Kultur
Die Hippies in der Armee
Von Hans Jürg Zinsli. Aktualisiert am 16.03.2010
Gabs je einen vergnüglicheren Film über männliches Versagen? In «The Men Who Stare at Goats» will sich der von seiner Frau verlassene Lokalreporter Bob Wilton (Ewan McGregor) über Nacht als Kriegsreporter im Nahen Osten beweisen. Das kann nicht gut gehen – und tut es auch nicht. Noch bevor Wilton im Irak ankommt, stösst er auf Lyn Cassady (George Clooney), der einst in der geheimen Militäreinheit New Earth Army mit «Jedi-Rittern» paranormale Kriegsführung betrieb. Zu den mehr oder minder ausgereiften Techniken gehörten Gedankenlesen, Durch-die-Wand-Gehen und Ziegentöten mit Killerblick.
Auf geheimer Mission
Klingt noch nicht krud genug? Da hilft eine Zeitreise in die Sechzigerjahre: Der Erfinder der Spezialeinheit, Bill Django (Oscarpreisträger Jeff Bridges), mutierte im Vietnamkrieg zum Hippie und hielt seine Visionen der friedlichen Kriegsführung in einem Handbuch fest. Blöd nur, dass Django später einem Intriganten (Kevin Spacey) zum Opfer fiel, der aus den Softies wieder Killer formte. Doch es gibt noch Hoffnung für die New Earth Army – und die heisst Cassady, auch wenn der seinem journalistischen Begleiter nur langsam enthüllt, auf welcher Mission er sich im Irak befindet.
Nun, was soll man von einem Film halten, der gleich zu Beginn warnt: «Mehr hiervon ist wahr, als Sie glauben würden.» Tatsache ist, dass «The Men Who Stare at Goats» auf dem gleichnamigen Sachbuch des britischen Journalisten Jon Ronson basiert. Wer also glauben will, darf es guten Gewissens tun. Fakt ist aber auch, dass Regisseur Grant Heslov (Clooneys Partner in der Filmproduktionsfirma Smokehouse) mit Drehbuchautor Peter Straughan aus einer Kuriositätensammlung eine irrwitzige Komödie mit Starbesetzung geformt hat. Und das Beste: «Goats» ist kein weiterer Film über den Irak-Krieg, sondern ein listiges Lehrstück über Männer mit gebrochenem Herzen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.03.2010, 16:50 Uhr





