Purple Rain nach Art der Tuareg

Das erste Kinostück in der Sprache der Tuareg ist auch der erste Spielfilm, der am Norient Festival in Bern zu sehen ist. Doch dieses Kleinod aus leuchtenden Bildern und elektrisierendem Wüstenblues ist nur ein Mosaikstein im Programm.

Eine Fahrt zum Gipfel des Triumphs: Mdou Moctar spielt im Film «Akounak» sich selbst – einen Musiker, der auf einem purpurfarbenen Motorrad durch Niger knattert.

Eine Fahrt zum Gipfel des Triumphs: Mdou Moctar spielt im Film «Akounak» sich selbst – einen Musiker, der auf einem purpurfarbenen Motorrad durch Niger knattert. Bild: zvg

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Ein Januarloch kennt man bei Norient nicht. Das Netzwerk für aktuelle Musik im digital-globalen Dorf erlebt gerade einen Wachstumsschub wie der Spargel im Mai. Nebst der siebten Ausgabe des Musikfilmfestivals in Bern, St. Gallen und Lausanne ist man mit der Ausstellung «Seismographic Sounds – Visions of a New World» gleich noch am Berliner CTM-Festival zu Gast – und stellt ein neues Buch vor.So ein Jahresauftakt hats in sich, besonders für Thomas Burkhalter, Mastermind der Norient-Homebase in Bern.

Die internationale Beachtung, die Norient zunehmend erfährt, ist ein schöner Erfolg, doch stösst Burkharts kleines Team nicht allmählich an seine Grenzen? «Für einzelne Projekte ziehen wir Leute hinzu, damit wir sie umsetzen können», räumt er ein. «Unser Buch zum Beispiel ist mit 200 Musikjournalistinnen, Musikethnologen und Bloggern aus 40 Ländern entstanden.» Ein Problem aber ist – wie überall abseits vom Mainstream – das Geld. «Deshalb wollen wir uns noch stärker internationalisieren und prüfen, wie Norient in Zukunft finanziert werden kann», so Burkhalter.

Ein Wüstenfilm . . .

Auch in Agadez, der Lehmstadt in Niger, gibt es Festivals. Doch was für eine Ruhe strahlt der dort gedrehte Film mit dem unaussprechlichen Titel «Akounak Tedalat Taha Tazoughai» («Blauer Regen mit wenig Rot darin», sprich: «Purple Rain») aus! Es ist der erste Kinofilm, in dem Schauspieler vom staatenlosen Volk der Tuareg ihre Sprache sprechen: Tamashek. Doch keine Angst – er ist englisch untertitelt.

Die einfache Geschichte um einen jungen Gitarristen, der wie einst Pop­ikone Prince auf einem purpurfarbenen Motorrad durchs Tal der Demütigungen zum Gipfel des Triumphs knattert, würde man allerdings auch ohne Worte verstehen. Mdou Moctar, auch im wirklichen Leben Musiker, spielt sich selbst. Seine Songs bilden die hypnotische Tonspur, die sich in den Filmbildern mit immer gleichen, leicht variierten Motiven widerspiegelt: Stoffe, die leuchtend im Mittagslicht flattern; Teekännchen in glühenden Sandmulden; Handys, aus denen Musik tönt.

. . . und sein Macher

Herzschlag-Djembes, aufreizende E-Gitarren, Gesang in leise kreisenden Endlosschlaufen – wie einst der Mali-Blueser Ali Farka Touré oder aktuell die algerische Band Tinariwen versteht es der Filmheld Mdou Moctar, westliche Popmusik mit lokaler Tradition zu verschmelzen. Insofern passt «Akounak» perfekt ins Norient-Konzept. Dass es – erstmals an diesem Festival – ein Spielfilm ist, findet Thomas Burkhalter weniger wichtig: «Wir haben uns nie als ein reines ­Dokumentarfilmfestival verstanden, sondern spielen gerne mit Formaten», erklärt er. So stehen auch dieses Jahr wieder audio­visuelle Liveacts auf dem Programm.

Und der Amerikaner Christopher Kirkley, Regisseur des «Purple Rain»-Remakes nach Tuareg Art sowie Inhaber des spezialisierten Plattenlabels Sahel Sounds, wird zum Festivalabschluss am Sonntagabend Musik auflegen.

7.? Norient-Musikfilmfestival: 14. bis 17.?Januar in Bern: Reitschule und Progr. Hier geht es zum Programm. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2016, 17:30 Uhr

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