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«Import Export»: Die normale Hölle Leben

Von Stefan Volk. Aktualisiert am 22.01.2009

Der österreichische Regisseur Ulrich Seidl zeigt in seinem kargen Sozialdrama «Import Export» soziale Vereinsamung und emotionale Verrohung so lebensecht und unspektakulär, dass es wehtut.

Nicht wirklich lustig: Im Alterspflegeheim gibt es für die Protagonisten kaum etwas zu lachen.

zvg

Eines hat der österreichische Filmemacher Ulrich Seidl («Hundstage») mit seinem Landsmann Michael Haneke («Funny Games») gemeinsam: den erschütternd klaren Blick für die Abgründe der menschlichen Seele. Gemessen an seiner emotionalen Temperatur würde sich Seidls «Import Export» nahtlos in Hanekes Trilogie der «Vergletscherung der Gefühle» einfügen. Während Haneke sich aber medialen Repräsentationen und dem entlarvenden Spiel mit Genrekonventionen zuwendet, widmet sich der ehemalige Dokumentarfilmer Seidl auch in seinen Spielfilmen dem sozia-len Lebensalltag gewöhnlicher Menschen.

Sexmodell und Putzfrau

In «Import Export» sind es die junge ukrainische Krankenschwester Olga (Ekateryna Rak) und der noch jüngere arbeitslose Wiener Pauli (Paul Hofmann), die Seidl durch die ganz normale Hölle «Leben» begleitet. Olga bekommt ihren Lohn nicht ausbezahlt und verdingt sich deshalb nebenbei als Solo-Sexmodell für eine Internetagentur. Um aus diesen hoffnungslosen Umständen auszubrechen, gibt sie ihr Kind in die Obhut ihrer Mutter und versucht, sich in Wien eine neue Existenz aufzubauen.

In ihrem ersten Job als Kindermädchen schlägt ihr die geballte Verachtung des biederen Bürgertums entgegen. Die Hausfrau kommandiert, die Kinder schikanieren sie. Und als sie sich nach einiger Zeit besser mit ihnen versteht, wird sie prompt vor die Tür gesetzt.

Wer einstellt, darf auch feuern; so läuft das im «goldenen Westen». Als Putzfrau landet Olga schliesslich in einem Alterspflegeheim. Daran, dass sie auch dort ganz unten in der Hierarchie rangiert, lässt die herrische Stationsschwester keinen Zweifel. Gespräche mit den Patienten sind unerwünscht, die gelernte Krankenschwester hat sich auf ihre neue Arbeit zu konzentrieren: das Reinemachen.

Grenzen des Erträglichen

Parallel zu dieser Geschichte über den Import billiger, verzweifelter Arbeitskräfte, erzählt Seidl am Beispiel Paulis vom Export geplatzter Träume und verbrauchter Hoffnungen. Sein schmieriger Stiefvater Michael (Michael Thomas) nimmt den jungen, verschuldeten Arbeitslosen mit auf eine Tour in die Slowakei und die Ukraine, um dort Spielautomaten zu verkaufen. In schäbigen Absteigen vertreibt sich Michael die Zeit mit ängstlichen Nutten, die er vor den Augen seines Stiefsohns blossstellt. Ein nicht völlig abgestumpfter Zuschauer ist da längst schon an die Grenzen des Erträglichen gelangt.

Doch auf sentimentale Sehgewohnheiten nimmt Seidl in seiner schonungslosen fiktionalen Reportage ebenso wenig Rücksicht wie auf voyeuristische Bedürfnisse. Bei den Sexszenen geht der Drehbuchautor (gemeinsam mit Veronika Franz), Regisseur und Produzent nicht zimperlich zu Werke, wahrt aber stets eine ernüchternde Distanz.

Wenig Platz für Hoffnung

Und obwohl sein gesamter Film von einem Klima der Desillusionierung und Gefühlskälte beherrscht wird, bleiben die extremen Exzesse der Gewalt und des sozialen Abstiegs aus. Die Handlung kippt nicht ins Pathologische, Kriminelle und vermittelt dadurch umso mehr ein beklemmendes Gefühl für die alltägliche Realität des Dargestellten.

Ein wenig Platz für Hoffnung lässt aber sogar diese grau betonierten Tristesse. «Import Export» ist ein rauer, harter, klammheimlich aber auch zärtlicher Film über zwei Menschen, die auf ihre je eigene Art um ein bisschen Würde kämpfen – mit ungewissem Ausgang. Es ist eine fiktionale Studie über die moderne Gesellschaft, wie viele von uns sie nur deshalb nicht kennen, weil wir nicht hinsehen wollen. Seidls Film zwingt uns dazu.

Der Film: Kino Kunstmuseum an der Hodlerstrasse 8 in Bern; Sa, 24.1., 20.30 Uhr; So, 25.1., 18 Uhr; Mo, 26.1., 20 Uhr; So, 1.2., 18.30 Uhr; Mo, 2.2., 18.30 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.01.2009, 09:35 Uhr

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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.