Klamauk und Geknutsche
Wer ist hier der halbe Ritter: Rick Kavanian als Kleinbetrüger Erdal oder Til Schweiger als Ritter Lanze.
Endlich mal keinen «Knutschfilm», sondern etwas über «Ritter oder Piraten», sollen sich Valentin und Leonard, die Söhne von Til Schweiger und dessen Co-Produzent Tom Zickler, von ihren Vätern gewünscht haben. Und weil Schweigers romantische Komödie «Keinohrhasen» gerade ungeheuer erfolgreich im Kino lief, fackelten die beiden Papas nicht lange und entschieden sich – «die Piraten waren aktuell schon von Johnny Depp besetzt» (Zickler) – für einen Ritterfilm. Herausgekommen ist eine nur mässig kindertaugliche Ritterfarce und zu allem Überfluss ein ziemlicher Knutschfilm. Nach «Keinohrhasen» hat Schauspieler, Regisseur und Produzent Til Schweiger auf einen seiner besten Filme nun einen seiner schwächsten folgen lassen.
Ohne (gelungene) Gags
In «1½ Ritter» spielt Schweiger den virtuosen, aber schüchternen Ritter Lanze, der sich in die hübsche Prinzessin Herzelinde (Julia Dietze) verliebt. Als diese nach einem Comeback-Konzert der «New Kids on the Block» (kein Scherz! oder besser: ein schlechter) von dem gefürchteten schwarzen Ritter entführt wird, macht sich Lanze gemeinsam mit dem Kleinbetrüger Erdal (Rick Kavanian) auf die «Suche nach der hinreissenden Herzelinde», wie es im Untertitel des Films gewollt ironisch heisst.
Gewollt haben die Filmemacher bei «1½ Ritter» überhaupt so manches. Als Parodie war das Projekt gedacht: wenn nicht auf den Spuren von «Pirates of the Caribbean», dann wenigstens im Windschatten vom «Schuh des Manitu». Mit ihrem inflationären Aufgebot sich selbst inszenierender Stars wirkt die Ritterkomödie jedoch eher wie ein schaler Aufguss von «Sieben Zwerge – Männer allein im Wald» Bloss ohne (gelungene) Gags.
Selbstironische Parodie
Neben Thomas Gottschalk (als König Gunther) halten in der öden Nummernrevue auch Hannelore Elsner (als Wahrsagerin), Udo Kier (als Bösewicht, der Herzelinde zur Heirat zwingen will), Schlagersänger Roberto Blanco (als augenrollender Exot), Kabarettist Dieter Hallervorden (als spöttischer Pferdeverkäufer), «Focus»-Chef Helmut Markwort (als Chefredakteur der «Schild»-Zeitung), Johannes Heesters (als ketzerischer Wissenschaftler) und etliche mehr ihre Gesichter in die Kamera. Wenn Elsner dem noch jungfräulichen Lanze ein imagegerechtes «Sex ist was Wunderbares» mit auf den Weg gibt, Blanco «ein bisschen Spass muss sein» trällert und Markwort sein «Fakten»-Mantra anstimmt, soll das wohl selbstironisch wirken. Tatsächlich aber sehen die Stars bei ihren eitlen Gastauftritten fast so alt aus, wie Heesters ist. Dass der auch mit über 100 Jahren noch vor der Kamera steht, verdient Respekt. Und immerhin: Udo Kier und Til Schweiger spielen solide; Kier, weil er nicht schlechter, und Schweiger, weil er nicht besser kann.
Schmerzhafte Peinlichkeit
Die bei weitem komischste Figur des Films verkörpert aber Rick Kavanian als sympathisches Schlitzohr mit türkischem «Migrationshintergrund». Dagegen ist jede Szene mit der ungelenk auf hip getrimmten Herzelinde eine Szene zu viel. Dass Schweiger eine Perücke trägt, die an die Frisur der deutschen Bundeskanzlerin erinnert, und dass das im Film auch noch zur Sprache kommt, beschreibt eines der wenigen komödiantischen Highlights des insgesamt fast schmerzhaft peinlichen Streifens. Wenn Schweiger und Zickler das nächste Mal einen Kinderfilm machen wollen, sollten sie besser Valentin und Leonard ranlassen.
Der Film läuft ab Donnerstag im Kino.> (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.12.2008, 11:49 Uhr
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