«Ich bin diese Filme leid»
Eine Feuerwelle zerstört die Erde. Nur ein Mann kann uns vielleicht noch retten: Nicolas Cage, der hünenhafte Held aus Hollywood. Wenn der 45-Jährige auf der Leinwand auftaucht, lässt das Explosionsgetöse nicht lange auf sich warten.
Sein neuer Film «Knowing» macht da keine Ausnahme. Doch den Fans gefällts. In den USA spielte das monumentale Drama bereits am Eröffnungswochenende 25 Millionen US-Dollar ein – und besetzte auf Anhieb die Spitze der amerikanischen Charts. Ein weiterer Sieg für den Retter von der Stange.
Der Typ mit müdem Blick
Energiegeladen wirkt Cage im Kino, doch beim Pressetermin in New York sitzt ein alter Mann vor einem. Der Blick ist müde, die Haare dünn und der Bart grau.
Der Superstar spricht in Zeitlupe. Drogeneinfluss? Wohl kaum. «Ich will nichts Falsches sagen, darum spreche ich betont langsam», sagt er entschuldigend.
Nicolas Cage ist Hollywoods Mann fürs Grobe. Kinokracher wie «The Rock», «Con Air», «Lord of War» oder «Ghost Rider» haben es gezeigt: Die Knarre in der Hand steht ihm. Genau dieses Image will Cage aber loswerden.
«Ich bin diese Filme leid, in denen ich ständig Leute erschiessen muss», sagt er. Und seine hohe Stirn legt sich dabei in Falten. Die letzten Jahre haben ihn zum Grübler werden lassen. Jetzt verfolgt Cage eine Mission: Der Star will die Leute mit seinen Filmen wachrütteln.
Mit «Knowing» gelingt ihm das schon mal ganz gut, denn der Thriller ist fast schon unerträglich spannend. «Solche Spektakel will ich auch in Zukunft drehen: Ich möchte die Fantasie der Zuschauer anregen», sagt der Schauspieler. «Ich habe genug von explodierenden Köpfen.» Sein Heil sieht Nicolas Cage im Science-Fiction-Genre. «Weil dort intelligente Fragen gestellt werden, die uns alle interessieren.»
Der kauzige Kerl
Nicolas Cage ist privat ein kauziger Kerl. Das gibt er selber zu. Sein Humor? Der ist abstrus. Über gängige Witze oder Komödien kann er nicht lachen. Wieso, weiss er auch nicht.
Cage ist ein Geek, ein Spinner. In seinem Haus in New York gibt es ein Zimmer, das nur mit Comics gefüllt ist. Sein Arm ziert ein Tattoo des Gruselhelden Ghost Rider. Und mit seinem Sohn Weston – gross, bleich, Gruftilook – hat er 2006 sogar eine eigene, mehrteilige Comicsaga herausgebracht («Voodoo Child», Virgin Comics).
Cage gehen seine Kinder über alles. Zwei hat er: Sohn Kal-El (3, nach Supermans Geburtsnamen benannt) und Weston (18). Ihm hat er seinen aktuellen Film «Knowing» gewidmet. Dort mimt der Schauspieler einen allein erziehenden Vater, der sich rührend um seinen Sohn kümmert. «Die Situation kenne ich aus eigener Erfahrung, nach so einer Story habe ich jahrelang gesucht», sagt der Star, und seine Augen funkeln plötzlich.
Nicolas Cage liebt es, sich in Filmprojekte reinzuknien. Doch mit dem Ruhm hat er so seine Mühe. Es ist ihm immer ein bisschen peinlich, wenn er auf der Strasse erkannt wird. «Aber zum Glück sind die Leute sehr freundlich zu mir», sagt er. Cage ist ein Mann Hollywoods: vom Scheinwerferlicht gewärmt, mit zahlreichen Hits in der Anzugtasche.
Insgeheim schlägt das Herz des Amerikaners aber für Europa. «Hier finde ich die interessanteren Gesprächspartner», sagt der Schauspieler, dessen Mutter aus Deutschland stammt. In Bayern hat er sich 2006 ein Märchenschloss gekauft (das er jetzt wieder verkauft). In Österreich drehte der New Yorker bis vor kurzem einen Ritterfilm. Und in der Schweiz will er jetzt Ferien machen – um Drachenfliegen zu lernen. Inspiriert dazu hat ihn die letzte Geburtstagsparty seines Onkels Francis Ford Coppola. Dort landete plötzlich ein Drachenpilot im Garten und überreichte dem Onkel eine Flasche Champagner. Cage fand das «supercool».
Der glückliche Ehemann
Früher, da war er ein Rebell. Seine Lederjacke symbolisierte für ihn Stärke. Er hatte Sex im Auto auf offener Strasse. Und donnerte mal eine Ketchupflasche in einem Restaurant an die Wand.
«Diese Wut ist mittlerweile verraucht. Heute trage ich keine Lederjacken mehr, sondern Anzüge, und ich übe mich in Geduld», sagt der Gezähmte, der eine erfüllte Ehe mit seiner dritten Ehefrau Alice Kim führt. Cage will jetzt «nur noch ein guter Mensch sein». Routine soll ihm dabei helfen. Sein Leben ist bis ins kleinste Detail durchgeplant. «Ich esse nichts, wonach ich mich schlecht fühle, und erlaube mir so viel Schlaf, wie ich brauche», sagt Nicolas Cage. «Und wenn eine dunkle Wolke am Horizont aufzieht, blocke ich sie ab. Seit ich versuche, meine Gefühle zu kontrollieren, geht es mir viel besser.»
Das klingt wenig spontan. Wann war er denn das letzte Mal glücklich? «Erst vor wenigen Stunden, hier in New York. Ich spazierte durch die Strassen der Stadt. Alle sind hier so normal. Die Menschen behandeln mich so, als wäre ich einer von ihnen.»
Der Film läuft ab Donnerstag im Kino. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.04.2009, 17:04 Uhr
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