Kultur
Film «Valkyrie» - Atemberaubendes Adrenalinkino
Heroisierung à la Hollywood:In «Valkyrie» wird Stauffenberg, gespielt von «Scientology»-Mitglied Tom Cruise, pathetisch verehrt – auf Kosten der historischen Wahrheit. (Bild: Keystone)
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Der Film läuft ab Donnerstag im Kino
«Es lebe das heilige Deutschland!» Das soll Hitler-Attentäter Oberst Graf Schenk von Stauffenberg gerufen haben, ehe ihn ein Exekutionskommando in der Nacht vom 20. auf den 21.Juli 1944 erschoss. Der Anschlag auf den «Führer» war gescheitert, aber ein Zeichen für ein anderes Deutschland gesetzt, das bis heute überdauert und mit Bryan Singers «Valkyrie» über den Umweg der Studios in Potsdam-Babelsberg nun auch Hollywood erreicht.
Mit den Worten «Das Attentat muss erfolgen, côute que côute (koste es, was es wolle)», hatte Generalmajor Henning von Tresckow das Signal zum Putschversuch gegeben. Möglicherweise kam es den Verschwörern des 20.Juli weniger auf ihren Erfolg an, als darauf, zu zeigen, «dass der deutsche Widerstand vor der Welt und vor der Geschichte den entscheidenden Wurf gewagt hat».
Minuziöse Rekonstruktion
Ob sie sich in Singers Film wiederfinden würden? Den inneren Zwiespalt der Wehrmachtsoffiziere spiegelt die amerikanisch-deutsche Koproduktion ebenso wenig wider wie ihre Beweggründe. Von den beiden 1955 erschienenen bundesdeutschen Spielfilmen über den 20.Juli entschieden sich die Macher von «Valkyrie» für Georg Wilhelm Pabsts «Es geschah am 20.Juli» als Vorlage. Damit fiel die Wahl auf einen Film, der die Ereignisse minuziös rekonstruierte, und nicht auf den, der auch die Hintergründe aufzuarbeiten versuchte (Falk Harnacks «Der 20.Juli»).
Einen historisch tiefgründigen Film sollte man von «X Men»-Regisseur Singer also nicht erwarten. Was man aber geboten bekommt, ist atemberaubendes Adrenalinkino: perfekt getimt, angetrieben von einem packenden Sound, praktisch ohne Längen, dabei nie konfus, sondern stets stringent und nachvollziehbar erzählt. Dass die Filmemacher es da mit der geschichtlichen Wahrheit nicht immer ganz genau nehmen: geschenkt! Ärgerlich ist nur die pathetische Heldenverehrung Stauffenbergs. So stammt die Idee, den Sturz des Hitler-Regimes mit Hilfe der «Walküre»-Pläne für den Einsatz des Ersatzheeres zur Niederschlagung von Aufständen durchzuführen, von General Friedrich Olbricht. Im Film aber ist es Stauffenberg, der den Geistesblitz hat, das Hitler-Attentat der SS und führenden Nazigrössen in die Schuhe zu schieben und sie dann durch die «Operation Walküre» zu entmachten, als die Nadel der Wagner-Platte, die er gerade hört, bei einem alliierten Bombenangriff auf den «Walkürenritt» umspringt. An anderer Stelle sagt ein Mitverschwörer bedeutungsschwanger zu Stauffenberg, Gott habe Abraham versprochen, Sodom zu verschonen, wenn er ihm zehn gute Menschen zeige; für Deutschland genüge vielleicht schon einer.
Souveränes Handwerk
Dass dieser eine von einem Mitglied der «Scientology»-Organisation verkörpert wird, hat für heftige Diskussionen gesorgt. Schauspielerisch rechtfertigt Cruise seine Besetzung nur bedingt. Er liefert souveränes Handwerk ab, bleibt aber unter seinen Möglichkeiten. Sebastian Koch, der vor fünf Jahren in der TV-Verfilmung «Stauffenberg» die Titelrolle übernahm, hinterliess einen glaubwürdigeren Eindruck. Überhaupt hielt sich Jo Baiers nicht minder spannendes Pabst-Remake konsequenter an die historischen Begebenheiten. «Valkyrie» ist da der plakativere, trivialere Film – und der mit Abstand erfolgreichere. (Berner Zeitung)



