Im Klammergriff einer Kröte
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 11.02.2009
Vor dem Duell: Nixon (Frank Langella) und Frost (Michael Sheen). (Bild: zvg)
Regel Nummer 1: Unterschätze nie einen englischen Playboy. Er könnte sich aufs Spielen verstehen und David Frost heissen. Regel Nummer 2: Unterschätze nie einen gefallenen amerikanischen Präsidenten. Er könnte sich auf Revanche verstehen und Richard Nixon heissen.
Ein Mann braucht Wirbel
Regisseur Ron Howard («A Beautiful Mind») hat in «Frost/Nixon» das Spielfeld rasch abgesteckt: Es ist 1977, und der angezählte TV-Talkmaster David Frost (Michael Sheen) braucht dringend einen Interviewknüller. Wer mit den Bee Gees und einem Entfesselungskünstler zurechtkommt, denkt sich der eitle Geck, kann auch Richard Nixon (Frank Langella) das Wasser reichen. Doch Frost ahnt nicht, worauf er sich einlässt.
Nixon, der drei Jahre zuvor auf Grund des Watergate-Abhörskandals zurücktrat, strebt mit aller Macht die Rehabilitierung an. Ein journalistisches Leichtgewicht wie Frost kommt ihm da gerade recht. Und der Brite gerät auch finanziell unter Druck: Da ihm die amerikanischen TV-Sender nicht zutrauen, Nixon vor laufender Kamera eine Entschuldigung abzuringen, muss Frost einen Grossteil des Nixon-Honorars (600000 Dollar) aus eigener Tasche berappen. Damit bleiben ihm zwei Optionen: Ruhm oder Ruin.
Vom Theater zum Kino
Für «Frost/Nixon» hat der britische Autor Peter Morgan sein eigenes Theaterstück zum Filmdrehbuch umgeschrieben. Einmal mehr beweist er damit ein enormes Gespür im Umgang mit Machtmenschen. Schon aus den Biografien von Königin Elisabeth II. («The Queen») und Idi Amin («The Last King of Scotland») hatte Morgan Stoffe von vibrierender Intensität fabriziert.
In «Frost/Nixon» ist die Spannung fast mit Händen zu greifen. Wie diese beiden Wortgladiatoren Position beziehen, ihre Kniffs und Ablenkungsmanöver inszenieren und wie die Teams im Hintergrund Strategie um Strategie entwickeln – das ist Kopfkino vom Feinsten; selbst wenn man um den Ausgang dieser Mediensensation weiss, die damals an vier Abenden 45 Millionen US-Amerikaner vor den Fernseher bannte.
Starker Nixon-Darsteller
Als Sieger im Schauspielerduell geht klar Frank Langella hervor. Er verkörpert Nixon als blitzgescheite Giftkröte, die am liebsten mit der eigenen Unbeliebtheit kokettiert. Dabei bringt er seinen grossspurigen Gegner so unvermittelt aus dem Konzept («Hatten Sie gestern guten Sex?»), dass man ihn fast wieder sympathisch findet. Die Oscarnomination für Langella ist mehr als verdient.
Michael Sheen, der in «The Queen» den britischen Premierminister Tony Blair spielte, hat dagegen einen schweren Stand. Oft bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich in Verlegenheitsposen zu retten. Doch auch für «Frost/Nixon» gilt: Ein Film ist immer so gut wie sein Bösewicht. Und der ist hier von geradezu erlesener Ekelhaftigkeit.
Der Film läuft ab morgen im Kino. (Berner Zeitung)
Erstellt: 11.02.2009, 10:43 Uhr
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