Pipilotti Rists «Pepperminta»-Film bloss ein Werbespot?
Von Philippe Zweifel. Aktualisiert am 24.06.2009 22 Kommentare
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Film
Die international erfolgreiche Multimedia-Künstlerin Pipilotti Rist hat es nicht immer einfach mit ihrem Herkunftskanton. Der St. Galler Kantonsrat hatte im Juni 2007 einen von der Regierung beantragten Beitrag von 300'000 Franken für den Film «Pepperminta» aus dem Lotteriefonds gestrichen. Der Streichungsantrag war von der SVP-Fraktion gekommen. Eine etablierte Künstlerin wie Rist müsse nicht mit Geld aus dem Lotteriefonds unterstützt werden. Im selben Jahr erhielt Rist den Kulturpreis 2007 der St. Gallischen Kulturstiftung. Nach anfänglichem Zögern nahm die Künstlerin den mit 30'000 Franken dotierten Preis doch noch entgegen. Rist wollte den Preis ausschlagen aus Enttäuschung darüber, dass das Parlament ihr die Unterstützung für ihr Filmprojekt versagt hatte. Im zweiten Anlauf bewilligte der St. Galler Kantonsrat im November 2007 immerhin noch 200'000 Franken für den Film. Mit dem Film werde der Kanton St. Gallen international wahrgenommen, wurde die Unterstützung untermauert.
«Pepperminta» kommt am 10. September in die Schweizer Kinos.
«Ich bin Pepperminta. Vom Typ her bin ich wahrscheinlich eine Karotte. Ich bin nicht zu süss, nicht zu sauer, nicht zu scharf und auch nicht zu salzig», sagt die weibliche Off-Stimme. Im Bild guckt eine blonde Frau mit roten Punkten auf den Fingernägeln durch eine Art Mikroskop. Danach hüpft sie durch ein Tulpenfeld während jemand das Bein einer am Boden liegenden Person in die Kamera hebt. Später sieht man die Frau in einer Stadt und unter Wasser. Dazu blubbern psychedelische Farben, die organisch mit Menschen und Häusern verschmelzen.
Frau Rists Kunst stand schon immer für Sinnlichkeit. Ihre knalligen Videoinstallationen haben das Ziel, unseren Verstand mit unseren Gefühlen zu verlinken. Doch «Pepperminta» ist ein Spielfilm, der auf einem Drehbuch basieren soll. Wie stehts also um die Handlung? Leider gibt der Trailer nur beschränkt darüber Auskunft. Im Folgenden deshalb drei Auslegungen:
1. Die blonde Frau heisst eigentlich Martina Meier und fristete ein Dasein als Sekretärin – bis sie an einer Afterwork-Party zu viel Mojito trank und am nächsten Tag nicht nur einen Mordskater, sondern auch Superkräfte hatte: Sie kann Grau in Leuchtfarben verwandeln. In Anlehnung an die Mojitos nennt sie sich Pepperminta und bringt fortan triste Büros und ganze Städte zum Schillern.
2. Pepperminta ist eine Chemielehrerin, die in der Wirtschaftskrise ihre Arbeit verloren hat. Um ihre zweijährigen Drillinge ernähren zu können, erfindet sie eine Superdroge. Beim Selbsttest erwischt sie eine Überdosis und umarmt euphorisch Blumen. Als der Rauschzustand partout nicht enden will, dreht sie durch und bringt zusammen mit einem ebenfalls geschassten Lehrer ihren ehemaligen Chef um.
3. «Pepperminta» ist gar kein Spielfilm, sondern eine dieser esoterischen Werbungen für Orange. Sie wissen schon: «The Future ist bright, the future is orange». (Auch Marc Forster hat kürzlich für die Swiss einen Spot gedreht, der im Vorfeld als Film gehandelt wurde).
Was ist Ihre Meinung zum «Pepperminta»-Trailer? Weitere Interpretationen oder Kommentare bitte unten eintragen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.06.2009, 13:11 Uhr
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