Ein Superhirn für alle Fälle
Will Smith hat mit Tom Cruise einen Wettbewerb am laufen: Wer kann länger auf dem roten Teppich bleiben? (Bild: Keystone)
«Seven Pounds» gehört zu Ihren ernsten Filmen. Was bringt Sie selbst zum Grübeln?
Will Smith: Meine letzten drei Filme drehten sich im Prinzip um dasselbe Thema: Wie weiter nach einem traumatischen Erlebnis? Die Antwort ist: Man braucht eine Aufgabe.
Und was ist Ihre Aufgabe?
Mir war stets klar, dass ich nicht nur Filme drehen will. Ich kann mehr geben. Mit meiner Frau war ich kürzlich in Israel und Indien auf spiritueller Suche. Und was immer ich noch tun werde, es muss der Menschheit dienen. Nur das macht mich glücklich.
Hat diese Suche etwas mit Ihrer Annäherung an Scientology zu tun?
Ich bin kein Scientologe, aber einer meiner besten Freunde.
Sie meinen Tom Cruise. Dessen Sohn Connor spielt Sie in «Seven Pounds» in jungen Jahren...
Ja, es ist zwar nur eine kleine Szene, aber Connor war genau im richtigen Alter dafür.
Stehen Sie und Tom Cruise in einem Wettbewerb betreffend Kinoerfolg?
Ja, wir haben einen Wettbewerb: Wer kann länger auf dem roten Teppich bleiben? Wenn ich etwa in Paris bin und Tom war gerade da, muss mir jemand sagen, wie lange er Autogramme geschrieben hat. Dann versuche ich diese Zeit zu schlagen. Aber ich schüttle die Hände von Fans letztlich für mich – nicht für den Fan, denn ich brauche diesen Kontakt. Diese Energie ist mein Antrieb, der mich oben hält. Sonst würde die Last der Welt mich zu Boden drücken. Mit über 5 Milliarden eingespielten Dollars an der Kinokasse sind.
Sie der erfolgreichste Hollywood-Star überhaupt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?
Man weiss ja, dass meine zehn erfolgreichsten Filme Effektfilme waren, davon sind neun mit künstlichen Wesen und acht davon haben eine Liebesgeschichte. Wenn man also einen Effektfilm mit künstlichen Wesen und einer Lovestory macht, kann nicht viel schief gehen. Aber wenn man damit ein paar Mal Erfolg hatte, verschiebt sich diese Formel, denn nun spielen Emotionen mit – und dann macht man solche Selbsterkennungsfilme wie «Seven Pounds».
Stimmt es, dass Sie mit Ihrer Produktionsfirma auch in den Mittleren Osten expandieren wollen?
Ja, ich will in den Iran und mit Studenten über Kunst reden. Nicht über Politik. Ein künstlerischer Austausch tut mehr für das gegenseitige Verständnis als alle Diplomatie. Wieso wurde Barack Obama gewählt? Weil junge weisse Amerikaner dank MTV und Internet Zugang zur afroamerikanischen Kultur hatten, der ihren Eltern und Grosseltern noch verwehrt war. So stelle ich mir auch die Annäherung zwischen Amerika und dem Mittleren Osten vor: Wenn wir mehr voneinander verstehen, brauchen wir nicht immer gleich einen Krieg vom Zaun zu reissen, wenn etwas nicht genau in unser religiöses Konzept passt.
Sie wollen Barack Obama angeblich in einem Film spielen?
Zuerst muss Obama das Ende des Films schreiben. Denn noch ist nicht klar, was alles anders wurde oder wird. Für mich als Schwarzer hat sich der Kreis zum vollen Staatsbürger geschlossen: Bisher kam man sich als Schwarzer mit der US-Flagge immer ein bisschen wie ein «Onkel Tom’s Hütte»-Verräter vor. Aber jetzt sind wir endlich nicht mehr Afro-Amerikaner, sondern einfach Amerikaner afrikanischer Abstammung.
Was erhoffen Sie sich von Obama?
Amerikas Stärke war immer, dass es das Land aller war – nicht diese isolierte Nation, die sie heute ist. Da konnte einer von irgendwo her kommen und Gouverneur oder Filmstar werden. Ich hoffe, diese Grundidee, dass man in Amerika Träume verwirklichen kann, wird durch Obama wieder Fuss fassen. Sie sind seit elf Jahren mit der Schauspielerin Jada Pinkett Smith verheiratet und Ihre Kinder Jaden und Willow sind mittlerweile auch schon Filmstars.
Nach welcher Philosophie funktioniert Ihre Familie?
Jada und ich sind nie dem Irrtum erlegen, dass wir für das Glück des anderen verantwortlich sind. Wenn ich nicht glücklich bin, bin ich selber Schuld. Wer mit sich im Reinen ist, hat auch keine Beziehungsprobleme, denn die sind nichts anderes als Probleme des Individuums, die die Beziehung belasten. Bei den Kindern sind wir mit kleinen Abweichungen auch gut gefahren. Wie bringt man sie dazu, ihr Zimmer aufzuräumen? Indem ich ihnen klar mache, dass es eben nicht ihre Zimmer, sondern meine Zimmer sind. Sie dürfen sie jedoch benutzen, wenn sie sie aufräumen. Funktioniert prächtig! Sind Sie am Set, wenn Ihre Kids vor der Kamera stehen, oder «stören» Sie da als Hollywood-Star nur?
Nun, Jaden hat mich von den Dreharbeiten zu «The Day the Earth Stood Still» verbannt. Ich versuche eben zu helfen, wo ich kann, und mische mich überall ein.
Sie sind im September 40 geworden. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in den neuen Lebensabschnitt?
Ich fühle mich immer noch sexy! (lacht). 40 zu werden hat mich gar nicht beeindruckt. Ausser der Tatsache, dass mein ältester Sohn 16 wurde und jetzt Auto fahren kann. Erst da fiel bei mir der Groschen eigentlich, dass ich schon ziemlich alt sein muss, wenn mich bereits mein Sohn herumchauffieren kann. (Berner Zeitung)
Erstellt: 07.01.2009, 08:54 Uhr
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