Kultur
Johnny Depp ziehts ins Wunderland
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>Sie spielen in «Alice in Wonderland» den verrückten Hutmacher Mad Hatter. Wie kann Regisseur Tim Burton Sie nach sieben gemeinsamen Filmen noch aus der Reserve locken?
Johnny Depp: Eigentlich werde ich jedes Mal nervöser: was, wenn ihm meine Interpretation missfällt? Ich flippe aus vor Angst, ihn zu enttäuschen. Aber bis jetzt fand er meine Ideen zum Glück cool.
Hat «Alice in Wonderland» eine besondere Bedeutung für Sie?
Das Märchen war mir als Kind ein Begriff, aber erst vor ein paar Jahren habe ich mich intensiv mit Lewis Carrolls Büchern beschäftigt. Er hat viele Rätsel in die Geschichte verpackt. Meine Ausgabe ist voll mit Notizen und Büroklammern, wo mir Spannendes auffiel: Wieso ist «ein Rabe wie ein Pult»? Oder ich fand heraus, dass der Buchstabe «M» für «Mercury» (Quecksilber) steht. Die Hutmacher benutzten damals hochgiftige Leime, die sie mit der Zeit wahnsinnig machten. Deshalb sagt man auch «verrückt wie ein Hutmacher» und darum auch die Stimmungsschwankungen des Mad Hatters.
Was tun Sie gegen eigene Stimmungsschwankungen?
Ich verabreiche mir starke Medikamente (lacht)! Nein, ich bin mittlerweile die Ruhe selbst, mein Fokus liegt jetzt ganz auf meiner Familie. Ich versuche, so viele Antworten wie möglich für meine Kinder parat zu haben. Wenn wir in unserem Haus in Frankreich sind, verlasse ich meine 15 Hektaren manchmal drei Monate lang nie. Ich schaue einfach dem Gemüse beim Wachsen zu.
Wird das nicht langweilig?
Nein, mir gefällt die Einfachheit des Lebens, wenn kein Telefon klingelt. Ich bin ein einfacher Typ: ein gutes Buch, eine feine Flasche Wein und ein schöner Tag mit einer frischen Brise – mehr brauche ich nicht.
Dazu fehlt Ihnen im Moment die Zeit. Sie drehen einen Film nach dem anderen – als nächstes «The Tourist» mit Angelina Jolie. Welchen Eindruck haben Sie von ihr?
Ich kannte sie vorher nicht. Soweit ich sehe, ist sie eine nette Frau, die alles, was sie anpackt, ernst nimmt und ihren Mann und ihre Kinder liebt. Das hat mich sehr beeindruckt. Zudem fand ich, dass ich noch nicht genügend von Paparazzi fotografiert werde und darum mit Brad und Angelina in Venedig herumhängen sollte (schmunzelt).
Danach gehts für Sie weiter nach Hawaii, wo «Pirates of the Caribbean 4: On Stranger Tides» gedreht wird. Sie haben zugesagt, bevor es überhaupt ein Drehbuch gab. Bei Stars Ihres Kalibers ist das sehr unüblich...
Ich kann ja bei der Geschichte mitreden. Wenn das Drehbuch trotzdem Käse ist, wird es nicht verfilmt. Aber ich schulde dem Publikum noch einen verständlichen «Pirates»-Film. Am Schluss der Trilogie hatten wir so viele Figuren und Sub-Plots – ich kam selber nicht mehr ganz draus. Dabei arbeite ich für die Leute, die ins Kino gehen, nicht für eine Unternehmens-Strategie. Ohne das Publikum würde ich heute an einer Tankstelle oder auf dem Bau arbeiten.
Keith Richards war die Inspiration für den Piraten Jack Sparrow. Nun arbeiten Sie an einem Dokfilm über den Rolling Stones-Gitarristen. Was gibt es Neues über ihn zu erfahren?
Wir haben über die Jahre viel Zeit zusammen verbracht. Er hat so viele Geschichten zu erzählen, dass ich ihm diesen Film vorschlug. Jetzt hat er endlich eingewilligt. Von Regieführen kann aber nicht wirklich die Rede sein. Ich stelle einfach die Kamera auf und lasse ihn machen. Es ist doch toll, dass wir Aufnahmen wie jene von Musikforscher Alan Lomax aus dem frühen 20. Jahrhundert in unseren Archiven haben. Vielleicht gibt dieser Dokfilm auch eines Tages einen Einblick, was für ein grossartiger Künstler Keith Richards ist.
Sie planen bereits einen weiteren Film mit Tim Burton, einen Film mit Emir Kusturica und einen mit Ihrer Lebenspartnerin Vanessa Paradis. Was können Sie uns über diese Projekte verraten?
Tim und ich waren in jungen Jahren Fans von Barnabas Collins und der Vampir-Seifenoper «Dark Shadows». Das soll unser nächstes Projekt werden. Anschliessend steht ein Emir-Kusturica-Film über das Leben des mexikanischen Volkshelden Pancho Villa in Belgrad auf dem Programm. Und mit Regisseur Lasse Hallström möchten Vanessa und ich die Affäre zwischen der Feministin Simone de Beauvoir und dem amerikanischen Macho-Autor Nelson Algren unter die Lupe nehmen. Tja, das wird in der Tat ein volles Arbeitsjahr. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.03.2010, 10:55 Uhr




