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Kniefall einer Karrierefrau

Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 29.07.2009

Viel wurde über Sandra Bullocks Nacktszene in «The Proposal» geschrieben. Morgen kommt der Film, in dem sie eine kratzbürstige Chefin, spielt ins Kino.

Unterwürfig: Sandra Bullock in «The Proposal».

Unterwürfig: Sandra Bullock in «The Proposal».

Eine Frau im Chefsessel? Das muss Sandra Bullock sein. Seit den Neunzigerjahren steht die US-Amerikanerin nicht nur vor der Kamera («Speed», «Miss Congeniality»), sondern führt eine eigene Filmproduktionsfirma.

Nun setzt sich Bullock auch vor der Kamera in den Chefsessel: In «The Proposal» befehligt sie als Margaret Tate ein Heer von Duckmäusern in einem New Yorker Buchverlag. Womit wir beim ersten Running Gag wären: Wenn das resolute Weibsbild morgens aus dem Lift tritt, blinkts auf den Bildschirmen ihrer Untertanen: «Es ist da.»

Entsexualisiertes Neutrum

Kann man eine Karrierefrau krasser als entsexualisiertes Neutrum vorführen? Was als lustiger Rollentausch und Referenz an «The Devil Wears Prada» gedacht ist, misslingt gründlich. Und um die Geschichte in Fahrt zu bringen, verpasst Drehbuchdebütant Peter Chiarelli seiner Hauptfigur eine weitere behelfsmässige Schwäche: Margaret, geborene Kanadierin, hat ihre Visumserneuerung verschlampt. Nun droht ihr, wie man ihr an einer Vorstandssitzung mitteilt, die Ausweisung aus den USA. Margaret entwickelt darauf eine Konterstrategie und gibt kühn ihren ins Meeting platzenden Assistenten Andrew (Ryan Reynolds) als Verlobten aus.

Da scheint die Scheinheirat nicht mehr weit, zumal Andrew keine Anstalten macht, sich den unlauteren Bedingungen seiner Chefin (Beförderung oder Entlassung) zu entziehen. Der Rest versteht sich quasi von selbst, denn «The Proposal» könnte von nun an auch «Green Card 2» heissen. Das beginnt beim übereifrigen Beamten der Einwanderungsbehörde und endet bei Andrews Familie, die in Alaska den 90.Geburtstag der Grossmutter feiert und den hektischen Eiertanz mit einer Überraschungshochzeit krönen möchte. Da zwischendurch noch Zeit ist, wird die Braut in spe zu provinziellen Männer-Stripshows entführt, an dämliche Fruchtbarkeitsrituale im Wald gelotst und so oft wie möglich an Orte gestellt, wo Zweiteiler und High Heels blöd aussehen.

Todsicherer Komödienpfad

Dass Regisseurin Anne Fletcher («27 Dresses») in «The Proposal» keine Saumlänge vom todsicheren Komödienpfad abweicht, überrascht nicht. Ebenso wenig, dass sie mit dem Zaunpfahl der Liebe winkt, als wären es Schweinskeulen. Aber was ist mit Sandra Bullock los? Die 44-Jährige beweist Mut für ein bisschen Nacktheit und lässt im Zusammenspiel mit Reynolds Sinn für Komik erahnen.

Wie sie sich als ausführende Produzentin im eigenen Film aber nach allen Regeln der Kunst demütigen lässt, tut in den Augen weh. Wir sehen eine Kratzbürste voller Klischees, die es unter die Nervensägen (das Restpersonal besteht aus komplett überspannten Charakteren) verschlagen hat. So bleibt von einer erfolgreichen Frau bloss ein Abziehbild zurück – eine Lachnummer, die sich vor aller Augen mit Spott und Häme übergiessen lässt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.07.2009, 15:01 Uhr

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