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«Ein Witz ist wie eine sexuelle Avance»

Interview: Michèle Binswanger. Aktualisiert am 19.05.2011 56 Kommentare

Sind Männer witziger als Frauen? Und haben wir hierzulande ein Humorproblem? Komödienschreiberin Güzin Kar mit Antworten.

Güzin Kar ist Autorin, Regisseurin, Kolumnistin. Sie gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Drehbuchautorinnen im deutschprachigen Raum und landete mit ihrem Film «Die wilden Hühner»einen Publikumserfolg. Ihr neuer Spielfilm «Fliegende Fische» läuft morgen in Schweizer Kinos an.

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Immer wieder heisst es, Frauen hätten keinen Humor. Was halten Sie als erfolgreiche Komödienschreiberin von solchen Vorurteilen?
Das Humor-Business und auch die Komödienschreiberei ist eine Männerdomäne, das ist so. Wenn es dann heisst, Frauen hätten keinen Humor, dann beschreibt man damit vielleicht diesen Ist-Zustand. Dass der Humor eine genetische Veranlagung von Männern ist, halte ich aber für Unsinn.

Es gibt tatsächlich solche evolutionsbiologische Erklärungsversuche: Weil Frauen auf Humor stehen, kriegen witzige Männer auch dann eine Frau ab, wenn sie hässlich sind. Frauen haben das nicht nötig, denn auch hässliche Frauen finden einen Mann.
Mit der Evolutionsbiologie kann man heute den grössten Mist erklären, da ist für jeden etwas drin. Viel wichtiger sind die kulturellen Unterschiede. Und in dieser Hinsicht haben wir im deutschsprachigen Bereich die Arschkarte gezogen. Wir haben hier nicht nur ein Problem mit Frauen, sondern wir haben überhaupt ein Problem mit Komödien.

Wer ist denn lustiger als wir?
Eigentlich alle. Im englischsprachigen Bereich, aber auch in Frankreich herrscht eine ganz andere Humorkultur. Als ich dort an meinem Film schrieb, schaute ich oft fern. Und ich habe noch selten eine derartige Ballung an lustigen Frauen im Fernsehen gesehen wie dort. Auch im Orient ist es anders. Ich habe ja türkische Wurzeln, und in meiner Familie habe ich noch nie etwas davon gehört, Frauen könnten nicht lustig sein. Im Gegenteil: Meine Grossmutter sagte mir immer: Güzin, wenn du die Leute zum Lachen bringen kannst, dann bekommst du auch im Krieg zu essen.

Kann man eigentlich lernen, lustig zu sein?
Es ist eine Frage des Talents. Es gibt einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, aber der ist nicht genetisch, sondern soziokulturell. Humor ist im Kern eine aggressive Verhaltensweise, und dieses Vorpreschen entspricht den Frauen vielleicht nicht besonders. Denn wer einen Witz macht, der prescht vor.

Und stellt sich gleichzeitig aus und zeigt Angriffsfläche.
Genau, man stellt sich zur Schau und will auch etwas. Da gibt es übrigens eine auffällige Parallele zur Sexualität. Der Versuch, jemanden zum Lachen zu bringen, ist wie eine sexuelle Anmache. Und diese ist in unserer Kultur den Männern vorbehalten. Deshalb nimmt man es den Frauen auch prompt übel, wenn sie sich exponieren. Ich habe neulich ein Verhaltensbuch für junge Frauen aus den Vierzigerjahren gelesen. Und dort schreibt ein Mann, es sei ganz wichtig, dass eine Frau in der Öffentlichkeit nicht laut lacht. Ich habe mich gefragt, warum das für die Kulturhüter so anstössig war? Frauen müssen Musen sein und im Hintergrund bleiben.

Gibt es deshalb so wenig Frauen, die sich als Komikerinnen auf einer Bühne behaupten können?
Es hat auch mit der Zuschreibung von sexueller Attraktivität zu tun. Man denkt, diese der Frau gehe verloren, wenn sie sich so exponiert. Man darf attraktiv sein, dann aber bitte still und unerreichbar. Das ist natürlich Quatsch, man braucht sich bloss Frauen wie Mae West anzuschauen, die genauso schön wie lustig war. Oder meine Hauptdarstellerin Meret Becker: Sie ist Artistin, macht Variété, singt, und hat sogar schon mit Steven Spielberg gearbeitet. Sie kommt aus einer Schauspielerfamilie, hat von klein auf gelernt, auf einer Bühne zu stehen.

Trotzdem fällt es auf, dass viele Frauen sich auf der Bühne unattraktiv machen, als wollten sie kompensieren – Beispiel Ackapickels.
Ein guter Punkt. Ich finde auch, es reicht langsam mit diesen Frauen in Faltenröcken usw. Nicht, weil man sich nicht hässlich machen dürfte, auf der Bühne, aber diese Figur ist langsam passé.

Unterscheidet sich der weibliche vom männlichen Humor?
Nein, es gibt nur guten und schlechten Humor. Wenn man es als Frau im Humorbereich schafft, hat man alle ausgestochen, auch die Männer. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.05.2011, 14:36 Uhr

56

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56 Kommentare

daniel graf

18.05.2011, 16:32 Uhr
Melden 28 Empfehlung

wer in der arbeit oder im umgang mit geschäftspartner humor an den tag legt, wird in der deutschweizer kultur schnell mal als unseriös wahrgenommen... auch unsere schwarz bebrillten und gekleideten intellektuellen sind diesbezüglich ein paradebeispiel, hoffen sie doch, mit einem anschiss-gesicht ernst genommen zu werden... ihre depressionen kommen dann im schweizer filmschaffen zum ausdruck. Antworten


Alexander Müller

18.05.2011, 15:45 Uhr
Melden 24 Empfehlung

Ich halte die Aussage, dass alle lustiger als die Schweizer seien für Rassismus. Hier werden Schweizer pauschal diffamiert. Die Aussage ist in dieser pauschalen Form zudem schlicht und einfach falsch. Jedes Volk hat seinen eigenen Humor. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige Ausländer den CH-Humor nicht verstehen. Besonders die Lauten und Primitiven. Antworten



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