Gefühlsdrama mit Geheimnissen
Sanfte Annäherung: Rosario Dawson, Will Smith. (Bild: Keystone)
Wer Will Smith gerne schmunzeln sieht, muss in seinem neuen Film lange warten. Nachdem Regisseur Gabriele Muccino dem begnadeten Komiker und ordentlichen Charakterdarsteller in «Pursuit of Happyness» reichlich Grund zur Freude gab, hat Smith in der zweiten Zusammenarbeit kaum noch was zu lachen.
Selbstmord per Telefon
Schon die erste Szene gibt die Grundstimmung vor: Der von Smith verkörperte Ben Thomas kündet in der Notfallzentrale per Telefon seinen Selbstmord an. «Seven Pounds» erzählt, wie es dazu kam. Rückblicke im Rückblick lassen einen glücklichen Ben Thomas aufscheinen. Der Luftfahrtingenieur war reich und hatte eine schöne Frau, die er liebte – plakative Einblendungen aus besseren Tagen. Doch etwas hat das alles zerstört. Dass es ein Unfall war, ist kein grosses Geheimnis. Doch das Mysterium, das die Handlung im ersten Drittel trägt und den Zuschauer in den Bann zieht, ist ein anderes.
Hilfe für wildfremde Leute
Ben Thomas befindet sich offensichtlich auf einsamer Mission. Er mischt sich ins Leben wildfremder Leute ein, versucht, eine geprügelte Ehefrau aus den Fängen ihres Mannes zu befreien, verschafft der herzkranken jungen Emily Posa (Rosario Dawson) einen illegalen Steueraufschub und spioniert einem blinden Telefonisten (Woody Harrelson) hinterher.
Was er damit bezweckt, bleibt zunächst unklar. Und genau diese Ungewissheit, durch düstere Klänge und bedrohliche Kameraeinstellungen noch verstärkt, macht den Reiz des Films aus. Leider aber kommt man Thomas’ Plan schnell auf die Schliche. Und mit dem Geheimnis geht auch die intensive Atmosphäre flöten. Die Romanze zwischen Ben Thomas und Emily Posa, die an Stelle der Mystik tritt, bleibt (wie die zu knapp abgehandelten Nebenstränge) eine Aneinanderreihung von Klischees.
Unklar bleibt nur, wie sich Emilys Liebe auf Bens Pläne auswirkt. Und so wirds gegen Schluss nochmals spannend. Alles in allem bietet Muccino mit «Seven Pounds» routiniertes, kurzweiliges Gefühlskino, das sein dramaturgisches Potenzial jedoch unzureichend umsetzt. Auch Will Smith war schon besser. Hier zeigt er zwei Stunden lang kaum mehr als einen einzigen melancholischen Gesichtsausdruck. (Berner Zeitung)
Erstellt: 07.01.2009, 08:57 Uhr
Kultur
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