Oscar-Preisträger Javier Bardem ist all das Glück etwas zu viel: «Ich war acht Monate von zu Hause weg, habe ‹No Country for Old Men› promotet und in einer fremden Sprache dauernd die gleichen Fragen beantwortet», so der erste spanische Schauspieler, der für einen Oscar nominiert war («Before Night Falls», 2000) und der dieses Jahr erstmals eine Schauspielerstatue für «No Country for Old Men» für Spanien nach Hause tragen konnte.

«Ich wäre am liebsten auf eine einsame Insel ausgewandert, um fortan Kokospalmen zu züchten. Ich bin ja dankbar für die Preise, aber es war eine erschöpfende Zeit.» Dermassen erschöpfend, dass er die Hauptrolle im Musical »Nine» unter der Regie von Rob Marshall («Chicago») absagte. «Ich war zu kaputt für all das Tanztraining, und Rob hat das verstanden», so der 39-Jährige.

Liebe im Ungleichgewicht

Inzwischen dreht Bardem «Biutiful» mit Alejandro González Iñárritu und ist auch wieder fit für eine Promo-Tour. Diesmal für Woody Allens «Vicky Cristina Barcelona». Allens «Star in Serie» Scarlett Johansson (Cristina) und Rebecca Hall (Vicky) spielen darin zwei amerikanische Freundinnen, die einen Sommer in Barcelona verbringen und vom charmanten Künstler und Bonvivant Juan Antonio (Bardem) verführt werden. Seine wahre Liebe ist jedoch seine Exfrau Maria Elena (Penélope Cruz), ebenfalls Künstlerin und ständig nahe einem Nervenzusammenbruch. Die beiden können nicht zusammenleben, aber auch nicht getrennt. Erst mit Scarlett Johansson in der Mitte als Puffer scheinen die beiden ein gewisses Gleichgewicht in ihrer Beziehung zu finden. Für ihre feurige Interpretation der leidenschaftlich verzweifelten Exfrau wird Penélope Cruz derzeit als Oscar-Anwärterin für die beste Nebenrolle gehandelt: «Ich versuchte, meine Performance hin und wieder etwas herunterzuschrauben», so die Madriderin. «Doch Woody wollte, dass ich jedes Mal explodiere und ein Chaos anrichte.»

Exzessiv vor der Kamera

Und so beschwor sie während Wochen ihre emotionale Lava für den nächsten Ausbruch herauf. «Woody Allens Dialog wurde auf Spanisch übersetzt, und er gab uns die Freiheit, den Text mundgerecht abzuändern und zu improvisieren», erklärt die 34-Jährige den Arbeitsprozess im ersten Woody-Allen-Film, der ganze Dialoge in einer dem Autor und Regisseur fremden Sprache beinhaltet. «Ich fluchte, was das Zeug hielt. Das gefiel ihm anscheinend, denn ich musste nicht nochmals ins Tonstudio, um den Dialog zu korrigieren.» Selbst Scarlett Johansson konnte da nur noch aus der Wurfbahn flüchten, wenn zwischen Maria Elena und Juan Antonio die Fetzen flogen: «Penélope und Javier waren so leidenschaftlich aufgedreht, dass ich nur noch staunen konnte. Mein Schulspanisch reicht nicht weit, aber das half mir als Cristina auch mit meiner Reaktion, denn sie hatte ja auch keine Ahnung, was genau zwischen den beiden los war.»

Verschwiegen im Privaten

Vielleicht wirken Bardem und Cruz, die bereits 1992 zusammen in Bigas Lunas «Jamón, jamón» aufgetreten sind, als leidenschaftliches Paar so überzeugend, weil sie sich bei den Dreharbeiten auch privat gefunden haben. Im Gegensatz zu Maria Elena und Juan Antonio auf der Leinwand geben sie sich privat indessen sehr zurückhaltend. Bardem sagt über Cruz nur, dass sie «eine ausserordentliche Schauspielerin» ist: «Als Maria Elena ist sie immer auf hohem Niveau angespannt, und da muss man schon gut sein, um das glaubhaft rüberzubringen.» Und sie beantwortet Fragen über Bardems Vorzüge mit: «Ich sage nichts Persönliches über ihn – ausser dass er ein Riesentalent ist und einer der besten Schauspieler überhaupt.» Und so hören die Klatschpressen derzeit gleichzeitig die Hochzeitsglocken läuten («noch dieses Jahr!»), wie die Scherben einer zerbrochenen Romanze klirren («Sie ist sauer, weil er sein Ferienjahr verkürzte»).

Eines ist jedenfalls klar: Die Rolle des Don Juan wäre Javier Bardem im wirklichen Leben zu anstrengend. «Mir geht es da wie Woody Allen, der sagt: ‹Es ist schon schwierig, eine Person zu lieben, wie soll man da zwei oder mehr schaffen?›» Javier Bardems Leben ist und bleibt anscheinend ein Chrampf – da nützen selbst ein Oscar und eine Penélope Cruz zu Hause nichts. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.12.2008, 14:18 Uhr

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