Kultur
Sex, Politik, Hysterie: Die Skandalchronik der Berlinale
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1961: Der Festivaljahrgang geht als «Busen-Berlinale» in die Geschichte der Internationalen Filmfestspiele ein. «Schuld» daran ist Hollywoodstar Jayne Mansfield. Ihr platzte vor versammelter Fotografenschar auf einer wilden Party das Kleid.
Berlinale 2010
Leonardo DiCaprio, Jeanne Moreau, Ben Stiller, Gérard Depardieu, Shah Rukh Khan, Ewan McGregor und Jackie Chan werden zur 60. Berlinale erwartet. Die Jubiläumsausgabe der Internationalen Filmfestspiele Berlin zeigt fast 400 Filme aus aller Welt.
Im offiziellen Wettbewerb um den Goldenen Bären konkurrieren 20 Filme. Drei deutsche Filmemacher sind im Bären-Rennen: Oskar Roehler stellt das Drama «Jud Süss - Film ohne Gewissen» mit Tobias Moretti vor. Burhan Qurbani erzählt in «Shahada» von jungen Muslimen in Berlin. Benjamin Heisenberg ist mit dem auf einer wahren Geschichte beruhenden Film «Der Räuber» dabei.
In der Konkurrenz ist ausserdem Roman Polanskis Film «The Ghostwriter» nach dem Bestseller von Robert Harris. Der Brite Michael Winterbottom, der 2003 mit «In This World» bereits einen Goldenen Bären gewann, zeigt seinen neuen Film «The Killer Inside Me» mit Casey Affleck und Jessica Alba.
Der Chinese Zhang Yimou, mit «Rotes Kornfeld» 1988 ebenfalls Bären-Gewinner, ist mit «A Woman, a Gun and a Noodle Shop» dabei. Ausser Konkurrenz stellt US-Regisseur Martin Scorsese sein neues Werk «Shutter Island» mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle vor. (sda)
60. Internationale Filmfestspiele Berlin, 11. bis 21. Februar 2010.
Fast alle grossen Kinostars schritten im Lauf der Festivalgeschichte irgendwann über den roten Teppich der Berlinale – nur Marilyn Monroe war nie da. Die italienischen Rivalinnen Sophia Loren und Gina Lollobrigida liessen sich bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin zum ersten und einzigen Mal gemeinsam fotografieren. Gary Cooper wetterte gegen die Kommunistenjagd des US-Senators McCarthy. Jayne Mansfield erregte Aufsehen mit freizügigen Dekolletés.
Julia Roberts stand 1990 Hand in Hand mit einem DDR-Volkspolizisten auf der Berliner Mauer am Brandenburger Tor. Jack Nicholson rĂĽhmte auf der Berlinale-Pressekonferenz seinen knackigen Hintern. Catherine Deneuve behielt auch im Saal stets ihre Sonnenbrille auf. George Clooney, Richard Gere und Dustin Hoffman nutzten das Festival, um scharfe Kritik an George W. Bushs Irak- Krieg zu ĂĽben.
Schon Jean Gabin musste einst von Polizisten vor stürmischen Fans geschützt werden. Und «Kreischalarm» lösten auch Romy Schneider, Maria Schell, Cary Grant und James Stewart aus. Um einen Blick auf Leonardo DiCaprio und den indischen Bollywoodstar Shah Rukh Khan zu werfen, werden auch bei der Jubiläums-Berlinale vom 11. bis 21. Februar wieder Filmfans stundenlang in der Kälte ausharren.
«Schaufenster des Westens»
Die Berlinale hat keinen Strand wie die Filmfestspiele in Cannes und keine Lagune wie das Festival in Venedig. Zum Wettbewerb um den Goldenen Bären und zu jährlich rund 400 Berlinale-Filmen zieht es dennoch jedes Mal knapp eine halbe Million Besucher in die Kinos der winterlichen deutschen Hauptstadt.
Die 1951 gegründete Berlinale war zunächst als Zerstreuung für die von Krieg und Blockade gebeutelten Berliner gedacht. Das von den amerikanischen Alliierten mitorganisierte Festival sollte eine «kulturpolitisch wichtige Schaufensterveranstaltung des westlichen Films gegenüber dem Osten» sein. Erst 1974 war der erste sowjetische Film gezeigt worden: Rodion Nachapetows «Mit dir und ohne dich». Ein Jahr später beteiligte sich auch die DDR und schickte Frank Beyers «Jakob der Lügner» in den Wettbewerb.
Glamour und Politik
Viele Berlinale-Werke schrieben Filmgeschichte. Darunter die mit einem Goldenen Bären ausgezeichneten Werke «Der Lohn der Angst» von Henri Georges Clouzot, «Die Sehnsucht der Veronika Voss» von Rainer Werner Fassbinder, «Die zwölf Geschworenen» von Sidney Lumet, «Alphaville» von Jean-Luc Godard und «Wilde Erdbeeren» von Ingmar Bergman. Die Berlinale war das erste grosse Festival, das einem asiatischen Regisseur den Hauptpreis verlieh. Zhang Yimou aus China erhielt 1988 für «Rotes Kornfeld» den Goldenen Bären.
Dass eben nicht nur Glanz und Glamour zählen, bewies die Berlinale unter der Leitung von Kosslick. «Nach dem 11. September 2001 sprachen sich viele Schauspieler auf der Berlinale gegen den Golfkrieg aus. 2003 ging der Goldene Bär an Michael Winterbottoms «In This World» über Afghanistan», erinnert sich der Festivalchef. «Auf dem roten Berlinale-Teppich standen drei ehemalige Guantanamo-Gefangene, und wir haben Errol Morris' Dokumentarfilm «Standard Operating Procedure» über das Foltergefängnis Abu Ghraib und George Clooneys Politthriller «Syriana» gezeigt.» (rb/sda)
Erstellt: 08.02.2010, 16:51 Uhr
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