Kultur
Grandiose Action, wenig Charme
Darauf haben die Fans lange gewartet: Endlich ein «Terminator», der in der postapokalyptischen Zukunft spielt, die in den ersten drei Teilen stets nur angedeutet wurde. Nachdem Arnold Schwarzenegger vom «Termi-» zum «Gouvernator» befördert worden war und für eine neue Folge nicht mehr zur Verfügung stand, lag der Zeitsprung zum Krieg zwischen Menschen und Maschinen nahe. Ohne den charismatischen «Mr. Universum» aus der Steiermark mussten die Produzenten von «Terminator Salvation» etwas ändern. Sie änderten so viel, dass vom alten kaum noch etwas übrig blieb.
Die mörderischen Maschinen von «Skynet», die mit einem Atomkrieg die menschliche Zivilisation weitgehend vernichtet haben, versuchen einmal mehr, den Anführer des menschlichen Widerstandes, John Connor (Christian Bale), zu töten. Entweder direkt oder auf dem Umweg über Kyle Reese (Anton Yelchin), der zu dem Zeitpunkt, zu dem «Terminator Salvation» spielt, noch nicht in die Vergangenheit geschickt wurde, um John Connors Mutter Sarah zu retten und Johns Vater zu werden. Der vierte Teil der «Terminator»-Serie spielt also sowohl vor als auch nach dem ersten Teil. Es ist – die Zeitreisenlogik macht es möglich – ein in der Zukunft angesiedeltes Prequel. Die Schlüsselfigur in diesem Zeitentreffen bildet der dubiose Marcus Wright (Sam Worthington), eine einzigartige Mischung aus Mensch und Maschine, von dem man nie weiss, auf wessen Seite er steht.
Austauschbare Macker
An den existenziellen Nöten dieser Figur hält sich Regisseur McG («Charlie’s Angels») allerdings nicht lange auf, wie er sich überhaupt nur am Rande für Charaktere interessiert. Bale gibt den brummigen, unnahbaren Anführer, Worthington den ebenso wortkargen, mysteriösen Sonderling. Zwei starke, coole und austauschbare Macker.
Deutlich vielschichtiger agiert Yelchin in der Rolle des zwischen Mut und Unsicherheit schwankenden Kyle Reese, der aber leider nur selten ins Geschehen eingreift. In puncto Rasanz und Action lässt McGs Inszenierung dagegen keine Wünsche offen. Der Endzeitstreifen entpuppt sich als ein einziger, pausenloser Adrenalintrip. Die Verfolgungsjagden gehen fast nahtlos ineinander über, eine spektakulärer als die andere. Motorräder schiessen aus den stählernen Beinen eines Terminator-King-Kongs, Roboterschlangen lauern in Seen, und durch die Lüfte schwirren Aufklärer, Kriegsschiffe und «Ernter», die mit mächtigen Greifarmen Menschen vom Boden pflücken, um sie in die «Skynet»-Zentrale zu verfrachten. Dort bahnt sich schliesslich das grosse Finale an, in dem – dank digitaler Montagetechnik – für wenige Sekunden auch Arnold Schwarzenegger noch einmal nackt über die Leinwand flimmert. Ein Bonbon für die Fans der ersten Folgen, das aber auch wehmütig stimmt.
Denn trotz aller technischer Brillanz, trotz der grandios choreografierten und animierten Actionsequenzen, der atemlosen Spannung, des ganzen State-of-the-Art, lässt sich nicht verkennen, dass das, was hier noch als «Terminator» firmiert, mit dem Original kaum mehr verbindet als das Design der T-600 oder 800 und ein paar eingestreute Zitate.
Verlorener Charme
Diesmal ist es John Connor, der das «I’ll be back» verkündet. Und tatsächlich wird er, nach einer peinlich pathetischen Schlusspointe, wohl auch im fünften Teil wieder dabei sein. Aber so wie Daniel Craig «James Bond» zu Grabe trug, haben Christian Bale und McG nun «Terminator» beerdigt. Auch wenn jeweils noch viele hochklassige Teile folgen sollten: das Franchise lebt, aber der ursprüngliche Charme ist wohl für immer verloren.
Der Film läuft ab morgen im Kino. (Berner Zeitung)
Erstellt: 03.06.2009, 14:38 Uhr




