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Hollywood in der Ehekrise

Von Benjamin Bögli. Aktualisiert am 14.04.2010

Gerät die Ehe ins Stocken, setzen Hollywoods Spezialisten für Romantic Comedies auf Action und Abenteuer. Wenn das nur gut geht.

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Wo sind sie da bloss gelandet? Phil (Steve Carell) und Claire Foster (Tina Fey) stehen auf einer winzigen Bühne im Separée eines schmuddligen New Yorker Nachtclubs. Vor den beiden sitzt ein zugedröhnter Staranwalt, der sie zu peinlich-lasziven Bewegungen antreibt. Das ist nicht die heile Welt der Fosters. Die befindet sich nämlich westwärts durch den Tunnel, im langweiligen New Jersey. Dort, im schmucken Heim, wird die Nanny die beiden Kinder vor geraumer Zeit zu Bett gebracht haben – kurz nachdem sich die Fosters zu ihrer traditionellen «Date Night» verabschiedet hatten.

Bisher versuchte das Paar bei dieser Gelegenheit, in einem der hübscheren Lokale der Umgebung bei Kerzenlicht ein Stück längst erloschener Romantik zurück zu gewinnen. Nicht heute. In einer Art Ehe-Rettungsversuch sind die beiden nach?Manhattan geflüchtet, haben durch Zufall einen der begehrten Tische im eben eröffneten Trendrestaurant ergattert und befinden sich nun plötzlich mitten in einem Erpressungsskandal.

Die Fosters stehen stellvertretend für das, was sich auf den Leinwänden in den amerikanischen Romantic Comedies zurzeit abspielt: Hollywood steckt in einer Ehekrise. Die Drehbuchschreiber und Regisseure haben die Generation 40 plus und ihre Stars ins Visier genommen. Die Filmemacher erkennen die Lösungen der Paarprobleme derweil nicht in trägen Therapiesitzungen oder zermürbenden Aussprachen, sondern im Abenteuer. Schliesslich soll im Kino etwas passieren. «Date Night», so der Titel des Films mit den Forsters, gehört dabei zu den erfrischenderen Varianten. Welche skurrilen Ausmasse die Kreativität diesbezüglich sonst noch annehmen kann, sehen wir in anderen Beziehungskomödien. Da wird vor nichts zurückgeschreckt.

Therapie mit Brechstange

Eben angelaufen ist «The Bounty Hunter»: Ein Kopfgeldjäger (Gerard Butler) prügelt seine Exfrau (Jennifer Aniston) von Atlantic City ins Gefängnis nach New York: Paartherapie mit der Brechstange. Aniston und Butler, beide selber auch schon über 40, verhalten sich dabei wie Teenager. Und, ob mans glaubt oder nicht, sie kommen sich dabei wieder näher.

Ein ähnliches Rezept schlägt der Streifen «Did You Hear about the Morgans?» vor, der bis vor kurzem noch im Kino zu sehen war. Ein urbanes Mittvierziger-Ehepaar (Sarah Jessica Parker und Hugh Grant), das sich getrennt hat, beobachtet nach einem ihrer letzten gemeinsamen Essen in Manhattan einen Mord und muss anschliessend ein Zeugenschutzprogramm auf einer Ranch in den Rocky Mountains antreten. Auch diese actionreiche Zwangsvereinigung wirkt seltsamerweise Wunder.

Therapie mit Nachbar

Ein anderes Abenteuer sucht Catherine Zeta-Jones im Film «The Rebound», der wie «Date Night» diese Woche in den Kinos startet. Nachdem ihr Ehemann sie betrügt, zieht die 40-Jährige vom Land in den Big Apple, wo sie sich den 15 Jahre jüngeren Nachbarn (Justin Bartha) schnappt, der ihre Kinder hüten soll. Und das eigentlich auch bestens erledigt. Nur: Die reife Frau scheint das nicht wirklich zu honorieren und lässt ihren Jüngling zuerst einmal die Hörner abstossen. Wenn er damit bloss keinen Schaden anrichtet.

Damit kennen sich die eingangs erwähnten Fosters mittlerweile bestens aus. Denn Sie lassen es während ihrer «Date Night» tüchtig krachen. Auch wenn sie ziemlich grossen Blechschaden hinterlassen, irgendwie mag man die beiden ein bisschen mehr, wenn man aus dem Kino kommt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.04.2010, 13:22 Uhr

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