Ein bisschen viel auf einmal

Jürg Mosimann, der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern zum Kieler-Tatort «Borowski und das dunkle Netz».

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) machen einen grausigen Fund.

Kommissar Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) machen einen grausigen Fund. Bild: zvg/ard

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Kommissar Borowski und seine Kollegin Sarah Brandt mussten gestern viel ertragen. Von den Zuschauern möchte ich eigentlich gar nicht reden. Und von mir schon gar nicht – ich tus aber trotzdem. Der «Tatort» sei ein Familienkrimi, habe ich mal in einem TV-Dingsda gelesen.Und die jungen Zuschauer seien beim «Tatort»-Schauen sowieso unterfordert. Das habe ich in einem anderen Programmheft gelesen. Die Jüngeren hatten gestern also eher den Durchblick als die Älteren. Die verstanden bestimmt oft nur noch ­Bahnhof – ich übrigens streckenweise auch.

Wie dem auch sei: ob unter- oder überfordert – gefordert waren gestern alle. In erster Linie Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seine Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli). Die beiden hatten den Auftrag, einen Doppelmord in einem Fitnessstudio aufzuklären. Ein Auftragskiller mit Wolfsmaske war durch die Räume des Studios gepirscht und hatte dort den Besitzer und den Dezernatsleiter für Cyberkriminalität im Landeskriminalamt (LKA) erschossen.

Die Jüngeren  hatten gestern eher den Durchblick  als die Älteren. Die  verstanden oft nur Bahnhof.

Der Täter hatte den Mordauftrag aus dem Darknet, dem dunklen Netz im Internet, bekommen. Das Honorar bekam der Killer in Form von Bitcoins. Bei der Suche nach dem Mörder und seinem Auftraggeber tat sich Borowski mit der undurchsichtigen Welt der Cyberkriminalität leidlich schwer. Ganz anders Kollegin Brandt. Sie war zwar gefordert, aber nicht überfordert. Die cyberaffine Ex-Hackerin erwies sich bei ihrem zweitletzten «Tatort»-Auftritt als Juwel.

Wenn die gestrige Folge polarisiert, dann verwundert mich das nicht. Mit «Borowski und das dunkle Netz» (Regie: David Wnendt) trafen die Guten auf den Bösen, traf ein Thriller auf eine Komödie, Horror auf Sarkasmus und Dialogwitz. Spannend inszeniert, aber etwas viel auf einmal. Zählt man den Cyber-wirrwarr auch noch dazu, dann habe ich volles Verständnis für die Optik und die Urteile der Zuschauer mit Lebenserfahrung. Die werden wieder sagen: «Äs sy haut nümm di Krimis wo ­früecher.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.03.2017, 09:46 Uhr

Jürg Mosimann: Der ehemalige Sprecher der Kantonspolizei Bern meldet sich in unregelmässigen Abständen zum «Tatort» zu Wort. (Bild: Susanne Keller)

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